Fahrradklima-Test des ADFC Note vier fürs Schorndorfer Radwegenetz

Ganz neu: Auf der Stuttgarter Straße gibt es jetzt Fahrradstreifen. Radeln auf dem Gehweg ist also bald nicht mehr notwendig. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Schorndorf. Radfahrer, die häufig in Schorndorf unterwegs sind, immer wieder an Zebrastreifen absteigen müssen, sich überhaupt über die vielen Lücken im Radwegenetz ärgern, verwundert das Ergebnis nicht: Im Fahrradklima-Test des ADFC hat die Daimlerstadt 2018 mal wieder nur die Note vier erreicht – für ein ausreichendes Radwegeangebot also. Michael Maier von der ADFC-Ortsgruppe sieht noch viel Luft nach oben.

Für den Ansprechpartner des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) tritt Schorndorf nicht nur auf der Stelle, „es wird sogar noch leicht schlechter bewertet als das letzte Mal“. Und tatsächlich: Seit 2014 ist die Daimlerstadt von der Note 3,8 abgesackt und schafft es nicht über das hintere Mittelfeld hinaus. Vielleicht, mutmaßt Maier, liegt’s an den vielen Last-Minute-Baumaßnahmen zur Gartenschau. Tatsächlich sind Radfahrer aber schon lange mit einem äußerst lückenhaften Radwegenetz konfrontiert. Obwohl etwa rund um den Feuersee nachgebessert wurde und große Umbaumaßnahmen an der Stuttgarter und der Bauknecht-Straße sogar den Berufsverkehr zu Beginn des Jahres fast zum Erliegen gebracht haben, dass Radwege plötzlich enden oder mit einem Gehweg verschmelzen, hat sich nicht geändert. Und so kritisieren die 113 Radler, die sich am bundesweiten Fahrradklima-Test 2018 beteiligt haben, nicht nur grundsätzlich das Fahren auf Radwegen und -streifen, sondern vor allem auch die Breite der Wege und die Führung an Baustellen. Negativ fällt außerdem auf, dass nur wenige Einbahnstraßen in Schorndorf für Radfahrer geöffnet sind und häufig Umwege gemacht werden müssen.

Radler-Glück: Winterdienst und Falschparkerkontrolle

Die Note vier bekommt in Schorndorf auch der Winterdienst auf Radwegen und die Reinigung der Wege, auf denen auch immer wieder Hindernisse stören. Schlechter als vier bewertet sind außerdem das Sicherheitsgefühl, Konflikte mit Kraftfahrzeugen, die Falschparkerkontrolle auf Radwegen sowie die Abstellanlagen. Doch es gibt auch Positives: Die Erreichbarkeit des Stadtzentrums, die Wegweisung für Radfahrer und die Fahrradmitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln rangieren zwischen den Noten 3,2 und 3,5.

Schorndorfer Schwächen: Erreichbarkeit des Stadtzentrums und zügiges Radfahren

Im Vergleich zu 311 ähnlich großen Städten hat Schorndorf bundesweit Platz 185 erreicht und in Baden-Württemberg unter 50 Städten Platz 33. Und so werden beim Fahrradklima-Test im Vergleich zu anderen Städten mit 20 000 bis 50 000 Einwohnern das Angebot öffentlicher Fahrräder, die Mitnahme in Bussen und Bahnen sowie die Fahrradförderung in jüngster Zeit positiv bewertet. Dafür sind die Erreichbarkeit des Stadtzentrums und zügiges Radfahren die Schorndorfer Schwächen. Kritisiert wird von den Test-Teilnehmern auch, dass sie sich in Schorndorf als Radfahrer nicht wirklich ernst genommen fühlen und sie sich auf Radwegen und -streifen nicht sicher fühlen. Zu oft, auch das ist ein Kritikpunkt, sind die Wege zu schmal – vor allem für Radler mit Anhänger oder Lastenräder.

Winnender Radwegenetz schneidet besser ab

Und der Vergleich mit der Stadt Winnenden, die in der gleichen Kategorie bewertet wurde, lässt die Schwächen noch deutlicher zutage treten: Winnenden hat von seinen Radlerinnen und Radlern die Note 3,3 bekommen, landet unter 311 Städten mit 20 000 bis 50 000 Einwohnern auf Platz 19 – und hat sich im Vergleich zum Test 2016 deutlich verbessert: Positiv bewertet werden dort die glatten und ebenen Radwege, gute Ampelschaltungen und die wenigen Hindernisse auf den Radwegen. Nicht so gut kommt dafür die wenige Werbung fürs Radfahren weg, die schlechte Reinigung der Radwege und die geringe Zahl an offenen Einbahnstraßen.

Für Michael Maier vom ADFC ist in Schorndorf also noch ordentlich Luft nach oben. Und spannend bleibt für ihn, „ob sich die relativ teuren Freizeitradlerprojekte im nächsten Klimatest positiv bemerkbar machen“.


Fahrradklima und Remstalradweg

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) ruft alle zwei Jahre zur Bewertung des Fahrradklimas in den Städten auf. In Schorndorf haben sich am Fahrradklima-Test 113 beteiligt. Das sind deutlich weniger als etwa in Winnenden, wo 372 dabei waren. Aber auch in Waiblingen, das mit 50 000 bis 100 000 Einwohnern in einer anderen Kategorie bewertet wird, haben sich nur 135 Radfahrer beteiligt. Bundesweit waren 170 000 Bürgerinnen und Bürger 2018 bei der Umfrage dabei – und damit 40 Prozent mehr als 2016.

Bewertet wird beim Fahrradklimatest wie in der Schule mit Noten zwischen eins und sechs, wobei sich die Bewertung aus 27 Einzelnoten zusammensetzt. Gefragt wurde etwa: „Macht das Radfahren in Ihrer Stadt Spaß oder Stress?“, „Sind die Wege für Radfahrende angenehm breit oder zu schmal zum Überholen?“ oder „Fühlt man sich als Radfahrer sicher?“

Neue Radwege gibt es zur Remstal-Gartenschau, die am 10. Mai eröffnet wird. Schon jetzt weisen blaue Wellen und Kilometer-Angaben auf den Remstalradweg hin. ADFC-Ansprechpartner Michael Maier allerdings hält die Streckenführung in Schorndorf für verwirrend. Er kritisiert, dass Radfahrer auch über weniger ideale Stellen geleitet werden: Wer sich, etwa von Waiblingen kommend, mit dem Rad nicht an der Rems hält, wird durch Weiler geführt, muss die enge Pfarrstraße und die steile Schützenstraße hoch und an vielen gefährlichen Ausfahrten an der Lortzing- und der Burgstraße vorbei. Und zwar auf einem Zweirichtungsradweg, den Maier sowieso nicht für geeignet hält. Schlecht ausgeschildert ist für ihn auch der Abzweig Richtung Friedensstraße. Bei einer Testfahrt hat er sich – „trotz Navi und Ortskenntnis“ – verfahren.

Vom ADFC-Landesverband werden beide Schorndorfer Routen gerade zertifiziert. Der Remsuferweg wird allerdings zur Eröffnung der Gartenschau nicht ganz fertig werden.

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