FDP stürzt ab Westerwelles Angst vor der Einsamkeit

 Foto: AP

Berlin - Deutschlands Chefdiplomat sieht sich ausgerechnet wegen seiner ruppigen Wortwahl von Gegnern umzingelt. Zumindest in der Innenpolitik - dort also, wo der Minister vor allem FDP-Chef sein will - haftet Guido Westerwelle derzeit wenig Ausgleichendes an.

Ach, der Guido - wie der sich da aufgeregt habe, jüngst im Koalitionsausschuss. Ganz atemlos sei er geworden und seine Stimme bedenklich hoch. "So geht das nicht", habe er dauernd gerufen, ziemlich laut, zwei-, dreimal, weil er sich über den Atomkurs von Umweltminister Norbert Röttgen aufgeregt habe, und dabei habe er hektisch im Koalitionsvertrag geblättert. So erzählt man das in der Union, und wer es erzählt, kann sich ein gewisses Schmunzeln nicht verkneifen, und das ist ein Problem für die FDP: Man kann "Ach, der Guido" sagen und wissend die Augen verdrehen.

Stark fühlen sich die Christdemokraten. Dass die Liberalen bei der Bundestagswahl fast 15 Prozent holten, war ein Ärgernis. Aber seither hat sich einiges geändert. Die FDP läuft mit dem Kopf gegen Wände. Auf kleiner Flamme kocht die Union die Pläne des liberalen Gesundheitsministers Philipp Rösler weich, das Einschrumpfen der großen Steuerreform zu einem Projekt von überschaubarer Tragweite übernimmt CDU-Finanzminister Wolfgang Schäuble höchst persönlich. Und die Bundeskanzlerin betrachtet das alles mit dem kühlen Interesse der Naturwissenschaftlerin - als schaute Angela Merkel einer Fliege bei Versuch zu, aus dem Wasserglas herauszukrabbeln, in das sie gefallen ist. 100 Tage ist die FDP in der Regierung - 100 Tage Einsamkeit.

Panik macht sich in der FDP breit. Am 9. Mai wird in NRW gewählt, und die Umfragedaten legen einen olympiaverdächtigen Abfahrtslauf hin. Es spricht Bände, dass sich ausgerechnet CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich aufgerufen fühlt, den Liberalen die Hand zu halten und Mut zuzusprechen. Wird schon wieder. Die Liberalen seien doch stark und hätten eine Botschaft. Politik steckt voll köstlicher Ironie.

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