Diesel-Fahrverbot Pferdeanhänger: Durchfahrt verboten

Der Kofferraum immer voller Pferdeausrüstung, so wartet der 2005er Diesel der Redakteurin Liviana Jansen darauf, den Anhänger samt Stute Stella zum Training oder aufs Turnier zu ziehen. Foto: Palmizi / ZVW

Waiblingen. Für mich als Pferdebesitzerin gibt es derzeit keine Alternative zum Diesel. Ich nutze ihn als Zugfahrzeug. Von Januar an bedeutet das, dass ich weite Umwege in Kauf nehmen muss – oder eben mit meiner Stute Stella einfach zu Hause bleiben.


Vom 1. Januar an ist die Fahrt mit einem alten Diesel nach Stuttgart tabu. Im Rems-Murr-Kreis sind rund 35 000 Diesel der Euronorm eins bis vier vom Diesel-Fahrverbot betroffen. Das sollten Sie über die Diesel-Fahrverbote wissen.


Ich bin Reiterin. Heute aus Leidenschaft, früher war es mein Beruf. Nach dem Abitur machte ich eine Ausbildung zur Pferdewirtin und ritt einige Jahre lang beruflich. Inzwischen bin ich Redakteurin der Waiblinger Kreiszeitung – die Liebe zu den Pferden aber blieb. Mittlerweile reite ich zwar nur noch in meiner Freizeit, aber weiterhin ambitioniert. Mit meiner neunjährigen Stute Stella fahre ich zum Training in verschiedene Ställe, für das kommende Jahr sind auch Turnierstarts geplant. Und hier beginnt mein Problem.

Ich fahre einen Jeep – aber nicht, weil es schick ist

Denn ich fahre einen Jeep mit Allradantrieb, groß, schwarz, Baujahr 2005, Diesel. Nicht, weil ich es besonders schick finde, sondern weil ich ihn als Zugfahrzeug brauche. Im Kofferraum ist genügend Platz für all das, was ich täglich im Stall benötige, und er packt locker zwei Pferde im Anhänger. Allerdings darf ich damit von Januar an nicht mehr durch Stuttgart fahren – und auch nicht mehr durch den Kappelbergtunnel, um bei Untertürkheim von der B 14 auf die B 10 zu wechseln. Kurz hinter dem Tunnel ist Schluss für meinen Euro-4-Diesel, dort beginnt die Fahrverbotszone.

Und deshalb wird es jetzt kompliziert: Wenn ich, wie früher des Öfteren, zum Trainieren nach Wernau fahren möchte, dann muss ich mit meinem Pferd die kurvenreiche und bergige Strecke über den Schurwald nehmen. Wer schon mal im Schritttempo in einem Anhänger mitgefahren ist, weiß, welche Kräfte da wirken: Für Stella ist jede Kurve und jedes Schlagloch eine Strapaze – und auch für meine Nerven.

Vor ganz ähnlichen Problemen stehe ich, wenn ich an Reitturnieren außerhalb des Rems-Murr-Kreises teilnehmen möchte. Da mir der Weg durch die Landeshauptstadt, besser gesagt, schon der Weg überhaupt in ihre Nähe, künftig versperrt ist, muss ich Umwege in Kauf nehmen. Das bedeutet längere Fahrtzeiten, die ich meiner Stute eigentlich nicht zumuten möchte.

Kein Einzelfall

Ausnahmegenehmigungen vom Fahrverbot gibt es zum Beispiel für Wohnmobilfahrer, Zugmaschinen von Schaustellern und Schichtdienstarbeiter. Aber was ist mit uns Reitern, hat an uns jemand gedacht? Das wollte ich herausfinden und beim Info-Telefon des Stuttgarter Ordnungsamtes nachfragen. Leider bekam ich nur den Anrufbeantworter an die Strippe, wieder und wieder. Egal wie oft ich es probierte und obwohl ich innerhalb der Sprechzeiten anrief, die mir eine freundliche Frauenstimme vom Band mitteilte. Informationen zum Fahrverbot? Fehlanzeige.

Nun könnte ich natürlich einfach auf ein anderes Auto umsteigen. Nur ist einfach hier wohl das falsche Wort: Denn für mich gibt es derzeit keine Alternative zum „schmutzigen“ Diesel. Kaum ein Benziner, geschweige denn Elektro-Auto, erfüllt meine Anforderungen an ein Zugfahrzeug. Und falls doch, so liegt er weit außerhalb meiner Preisklasse – oder wird im Anhängerbetrieb sehr durstig. Übrigens bin ich kein Einzelfall: Ich kenne keinen Reiter, der mit einem benzinbetriebenen Auto einen Pferdehänger zieht. Was das für die Reitturniere in der Region – und damit für die Vereine bedeutet, bleibt abzuwarten.

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