Fellbach Feuerwehreinsatz behindert: Helikopter-Eltern-Vorwurf sorgt für Ärger

In Backnang hat unser Fotograf dieses Schild gesichtet. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Fellbach.
Es brennt in einer Schule. Die Feuerwehr rückt an. Sie kommt nicht durch, weil Eltern-Taxis alles zuparken: Genau das ist am Freitag vergangener Woche in Fellbach passiert. Es war nur ein Mini-Feuer in der Jungstoilette, nichts Wildes. Also – Schwamm drüber?

Der Fall schlägt hohe Wellen. „Helikopter-Eltern“ seien wegen der Einsatzfahrzeuge „irritiert“ gewesen, „woraufhin innerhalb weniger Minuten die Zufahrtsstraße beziehungsweise die dortige Wendeplatte komplett blockiert war“, schrieb die Polizei am Freitag. „Helikopter-Eltern“? „Bodenlose Unverschämtheit“, sagt eine Mutter, die nicht namentlich genannt werden will, weil sie Nachteile für ihre Tochter befürchtet. Das Mädchen besucht die Swiss International School in Fellbach. Das ist eine Privatschule, für die Eltern ab Klasse fünf mehr als 600 Euro im Monat bezahlen. Für die Jüngeren liegt der Betrag etwas niedriger.

Die Mutter stört sich sehr am „Helikopter-Eltern“-Begriff, denn der Ausdruck gilt fast schon als Schimpfwort. Gemeint sind Mütter und Väter, die ständig über ihren Kindern kreisen, sie überwachen, überbehüten und am liebsten keinen Schritt alleine gehen lassen.

Feuerwehr: Eltern haben sich unmöglich verhalten

Gebrannt hat es gar nicht in der Swiss International School, sondern im benachbarten Kolping-Schulzentrum im Baumschulenweg in Schmiden. Christian Köder, der Leitende Hauptbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr Fellbach, findet unabhängig davon klare Worte für Eltern, die ihr Auto vor dem Schulgelände geparkt hatten, obwohl das verboten ist: „Ein Einfahren auf das Schulgelände war nicht möglich. Nicht auszudenken, was hier hätte passieren können, wenn das Drehleiterfahrzeug zur Menschenrettung nicht einfahren könnte.“ Selbst als das Feuerwehrfahrzeug bereits stand, „fuhren einige Pkw noch daran vorbei und blieben direkt davor stehen. Ein unmögliches Verhalten“, schreibt Köder in einer Stellungnahme zum Einsatz.

Unterdessen sieht besagte Mutter die Stadt in der Pflicht. Es gebe keinerlei Möglichkeit für Eltern, das Auto in der Nähe der Schule abzustellen. Nur auf einer Wendeplatte könne man die Kinder aussteigen lassen. Die Mutter fährt ihr Kind aus einem anderen Ort mit dem Auto nach Schmiden zur Schule. Weil sie „panische Angst“ hat, wie sie sagt: Im Industriegebiet dort sei kein sicherer Schulweg für Kinder vorhanden.

Verkehrschaos herrscht dort offenbar jeden Tag. Zur Internationalen Schule kommen Kinder von weit her. Selbst aus Heilbronn oder Aalen reisen Eltern-Taxis täglich zweimal an, berichtet die Mutter. Sie dürfen auf der Wendeplatte kurz anhalten und ihre Kinder ein- und aussteigen lassen. Das Auto dort stehen lassen und die Kinder direkt am Schuleingang abholen: Das ist strikt verboten.

Es geschieht trotzdem andauernd. Einer der Haupt-Leidtragenden ist Dr. Hermann Schnaitmann, Geschäftsführer der benachbarten Spedition Schnaitmann. Kein Durchkommen für seine Laster: Die Fahrer müssen stehen bleiben und warten, bis die Mütter zurückkommen und ihre Autos aus der Wendeplatte wegbewegen.

Trotzdem macht Hermann Schnaitmann den Eltern keine Vorwürfe: Sie holen ihre Kinder von der Schule ab, das sei ein „normales Verhalten“.

„Ich bin mit der Stadt richtig sauer“

Den Fehler sieht der Firmenchef bei der Stadt: Die Gegebenheiten rund um das Gelände seien eben nicht so gestaltet worden wie ursprünglich versprochen: „Ich bin mit der Stadt richtig sauer.“ Der Wendekreis hätte aus Schnaitmanns Sicht keine Grünfläche gebraucht, dann kämen jetzt die Lkw besser durch. Schnaitmanns Fazit: Die Stadt müsste mehr Parkflächen schaffen, was sich dort durchaus machen ließe.

Es gibt keine rechtliche Begründung, Elternparkplätze vor Schulen zu schaffen, sagt Sabine Laartz, Pressesprecherin der Stadt Fellbach. Es sei momentan auch nicht angedacht, weitere „Kiss and ride“-Plätze zu schaffen. Das sind besagte Halteplätze fürs kurze Ein- und Aussteigen. „Es treffen dort verschiedene Interessen aufeinander“, dessen ist sich die Sprecherin wohl bewusst. Sie verweist auf öffentliche Parkplätze entlang der Bahnschiene – „aber da muss man ein bisschen laufen“. Um des Problems mit widerrechtlich geparkten Autos Herr zu werden, kontrolliere die Stadt verstärkt: Im Baumschulenweg seien Kontrolleure oft sogar zweimal täglich unterwegs. Der Appell der Stadt: Eltern sollten die Wendeplatte nur nutzen, um die Kinder kurz aussteigen zu lassen – und keinesfalls dort parken. „Wir hoffen auch auf verständnisvolle Eltern.“

„Die meiste Gefahr vor Schulen geht von Elterntaxis aus“

Das wird jene Mutter nicht gern hören, die jeden Tag ihr Kind nach Schmiden fährt. Eine Dreiviertelstunde wäre die Tochter mit öffentlichen Verkehrsmitteln samt Fußweg unterwegs. Zu lange, findet die Mutter – und zu gefährlich, zumal vor den Schulen auch noch zu schnell gefahren werde.

„Die meiste Gefahr vor Schulen geht von Elterntaxis aus“: Diese Position vertritt die Deutsche Verkehrswacht. Sie verweist auf eine ADAC-Studie, die sich auf Grundschulen bezieht. Demnach haben fast zwei Drittel der Grundschulen „ein deutliches Problem mit Eltern-Taxis“. „Natürlich wissen wir um den Zeitdruck vieler Eltern am Morgen“, schreibt die Deutsche Verkehrswacht – doch das Aber folgt zugleich: Zeitnot sei kein Grund, Kinder direkt bis ans Schultor zu fahren und dadurch andere zu gefährden. Eltern könnten, wenn Kinder nicht mit Bus oder Bahn fahren oder den Schulweg zu Fuß gehen könnten, die Kinder zumindest einige Hundert Meter von der Schule entfernt losgehen lassen. „Das entlastet die unmittelbare Schulumgebung und bringt dem Kind Bewegung, Erfahrung und Sicherheit.“

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