Fast aussichtslos Alleinerziehende findet keine Wohnung in Waiblingen

Symbolbild. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Waiblingen. Wohnungen, die sich als Bruchbuden herausstellen, Zwei-Zimmer-Wohnungen für mehr als 1000 Euro Miete: Wer eine Wohnung sucht, glaubt manchmal fast zu verzweifeln. Am aussichtslosesten ist es aber für Menschen mit wenig Geld. Für Dana S. zum Beispiel. Die alleinerziehende Mutter sucht seit Monaten für sich und ihre Tochter eine kleine Wohnung. Derweil leben Mutter und Kind in einer billigen Pension in einem einzigen Zimmer ohne Küche und eigenes Badezimmer.

Dana S. (44) (alle Namen von der Redaktion geändert) stammt aus Rumänien. Vor sechs Jahren kam sie zusammen mit Mann und Kind nach Deutschland. Deutsch versteht sie, spricht es aber nicht allzu gut, weshalb ihre Freundin Linda die Wohnungssuche für sie übernommen hat. Unsere Redaktion hat Linda über Facebook kennengelernt. „Bitte helfen Sie dieser kleinen Familie, in ihrem geliebten Waiblingen wieder Fuß zu fassen“, hatte Linda vor ein paar Wochen auf Facebook gepostet. Und: „Gibt es denn wirklich niemand, der helfen kann? Mutter und Tochter leben inzwischen in einer Pension. Dieser Zustand ist absolut nicht ideal ...“

Der Aufruf in Facebook ging zu Herzen – erfolgreich war er nicht

Ein paar Wochen später treffen wir Linda in einem Café in Waiblingen. Dana ist nicht mitgekommen, hat ihre Freundin aber gebeten, offen von ihrer Wohnungssuche zu berichten. Der Aufruf in Facebook ging zu Herzen, erfolgreich war er nicht. Ebenso wenig wie die Anzeigen, Flugblätter, Makleranfragen und Immoscout-Zuschriften. Denn die Wahrheit ist: Als ausländische alleinerziehende Mutter mit einem monatlichen Einkommen inklusive Kindergeld und Unterhalt von 2000 Euro ist Dana nicht gerade der Traum eines Vermieters. Selbst wenn sie eine Chance auf einen Besichtigungstermin bekommt: Die meisten Mieten kann sie schlicht nicht bezahlen.

Dabei hat Dana einen Vollzeitjob in der Produktion eines Unternehmens in Fellbach. Doch 2018, erzählt ihre Freundin Linda, ging die Beziehung mit dem Vater ihrer Tochter Anna in die Brüche. Der Mann zog aus, alleine konnte Dana die Wohnung in Hohenacker nicht halten. Vorübergehend zog sie mit ihrer Tochter zu ihrem älteren Sohn nach Nürnberg. „Aber da haben sie sich nicht eingelebt. Die Tochter war todunglücklich“, erzählt Linda, deren eigene Tochter mit Anna eng befreundet ist. In Hohenacker sei Anna komplett integriert gewesen, glücklich im Sportverein und in der Schule. Dana und Anna wollten zurück nach Waiblingen. Und so begann die Suche nach einer Wohnung.

"Lieber vermieten die Leute an Doppelverdiener"

„Es war unmöglich, etwas Bezahlbares zu finden“, erzählt Linda. „Mit Bauchschmerzen“ habe Dana als absolute Obergrenze für die Warmmiete 900 Euro angesetzt. Eine Chance hat sie trotzdem nicht. Die Drei-Zimmer-Wohnungen sind meistens zu teuer. Und bei den Zwei-Zimmer-Wohnungen sei der Standartsatz vieler Vermieter, dass das Kind doch ein eigenes Zimmer brauche. Schön wär’’s ... nur haben Mutter und Kind derzeit noch nicht einmal eine kleine Wohnung, sondern leben für 650 Euro monatlich zu zweit in einem Zimmer in einer Pension. In den Wochen, in denen Dana schichtet, wohnt ihre Tochter Anna bei Linda und deren Familie.

„In sechs Monaten hatten wir gerade mal drei Besichtigungstermine“, erzählt Linda. Eine 50 Quadratmeter große Zwei-Zimmer-Wohnung für 850 Euro, eine Ein-Zimmer-Wohnung für 680 Euro und eine günstige Zwei-Zimmer-Wohnung für 400 Euro. Bei Letzterer habe der derzeitige Mieter 3000 Euro Ablöse für seine alten Möbel verlangt. „Wenn es gescheite Möbel gewesen wären, hätten wir Dana etwas dazugezahlt“, sagt Linda. Die aber seien für den Sperrmüll gewesen.

„Alleinerziehende Mütter sind von den Vermietern nicht gerade bevorzugt“, schlussfolgert die 39-Jährige aus diesen Erfahrungen. „Lieber vermieten die Leute an Doppelverdiener.“ Doch Sozialwohnungen sind ausgesprochen rar in Waiblingen. Im Rathaus ließ sich Dana auf eine Warteliste für eine Wohnung setzen, aber man habe ihr keine großen Hoffnungen auf einen schnellen Erfolg gemacht: Es dauert drei bis vier Jahre, eine Sozialwohnung zu bekommen, sei ihr gesagt worden.

Viele Wohnungen stehen leer, andere gehen unter der Hand weg

Um mehr Geld für die Miete aufbringen zu können, würde sich Dana auch einen zweiten Job suchen – neben dem 40-Stunden-Job in Fellbach. Denn ihre Verzweiflung ist groß und die Hoffnung sinkt zusehends. „Inzwischen hat mich die Realität eingeholt“, räumt auch ihre Freundin Linda ein. Dana will in Waiblingen bleiben - und am allerliebsten in Hohenacker –, damit Anna nicht allein ist, wenn sie arbeitet. Doch viele Wohnungen gehen nach Meinung Lindas unter der Hand weg: „Bevor die ausgeschrieben werden, sind die schon wieder vermietet.“ Mit Kindern und Tieren habe man keine Chance auf dem Wohnungsmarkt. „Und die Leute zahlen gigantische Mieten. Es ist traurig, wie sich alles entwickelt.“ Bei einem Herrn, in dessen Haus eine Wohnung ganz offensichtlich leer steht, hat Linda neulich kurz entschlossen geklingelt. „Ich habe ihn gefragt, ob er sie nicht vermieten will. Er hat mir die Tür vor der Nase zugeschlagen.“


Sozialwohnung: Chancen stehen schlecht

Insgesamt 464 Sozialwohnungen stehen in Waiblingen und in den Ortschaften zur Verfügung. Doch die Chancen, eine zu bekommen, stehen nicht gut.

Nach Angaben der Stadt stehen derzeit 289 Haushalte auf der Warteliste. Manche Menschen warten drei bis fünf Jahre auf eine städtische Wohnung.

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