Faszination Fliegen Generalprobe „Köpfleshupfer“

Ein fantastischer Ausblick: Weit ins Remstal hinein sehen „Die Remstäler“ bei ihren Flügen vom Kleinheppacher Kopf aus. Wenn sie nicht wie die Autorin gerade damit beschäftigt sind, ihre erste Freiluft-Erfahrung zu verdauen ... Foto: Büttner / ZVW

Korb. Generalprobe am Kleinheppacher Kopf: Zu einem kurzen Flug hat Claus Mißbichler, Tandem-Pilot und Mitglied im Korber Gleitschirmfliegerverein „Die Remstäler“, unsere Autorin in die Weinberge oberhalb von Korb mitgenommen. Action pur? Von wegen. Als Königsdisziplin des Tages entpuppt sich Geduld. Doch das Warten lohnt sich – und am Boden angekommen haben sich einige Ängste gelegt.

Übungshalber einen Rettungsschirm werfen, mit Gleitschirmpiloten sprechen, am Kleinheppacher Kopf eigenhändig dabei helfen, Leinen zu sortieren: Es nützt nichts. Ich bin trotzdem nervös, als ich mit Helm und Gurtzeug über Wurzeln und Steine hinweg zum unteren Startplatz der „Remstäler“ hinuntersteige. Meine Beine fühlen sich merkwürdig leicht und instabil an.

„Gleich geht’s los“, denke ich, als Claus Mißbichler sorgfältig den Schirm auslegt, den wir wenige Minuten zuvor auf dem Kleinheppacher Kopf ausgepackt und ordentlich zurechtgezupft hatten. Wir, das heißt natürlich im Grunde: er. Er entfernte Knoten, erklärte mir geduldig, wo die Luft in den Schirm strömt, half mir, das Gurtzeug anzulegen, gab mir Tipps für den Startlauf.

Am Hang ist Anrennen angesagt. Mißbichler wird halb rückwärts rennen, damit er den Schirm im Blick hat – ich geradeaus, um Schwung zu holen. Sobald der Schirm sich aufbläht, heben wir ab. Dann soll’s in sanften Kurven zum Landeplatz hinab gehen. Und dort heißt es für mich als Passagier: Füße hoch und Popo-Landung – oder aus dem sitzartigen Gurt-Rucksack schnellen und auf dem Boden mitlaufen. Okay, klingt machbar. Ich bin bereit.

Allein, es fehlt der Wind. Angestrengt starren wir auf den orangfarbenen Windsack weiter unten am Hang, der uns günstige Luftbewegungen anzeigen soll. Er muss sich nicht nur aufrichten, sondern auch in die richtige Richtung zeigen, höre ich Mißbichler hinter mir erklären.

Rücken an Gurtzeug an Bauch stehen wir auf dem Startplatz mit Blick auf Korb. Es ist heiß. Schweiß sammelt sich unterm Rand meines weißen Helms. Eine Minute vergeht, eine weitere. Meine Knie hören auf zu zittern, meine Beine werden schwer. Die Vögel zwitschern, einzelne Autos sind zu hören. So stehe ich also am Abhang und beginne, meinen Gedanken nachzuhängen. Dann, plötzlich: „So, jetzt aber! Drei, zwei, eins – los!“ Ich beginne zu rennen. Schwer hängen Rucksack und mein Hintermann an mir. Da laufen meine Füße unversehens im Leeren – sanft heben wir ab.

Wir schweben über die Weinberge hinweg, legen uns in die Kurve. Und noch mal. Und noch mal. Am Scheitelpunkt jeder Kurve spüre ich ein leichtes Ziehen im Magen – ah, deshalb also wird vielen Tandem-Neulingen nach einer Viertelstunde übel. Das hatte Mißbichler mir erzählt. Noch geht’s, aber ich verstehe, was er meint.

Die Baumwipfel nähern sich. Schon liegt die Kreisstraße unter uns. Dann der Landeplatz. Was, das war’s schon? Knapp zwei Minuten waren wir in der Luft. In der Tat: Der Spitzname „Köpfleshupfer“ der „Remstäler“ passt. Doch meine Angst ist verflogen. Und mit Spannung sehe ich der Kür entgegen: einem längeren Flug mit Mißbichler zum Abschluss der Serie.


So wird gesteuert

  • Der Pilot ist durch Fangleinen und das Gurtzeug – eine Mischung aus Rucksack und Sitz – mit dem Gleitsegel verbunden. Er lenkt es über eine rechte und eine linke Steuerleine.
  • Diese bremsen den Gleitschirm jeweils einseitig ab, so dass er in die entsprechende Richtung abdreht.
  • Wenn der Pilot beide Leinen gleichzeitig betätigt, wird die Fluggeschwindigkeit gedrosselt.
  • Aktuelle Gleitschirmmodelle haben laut Deutschem Hängegleiterverband eine elliptische Tragfläche, 20 bis 30 Quadratmeter groß. In dieser Tragfläche befinden sich Kammern, die sich im Flug mit Staudruckluft füllen und versteifen. Es gibt verschiedene Gleitschirmklassen, vom Anfängermodell bis zum Wettbewerbs-Gleiter. Je höher die Klasse, desto schneller und wendiger sind die Fluggeräte – und desto weniger Fehler verzeihen sie.
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