Facebook, Twitter und Co. Kampf um jeden Klick

Viele Politiker betreiben eifrig Wahlkampf in den sozialen Netzwerken. Foto: dpa

Stuttgart - Barack Obama hat bei Facebook 35 Millionen Fans, Angela Merkel mobilisiert immerhin rund 280.000. Damit liegt sie weit vor Peer Steinbrück, der auf 23.900 Gefällt-mir kommt. Die Politiker haben längst erkannt, dass sie im Wahlkampf auch in den sozialen Netzwerken um die Gunst der Wähler buhlen müssen.

37 Prozent der Bürger sind nach einer Forsa-Studie im Auftrag des Branchenverbandes Bitkom der Meinung, der Einsatz des Internets durch die politischen Parteien werde entscheidenden Einfluss auf den Ausgang der Bundestagswahl 2013 haben. Unter den 18- bis 29-Jährigen ist sogar fast die Hälfte dieser Ansicht.

Politiker punkten mit Twitter und Co. vor allem bei jungen Menschen

Die baden-württembergischen Bundestagsabgeordneten haben die Zeichen der Zeit erkannt. Wie die Bitkom ermittelt hat, sind 94 Prozent der Abgeordneten aus Baden-Württemberg bei mindestens einem sozialen Netzwerk angemeldet. Damit gehören die 84 Abgeordneten zu den aktivsten Politikern bei Facebook, Twitter, YouTube und Co. im Bundesvergleich. Wolfgang Schäuble als bekanntester Abgeordneter aus Baden-Württemberg liegt immerhin auf Platz fünf, dabei sind die Themen auf seiner Seite eher trocken. „Prominenz spielt eine große Rolle bei der Beliebtheit der Facebookseiten“, sagt Martin Fuchs. Er ist Betreiber des Internetblogs „Hamburger Wahlbeobachter“, der die Bitkom-Studie ausgewertet hat. Doch Prominenz allein reicht nicht – wie man bei anderen bekannten Abgeordneten wie Siegfried Kauder (Platz 58) oder Ute Vogt (Platz 18) sieht. Unbekanntere Politiker können dagegen besonders bei jungen Menschen punkten, wenn sie auf allen Kanälen zu finden sind.

„Meine politischen Inhalte möchte ich transparent halten“, sagt der grüne Bundestagsabgeordnete Memet Kilic (46) aus dem Wahlkreis Pforzheim. Er führt die Liste der baden-württembergischen Abgeordneten in den sozialen Medien an. Mehr als 4800 Facebook-Fans versorgt Kilic täglich mit neuen Informationen rund um seinen politischen Alltag. Auf seiner Seite finden sich seine Pressemitteilungen, Links zu Zeitungsartikeln und Berichte darüber, wo er sich mit wem getroffen hat. Doch den Gefällt-mir-Button drücken die Fans am häufigsten, wenn Kilic etwas Privates weitergibt. Dennoch will er vor allem sein politisches Leben in den sozialen Netzwerken abbilden, „ich bin Vollblutpolitiker“.

Politik vor Privatem

Er versucht, seine Wähler auf allen Kanälen zu erreichen, sei es über Facebook, Twitter oder YouTube. Für die Video-Plattform hat er sich ein Fernsehstudio in seinem Keller eingerichtet, in dem er Botschaften aufnimmt und sendet. Aber er nimmt nicht jede Freundschaftsanfrage an: „Rassisten haben auf meiner Seite nichts zu suchen.“

Ingo Wellenreuther (54) liegt in der Rangliste knapp hinter Kilic auf Platz zwei. Wertet man nur Facebook-Fans aus, steht der CDU-Politiker aus dem Wahlkreis Karlsruhe an der Spitzenposition. Auch er konzentriert sich hauptsächlich auf politische Mitteilungen. „Meine privaten Befindlichkeiten interessieren doch keinen“, sagt Wellenreuther. In sozialen Netzwerken könne er lockerer kommunizieren. „Emotionen sind erlaubt, anders als in Pressemitteilungen“, sagt er. Daher postet er auch mal über seinen Lieblingsverein, den Karlsruher SC.

Politiker nutzen das Internet vor allem, um mit den Bürgern in Kontakt zu treten und ihre Reaktionen ganz direkt mitzubekommen. Doch Wellenreuther und Kilic sind sich einig: „Die neuen Medien können den direkten Kontakt mit den Bürgern von Angesicht zu Angesicht nicht ersetzen.“

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