Fehlende Kindergartenplätze Schlagabtausch im Waiblinger Gemeinderat

In Waiblingen fehlen Kindergartenplätze. Eine Gruppe entsteht an der Friedensschule. Foto: pixabay.com

Waiblingen. Fehlende Kindergartenplätze haben kurz vor der Kommunalwahl zu einem Schlagabtausch im Gemeinderat geführt. Abwechselnd attackierten sich die Räte gegenseitig respektive die Verwaltung, die nach Ansicht einiger Räte auf die steigenden Kinderzahlen nicht rechtzeitig reagiert habe. Am Ende gab es doch noch eine Einigung: An der Friedensschule entsteht eine Interimskita. Gleichzeitig wird dort eine feste Kita geplant, die Sanierung der Kita Ringstraße geprüft.

Der Vorschlag einer weiteren Interims-Kita ist weiten Teilen des Gemeinderats sauer aufgestoßen. Weil in Neustadt Kindergartenplätze fehlen, sollte laut Vorschlag der Verwaltung in einem der Pavillons der Friedensschule eine Kita für eine Ganztagesgruppe eingerichtet werden. Für die Schule selbst wäre die Lösung nach Darstellung der Verwaltung kein Problem: Die Schülerzahlen sind allen Prognosen nach rückläufig, so dass Klassenzimmer frei werden. Gemeinsam mit der Schulleitung prüft de Stadtverwaltung derzeit, wie aus dem Pavillon C übergangsweise oder bestenfalls als Dauerlösung ein Ganztagskindergarten werden könnte. „Kitas und Schulen zusammenzubringen, ist auf der Höhe der Zeit“, sagte Erste Bürgermeisterin Christiane Dürr im Gemeinderat. „Das ist das, was Kinder gerne wollen.“

„Ein Armutszeugnis für die Stadt“

In diesem Fall allerdings nicht das, was einige im Gemeinderat wollten. Nur eine Interimskita, die ratzfatz nach den Sommerferien fertig sein sollte, stellte sich SPD-Rat Urs Abelein vor. Dafür solle aber der kleine Kindergarten Ringstraße erweitert und der Pavillon an der Schule dann schnellstens wieder geräumt werden. Andernfalls hätte die Schule keine Entwicklungsmöglichkeiten, befürchtet der Neustädter, der sich bekanntermaßen den rückläufigen Zahlen zum Trotz für seine ehemalige Schule eine gymnasiale Oberstufe wünscht. Während sich Wilfried Jasper (FW/DFB) mangels weiterer Infos außerstande sah, über die Erweiterung des Kindergartens Ringstraße zu diskutieren, hob FDP-Chefin Julia Goll entschlossen zu einer Generalabrechnung mit der Verwaltung an – unterstützt von den Ali-Räten Alfonso Fazio und Dagmar Metzger. Das Verfahren für den Kindergartenbedarfsplan funktioniere offensichtlich nicht, holte sie aus. Wie sonst sei es möglich, dass schon wieder eine Interimskita geschaffen werden müsse. Die Kindergärten in Waiblingen-Süd und am Krankenhaus-Areal seien noch nicht gebaut worden, Kinder dafür in Containern (am Salier-Gymnasium, Anmerkung der Redaktion) untergebracht. „Das ist ein Armutszeugnis für die Stadt“, monierte Goll. Alfonso Fazio sprang ihr sofort zur Seite: Seit drei Jahren liege die Kindergartenplanung in Waiblingen im Argen. „So geht es nicht weiter, wir wollen Kinder nicht in Containern unterbringen“, sagte er, ungeachtet dessen, dass von Containern in Neustadt gar nicht die Rede war. Stattdessen forderte er „ein multifunktionales Gebäude“. Grundsätzlich wurde auch Dagmar Metzger, die „seit einigen Jahren schwammig formulierte“ Kindergartenbedarfspläne kritisierte und findet: „Interimskindergärten stehen Waiblingen überhaupt nicht.“

Hesky: Mia-Stihl-Kita sollte schon längst fertig sein

OB Andreas Hesky verwies dagegen auf die Summen, die Waiblingen in Bildung und Betreuung investiert habe. Und erinnerte daran, dass das Krankenhausareal schon lange bebaut und die Mia-Stihl-Kita schon längst fertig sein sollte. Beides sei nicht in der Verantwortung der Stadt. Das Bildungshaus in Hohenacker habe der Gemeinderat damals sehr gut gefunden, erinnerte er: „Ob es in Neustadt wirklich eine Interimkita wird, bleibt abzuwarten.“

DFB-Sprecher und Schulleiter Siegfried Bubeck findet es jedenfalls „toll“, Kitas direkt an Schulen zu haben, für Volker Escher ist ein Bildungscampus nicht weniger als die Zukunft. CDU-Chef Siegfried Kasper warb dafür, die Planung für die Kita an der Friedensschule auf den Weg zu bringen und zudem die Sanierung des Kindergartens Ringstraße zu prüfen. Verständnis zeigten auch Silke Hernadi (DFB) und Peter Abele (CDU) für den Verwaltungsvorschlag. Geburt und Tod seien eben schwer planbar, meinte Hernadi und warb dafür, auf den Engpass schnell zu reagieren. Eine Waiblinger Besonderheit ist dieser übrigens nicht – folgt man den Worten der Ersten Bürgermeisterin. 2014 seien drei Kindergärten eingeweiht worden und die Stadt sei sich sicher gewesen, damit gut aufgestellt zu sein. Doch dann seien die Kinderzahlen Jahr für Jahr nach oben geschnellt: „200 Kinder mehr pro Jahr kann man nicht so einfach bedienen“, sagte Dürr. „Da kann man nur mit Interimskitas reagieren.“ Vor allem durch den – politischen Diskussionen des Rats geschuldeten – Ausfall der Kita in Waiblingen Süd sei es zu großen Verschiebungen gekommen. „Wenn Sie Kindergärten auf Vorrat bauen wollen, können Sie das beschließen“, sagte sie. Am Ende stimmte der Rat dafür, die Interimskita zu planen und Pläne für eine dauerhafte Kita an der Friedensschule auf den Weg zu bringen. Parallel dazu wird die Sanierung der Kita Ringstraße geprüft.


„Mir wird’s übel“

Ich bitte zu differenzieren zwischen politischem Kalkül und Wirklichkeit. Ich appelliere an Sie, trotz Kommunalwahl das Gute nicht schlechtzureden. OB Hesky

Sie machen es sich zu leicht, alles als Wahlkampfstrategie abzutun. Ich habe das schon immer kritisiert und höre nicht auf, weil Wahl ist. Julia Goll.

Herr Fazio, mir wird’s übel, wenn ich Ihren Wahlkampf höre. Wilfried Jasper

Herr Jasper, diese Worten waren unschön. Dagmar Metzger

Herr Hesky, Sie sollten die Glocke nutzen. Alfonso Fazio

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