Familie aus Großheppach Beschwerlicher Weg zum Kita-Platz

Für ihre Zwillinge Lilly und Noah haben sich Benjamin und Stine Kirsch aus Großheppach auf die Suche nach einem Kita-Platz gemacht. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Weinstadt-Großheppach. Verwirrung bei der Anmeldung, keine Transparenz bei der Vergabe der Kitaplätze und hohe Betreuungsgebühren – Benjamin und Stine Kirsch aus Großheppach haben schlechte Erfahrungen bei der Suche nach einem Kita-Platz gemacht. Die Stadt verweist darauf, nicht alle Wünsche berücksichtigen zu können und dass in puncto Betreuung viel getan werde und in Planung ist.

Stine Kirsch (32) und ihr Mann Benjamin Kirsch (40) leben mit ihren Zwillingen Noah und Lilly in Großheppach. Im vergangenen Herbst bemühten sich die Eltern um Betreuungsplätze für die Zweijährigen. Die Kinder sollten im Alter von drei Jahren in den Kindergarten kommen – am liebsten in das Kinderhaus Zügernberg, das fußläufig in rund zehn Minuten von ihrem Haus zu erreichen ist. Für die berufstätigen Eltern hätte das viele Vorteile gebracht. Doch es wurde nichts daraus: Die Familie bekam den Bescheid, im Haus Zügernberg seien keine Betreuungsplätze mehr frei. Die Kinder werden vom 16. September an im Kinderhaus Steinäcker in Endersbach betreut.

In einer E-Mail an Oberbürgermeister Michael Scharmann, die unserer Redaktion vorliegt, erklärte die Familie ihre Situation: Die geringe Nähe zum Kindergarten würde es Stine und Benjamin Kirsch erlauben, ihre Kinder mit dem Rad zur Arbeit zu bringen. Ihre Hoffnung dahinter: der Verzicht auf eines von zwei Autos, und somit geringere Kosten. Stine Kirsch, die in einer psychologischen Beratungsstelle in Waiblingen arbeitet, würde vom Arbeitgeber bei der Anschaffung eines E-Bikes unterstützt. Ihr Plan war, die Kinder mit dem Rad zum Kindergarten zu bringen und sich danach auf den Weg zur Arbeit zu machen.

Familie und Freunde aus der Nähe hätten einspringen können

Da beide Eltern berufstätig sind, helfen Oma, Tanten und Freunde ihnen bei der Betreuung der Kinder. „Die meisten dieser Alltagshelfer wohnen in Großheppach, teilweise sogar bei uns im Haus“, schreibt das Paar in der E-Mail an OB Scharmann. Wären die Kinder im Zügernberg untergebracht, könnten diese in Notfällen einspringen.

Benjamin Kirsch stört außerdem, dass die Freunde, die seine Kinder im Kindergarten finden werden, wahrscheinlich auf eine andere Grundschule gehen werden. Denn Noah und Lilly werden wohl auf die Friedrich-Schiller-Grundschule in Großheppach gehen, die neben dem Kinderhaus Zügernberg liegt.

Scharmann: Mehrere Kinderhäuser in Bau und Planung

Auch auf diesen Punkt machten sie OB Scharmann aufmerksam, der binnen weniger Stunden antwortete: „Leider ist es uns nicht möglich, alle diese – von allen Eltern vorgebrachten – Wünsche, Umstände und Anliegen zu berücksichtigen. Wir bauen und planen gerade mehrere Kinderhäuser, was uns an unsere finanzielle Belastungsgrenze bringt.“ Im Kindergartenjahr 2020/2021 soll das neue Kinderhaus Irisweg mit fünf Gruppen eröffnet werden. Weitere Kindergärten sollen mehr Gruppen bekommen. Auch Neubauten sind in der Prüfung. OB Scharmann macht klar: „Jedoch werden wir nie alle Bedürfnisse in jedem Ortsteil bedienen können.“

Kirsch: "Nicht transparent, auf welchem Platz der Warteliste man steht"

Das alles sei kein Drama, sagt Stine Kirsch. Dennoch: „Es ist nicht transparent, auf welchem Platz der Warteliste man steht“, bemängelt die 32-Jährige. Zwar habe sie vom Amt für Familie, Bildung und Soziales der Stadt Weinstadt erfahren, dass sie auf der Warteliste für das Kinderhaus Zügernberg steht, aber nicht, auf welchem Platz. Hätten die Eltern gewusst, dass sie keine Möglichkeit haben, einen Platz für ihre Zwillinge im Kinderhaus Zügernberg zu bekommen, hätten sie ihre Kinder erst mit drei Jahren angemeldet und damit Kosten für die Betreuung gespart. 

Das Familienamt habe ihnen nämlich geraten, die Kinder nicht erst mit drei Jahren im Kinderhaus Zügernberg anzumelden. Die Krippenkinder, die im neuen Kindergartenjahr in die regulären Kindergartengruppen umziehen, würden die Plätze bereits belegen. Ihnen sei nahegelegt worden, die Kinder bereits unter drei Jahren anzumelden. Das erhöhe die Chance, dass die Kinder ebenfalls in die reguläre Gruppe rutschen.

Die Stadt Weinstadt geht davon aus, dass es sich hierbei um ein Missverständnis handelt, teilt Pressesprecher Holger Niederberger auf Anfrage mit.

Die Eltern teilen sich die Betreuung am Nachmittag

Benjamin und Stine Kirsch arbeiten in Teilzeit, jeweils zu 80 Prozent. Bis vor kurzem verbrachten Noah und Lilly sechs Stunden am Tag bei einer Tagesmutter. Die restliche Zeit teilten sich die Eltern auf: Montags, mittwochs und freitags kam Stine Kirsch um 14 Uhr nach Hause. Am Dienstag und Donnerstag übernahm das ihr Mann, der als Hörakustiker in Stuttgart arbeitet.

Von Mitte September bis Ende Dezember kommen laut Stine Kirsch Kosten von 3290 Euro auf die Familie zu. 940 Euro zahlen die Eltern monatlich für ihre Zwillinge in der U-3-Betreuung. Von Januar an, wenn die Kinder ihren dritten Geburtstag feiern, zahlen sie im Monat 500 Euro Gebühren. Viel zu stemmen für eine junge Familie, finden Benjamin und Stine Kirsch.


Tricksen Eltern beim Betreuungsbedarf?

Von einigen Bekannten habe Stine Kirsch gehört, dass manche Eltern bei Anmeldungen einen höheren Bedarf als eigentlich benötigt angeben, um ihrem Kind einen Platz zu sichern. Pressesprecher der Stadt Weinstadt, Holger Niederberger, kommentiert: „Die Stadt Weinstadt muss davon ausgehen, dass jeder Bewerber um einen Betreuungsplatz ehrliche Angaben macht, die dann bei der Aufnahme des Kindes auch schriftlich belegt werden können. Sollte der tatsächliche Bedarf von dem angemeldeten Bedarf abweichen, wird seitens der Stadt reduziert.“ Überprüft werde beispielsweise die Arbeitszeit der Eltern bei Aufnahme des Kindes in einen Kindergarten.

Wenn die Eltern die Betreuungszeit dann doch reduzieren möchten, gehe das nur mit gutem Grund, beispielsweise bei einem Arbeitswechsel, sagt Gerhard Friedel, Sachgebietsleiter Kinderbetreuung und Soziales. Dabei gelte grundsätzlich: Wer nach Neuaufnahme reduziert, zahlt für den angemeldeten Betreuungsumfang ein halbes Jahr weiter.

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