3 Promille Frau fährt sturzbetrunken durch Oeffingen

Es sind schon viele Menschen bei Unfällen gestorben, weil jemand angeheitert oder betrunken ins Auto gestiegen ist. Foto: Fotolia / Burbun Ilya

Fellbach. Die meisten Menschen drehen mit drei Promille Alkohol im Blut keinen Zündschlüssel mehr um. Sie sind bewusstlos. Es sei denn, ihr Gehirn hat es regelmäßig mit beachtlichen Alkoholmengen zu tun. Nach einer Trunkenheitsfahrt einer 44-Jährigen hat die Polizei die Frau in Fellbach in ihrer Wohnung angetroffen – „mit drei Promille“, wie es im Polizeibericht heißt.

Die Frau hatte am Mittwochnachmittag auf der Oeffinger Straße zunächst mit ihrem Wagen den Außenspiegel eines geparkten Skodas beschädigt. Sie fuhr einfach weiter. Vermutlich hatte sie nicht bemerkt, dass im Skoda jemand saß. Der Skoda-Fahrer verfolgte die Frau, und ihm fiel ihre „unsichere Fahrweise“ auf. Als die Frau später in die Landesstraße abbog, landete sie auf der Gegenspur, und fast wäre es dort zu einem Zusammenstoß mit einem anderen Auto gekommen. Geistesgegenwärtig wich die 44-Jährige auf eine Verkehrsinsel aus.

Vom beschädigten Außenspiegel einmal abgesehen, beendete die Frau ihre Schlangenlinienfahrt offenbar ohne weitere Zwischenfälle vor ihrer Wohnung. Denn dort traf die Polizei sie später an. Ob die Frau in der Zeit zwischen der Trunkenheitsfahrt und dem Alkoholtest weitere Getränke zu sich genommen hat, sie also während der Fahrt unter drei Promille Alkohol im Blut hatte – das ist nicht überliefert. Fazit im Polizeibericht: „Der Führerschein der Autofahrerin wurde vorläufig entzogen.“

Bei einer vorgeschädigten Leber steigt die Promillezahl

Ein Mensch, der immer mal Alkohol trinkt, ohne dass bedenkliche Mengen zusammenkämen – ein solcher Mensch ist nach einem Besäufnis, das mit drei Promille endet, zu „nicht mehr viel“ in der Lage, wie es Dr. Christopher Dedner ausdrückt. Der Chefarzt der Klinik für Suchttherapie und Entwöhnung am Klinikum Schloss Winnenden geht im Fellbacher Fall von einer „Toleranzentwicklung“ aus, sprich: Wer immer länger immer mehr trinkt, dessen Körper gewöhnt sich daran. „Und dann ist es auch jemandem mit drei Promille noch möglich zu fahren.“ Das Fatale daran beschreibt Dr. Dedner als „klassisches Missverständnis bei Patienten: Sie trinken alle unter den Tisch und meinen dann, sie seien deswegen gegen Probleme durch Alkohol immun, weil sie ja ganz offensichtlich viel vertragen. Das Gegenteil ist dann richtig: Sie haben schon eine starke Toleranzentwicklung hinter sich.“ Hinzu kommt: Bei einer vorgeschädigten Leber steigt die Promillezahl schneller.

In Deutschland gilt die 0,5-Promille-Grenze

„Kenn dein Limit“, heißt ein empfehlenswertes Informationsangebot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Internet. Dort gibt’s einen Promillerechner: Er liefert Anhaltspunkte, bei welcher Trinkmenge mit welcher Blutalkoholkonzentration zu rechnen ist. Der Rechner ist ausdrücklich nicht dafür gedacht zu entscheiden, ob man noch fahren kann. Dazu ist er viel zu ungenau.

 

In Deutschland gilt die 0,5-Promille-Grenze: Ein Autofahrer handelt ordnungswidrig, sofern er diesen Wert aufweist und trotzdem fährt. Wer etwas getrunken hat und dann einen Unfall verursacht, gibt bereits bei 0,3 Promille den Führerschein ab. Trotz vieler Alkoholunfälle erlaubt sich Deutschland diese Werte. In vielen anderen Ländern gilt die Null-Promille-Regel.

Bei „nur“ 0,8 Promille ist die Reaktionszeit bereits um 30 bis 50 Prozent verlängert. Bei einer Blutalkoholkonzentration zwischen einem und zwei Promille sind Gleichgewicht, Orientierung und Sprache gestört, ferner ist mit „erhöhter Aggressionsbereitschaft“ zu rechnen. Ab drei Promille kommt es laut den Informationen auf „www.kenn-dein-limit.de“ zu Bewusstlosigkeit, Gedächtnisverlust und Unterkühlung. Einige Gläser später folgt der Tod.

Der gesundheitlich unbedenkliche Alkoholkonsum liegt laut „Kenn dein Limit“ bei gesunden erwachsenen Frauen bei zwölf Gramm pro Tag. Ein Viertelliter Bier enthält circa zehn Gramm reinen Alkohol. Bei Männern liegt der Grenzwert bei 24 Gramm Alkohol pro Tag.

Zusatztipp: „Sie sollten an mindestens zwei Tagen in der Woche gar keinen Alkohol trinken.“


Frauen gefährdeter

Frauen vertragen weniger Alkohol als Männer. Das ist allgemein bekannt. Den Grund dafür erläutert Alexandra Dittmann von der Pressestelle der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA):

Grundsätzlich wird der Alkoholgehalt im Körper beeinflusst durch den Anteil an Körperflüssigkeitswasser. Dieser Anteil ist bei Frauen niedriger als bei Männern, dadurch verteilt sich der Alkohol auf weniger Flüssigkeit. Somit ist die Blutalkoholkonzentration (Promille) bei gleicher getrunkener Menge bei Frauen höher als bei Männern, daher dauert auch der Abbau des Alkohols länger.

Ein weiterer Grund ist die unterschiedliche Verfügbarkeit eines bestimmten Enzyms, das beim Alkoholabbau beteiligt ist. Aus Gründen, die mit Hormonen zu tun haben, ist die Verfügbarkeit dieses Enzyms bei vielen Frauen geringer als bei Männern.

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