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Fellbach Nach Beißattacke: Rottweiler trägt jetzt Maulkorb

Symbolbild. Foto: Heckeley / ZVW

Fellbach/Remshalden. Ein Rottweiler hat Ende Mai in Fellbach einen Mann krankenhausreif gebissen. Nun steht fest: Das Tier gilt offiziell als gefährlich und darf nur noch mit Maulkorb und an der Leine vor die Tür. Ein „Wesenstest“ steht dem Hund noch bevor. Der Fall weckt Ängste und wirft die Frage auf: Kreuzen täglich Waffen auf vier Beinen des Bürgers Wege?

Der bissige Rottweiler, der in Fellbach den 26-jährigen Bekannten seiner Halterin angegriffen hatte, fiel zuvor niemals negativ auf. Nach der Beißattacke reagierte nun die Gemeinde Remshalden; dort wohnt die Halterin. Laut Bauamtsleiter Dieter Schienmann ist bereits jetzt verfügt, dass der Hund Maulkorb und Leine tragen muss, obwohl er noch keinen Wesenstest durchlaufen hat. Im Zuge solcher Tests schätzen Hundekenner ein, ob ein Tier gefährlich ist.

In diesen Wesenstests prüfen ein Veterinär und ein Polizeihundeführer, wie sich ein Hund in verschiedenen Situationen verhält. Beispielsweise läuft ein Jogger im Zuge des Tests am Hund vorbei, ein Fahrradfahrer klingelt neben dem Tier, oder der Hund sieht sich mit einem bellenden Artgenossen konfrontiert. Jemand spannt plötzlich einen Regenschirm auf, eine Person stolpert direkt neben dem Hund – in alltäglichen Situationen wie diesen zeigt sich, ob der Hund angemessen reagiert. „Grundgehorsam“ wird laut dem Veterinäramt des Rems-Murr-Kreises vom Hund verlangt, das heißt, er muss den wichtigsten Befehlen wie „Sitz“, „bei Fuß“ oder „Platz“ Folge leisten. Die Prüfer beurteilen das Verhalten des Hundes als ängstlich, neutral, dominant, aggressiv oder gesteigert aggressiv.

Meist geringes bis normales Aggressionsverhalten

Laut Veterinäramt attestieren die Prüfer den Hunden in den Tests in der Mehrzahl der Fälle „ein geringes bis normales Aggressionsverhalten“. Sollten die Fachleute ein übersteigertes Aggressionsverhalten beim Hund wahrnehmen, „gilt die Prüfung als nicht bestanden“. Die Konsequenz: Der Hund muss einen Maulkorb tragen, und zwar lebenslang. Zudem darf er nur an der Leine gehen.

Ein Rottweiler gilt nicht als gefährlich, nur weil er ein Rottweiler ist. Richtig erzogen, gelten Rottweiler als liebe Familienhunde. Nur weiß eben längst nicht jeder Hundehalter, wie er sein Tier korrekt erziehen sollte. Jörg Nester fordert deshalb seit Jahren, dass Hundehalter eine Art Führerschein ablegen müssen: „Davon bin ich ein ganz großer Fan“, sagt der Leiter der in Schorndorf ansässigen Polizeihundeführerstaffel. Aus seiner Sicht gehören Hunde nicht in jedermanns Hände. Ein verpflichtender Führerschein würde verhindern, dass sich Hundehalter vom Anblick eines süßen Welpen allzu leicht zur Anschaffung eines Hunden verleiten lassen – ohne die Konsequenzen zu bedenken. Beispielsweise sollten Kinder nicht ohne Aufsicht mit Hunden spielen, sagt der Fachmann: „Man steckt in einem Hund nicht drin.“

Ein Hund muss „jederzeit im Gehorsam stehen“

Innerorts müssen Hundehalter ihre Tiere an der Leine führen – aber außerorts laufen Tiere allzu oft frei. Ein Hund muss „jederzeit im Gehorsam stehen“, wie es Jörg Nester im Fachjargon ausdrückt. Hundehalter sollten es aus seiner Sicht respektieren, wenn Passanten beschützt sein wollen – und sie sollten wissen, wie das Tier reagiert, wenn jemand Angst hat.

Jörg Nester mag Hunde, weil sie ehrliche, treue, feinfühlige Wesen seien. Wozu Hunde imstande sind, beweisen bestens ausgebildete Tiere bei der Polizei oder der Rettungshundestaffel. Die Rangordnung muss zu jeder Zeit vollkommen klar sein, erklärt Jörg Nester. Er warnt davor, einen Hund zu „vermenschlichen“. Bei richtiger Ausbildung und fachgerechter – gewaltloser – Erziehung „kriegt man einen Hund zu allem“.

Ein Polizeihund muss sich , wenn’s drauf ankommt, aggressiv verhalten. Das gehört zum Job, doch „unsere Hunde werden nur aggressiv, wenn wir es wollen“.

Hund tötet Frau

Wenige Tage nach dem Vorfall in Fellbach hat ein Hund im Kreis Sigmaringen eine Rentnerin zu Tode gebissen. Polizeibeamte töteten das Tier, einen Kangal. Diese Rasse zählt zur Gruppe der Herdenschutzhunde. In Baden-Württemberg regelt eine Polizeiverordnung den Umgang mit gefährlichen Hunden. Bestimmten Hunden wird aufgrund ihrer Rasse Kampfhund-Eigenschaft zugeordnet. Rottweiler gehören nicht dazu.

Als gefährlich gelten Hunde, die, ohne Kampfhunde zu sein, „aufgrund ihres Verhaltens die Annahme rechtfertigen, dass durch sie eine Gefahr für Leben und Gesundheit von Menschen oder Tieren besteht. Gefährliche Hunde sind insbesondere Hunde, die bissig sind, in aggressiver oder gefahrdrohender Weise Menschen oder Tiere anspringen oder zum unkontrollierten Hetzen oder Reißen von Wild oder Vieh oder anderen Tieren neigen“.

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