Fellbach Gewa-Falken: Familienglück im Luxus-Tower

Jürgen Becht (links) und Herbert Kugel mit den flauschigen Jungvögeln. Foto: Michael Eick

Fellbach. Seit ein Falken-Paar im Fellbacher Gewa-Tower eingezogen ist, macht das geflügelte Wort vom „teuersten Nistkasten Deutschlands“ die Runde. Jetzt ist der Nachwuchs geschlüpft. Wer hätte gedacht, dass es sich bei den ersten Bewohnern des Nobel-Hochhauses um eine junge, vierköpfige Familie handeln würde?

Vor drei Wochen haben zwei weibliche Falkenbabys das Licht der Welt erblickt. Vogelkundler von der Fellbacher Ortsgruppe des Naturschutzbunds Nabu haben die Jungvögel nun fachgerecht beringt, nachdem sie erst vor wenigen Wochen einen Brutkasten auf dem Tower-Dach installiert hatten.

Das Alter der Vögel ist für die Beringung ideal, denn ihre Beine sind schon ausgewachsen. Die Vermessung der Flügel erbrachte hierfür den Beweis: Die Falken-Mädchen bringen ein Gewicht von je rund 600 Gramm auf die Waage. Bis sie groß genug für ihren ersten Flugversuch sind, wird noch einige Zeit vergehen. Mit Hilfe der Nummernringe kann später ihr Wanderverhalten nachvollzogen werden.

Moderne Familie: Auch das Männchen brütet

Auf Anfrage beim vorläufigen Insolvenzverwalter bekommt Nabu-Vorsitzender Michael Eick den Schlüssel für den ansonsten mit Bauzäunen und Stahltüren verschlossenen Gewa-Tower. Begleitet wurde er von Jürgen Becht von der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz und dem Nabu-Ehrenamtlichen Herbert Kugel. Von den Hunderten Brutplätzen, die Becht schon gesehen hat, ist der Falkenhorst im Gewa-Tower der höchste.

Die 34 Stockwerke meisterte der 77-jährige Routinier ohne Zwischenrast - und ohne Aufzug. Die Aussicht vom Dach sei sehr beeindruckend. „Kein Wunder, dass sich die Wanderfalken für einen solchen Platz entschieden haben.“

Wie es der Zufall wollte, fand die Beringungsaktion genau am Tag des Großbrands auf dem Waiblinger Alba-Gelände statt. Trotz ihres reichlich exponierten Arbeitsplatzes nahmen die Männer keine auffälligen Gerüche wahr, versichert Michael Eick.

Familienleben auf dem Dach

Wie gestaltet sich das Familienleben auf dem Dach über Etage 34 und ohne Lift? Inzwischen ziemlich rege: Die Kröpfe der Jungen sind gut gefüllt. Im Kasten liegen Federn von Beutevögeln wie Elstern, Tauben und von einem Star. In der Brutphase ging es naturgemäß ruhiger zu. Sogar zu ruhig: Das Weibchen ist noch recht jung und unerfahren beim Brüten. „Sie saß manchmal stundenlang draußen vor der Nestbox“, sagt Herbert Kugel. Offenbar pfeift das Falkenpaar auf tradierte Rollenmuster, denn anstelle der jungen Dame übernahm das deutlich ältere Männchen das Brutgeschäft und setzte sich auf die Eier.

Größere Verschmutzungen verursachen die Vögel laut Aussage des Nabu-Vorsitzenden nicht. „Kot lassen sie meistens während des Fluges ab.“ Mehr als ein paar Streifen im Dachbereich hinterließen sie nicht. Federn von Beutevögeln und Futterreste verteilen sich durch den Wind weiträumig. Allenfalls kann es vorkommen, dass mal ein halber Taubenkopf in die Tiefe fällt.

Während die Falken-Mädchen schon gegen Ende des Sommers flügge werden und sich dann auf die Suche nach Partnern und einem neuen Zuhause machen, erweisen sich erwachsene europäische Wanderfalken als erstaunlich sesshaft. Voraussichtlich 15 bis 20 Jahre, nämlich bis zu ihrem Lebensende, werden sie ihrem Domizil treu bleiben. Und die menschlichen Bewohner Fellbachs hoffen, dass die Vögel bis dahin nicht mehr die einzigen Bewohner sein werden.


Kein Bauverbot

Entgegen anderslautender Gerüchte würden die Falken einen etwaigen Weiterbau des Gewa-Towers nicht beeinträchtigen. Dem Baustopp folgt kein Bauverbot. Genau dies wurde mit der Einrichtung des Nistkastens verhindert. Ein Artenschutz-Problem hätte es aber gegeben, wenn die Falken „wild“ in einem der Stockwerke gebrütet hätten.

Deshalb hat sich der Nabu Fellbach mit Insolvenzverwalter Ilkin Bananyarli abgestimmt. „Die Falken wohnen auf dem Dach, und ein Innenausbau der Etagen würde sie nicht stören“, so Michael Eick. Auch die AG Wanderfalkenschutz und die zuständige Naturschutzbehörde hätten keine Bedenken für Bautätigkeiten gesehen.

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