Festpreis von 4,35 Millionen Euro Kindergartenneubau in Haubersbronn

Eberhard Class mit seinem Junghengst, der noch keinen Namen hat. Foto: Susanne Kufner

Schorndorf. „Längere Vorbereitungszeit, kürzere Bauzeit“: Auf diesen Nenner hat Oberbürgermeister Matthias Klopfer im Technischen Ausschuss die Vorgehensweise beim geplanten Kindergartenneubau Haldenstraße in Haubersbronn gebracht. Der sechsgruppige Kindergarten, den die Firma Weizenegger Objektbau GmbH aus Bad Wurzach zum Festpreis von 4,35 Millionen Euro schlüsselfertig hinstellt, soll nach nur einjähriger Bauzeit bereits im Frühjahr 2020 in Betrieb genommen werden –und zwar in Trägerschaft der evangelischen Kirchengemeinde.

Der Vergabe vorausgegangen waren die Entscheidung des Gemeinderats, die Leistungen für die Umsetzung des Projekts im Zuge einer kombinierten Ausschreibung der Planungs- und Bauleistungen an einen Generalunternehmer zu vergeben, und ein zweistufiges Ausschreibungsverfahren mit einem vorgeschalteten europäischen Teilnehmerwettbewerb.

Fünf Bieter haben sich erfolgreich für die Teilnahme an einem Verhandlungsverfahren beworben und sind zur Abgabe eines Angebots aufgefordert worden, übrig geblieben sind drei, die es in die Endauswahl geschafft haben, aus der dann die Firma Weizenegger als Sieger hervorgegangen ist. Wobei das Verfahren von vornherein so angelegt war, dass in das Verhandlungsverfahren als Los 2 auch gleich der geplante Neubau des sechsgruppigen Kindergartens am Stöhrerweg in Schorndorf-Nord eingeflossen ist, so dass in diesem Fall der zeitliche Aufwand für die Festlegung des Bieterkreises entfällt.

„Ein toller Entwurf“ und ein sehr nachhaltiger

Herausgekommen im Fall Haldenstraße in Haubersbronn ist – und da waren sich die Sprecher aller Fraktionen im Technischen Ausschuss mit Bürgermeister Thorsten Englert einig – „ein toller Entwurf“, der sich nicht nur durch eine Festpreisgarantie und damit durch Kostensicherheit auszeichnet, sondern, so die Bewertung des Leiters des Fachbereichs Gebäudemanagement, Steffen Schultheiß, auch durch Nachhaltigkeit.

Was Schultheiß rein äußerlich am sehr kompakten Baukörper – „Da hatte die Firma Weizenegger eine ganz andere Idee, als wir sie zunächst hatten“, lobte der Fachbereichsleiter – und an der Holzfassade festmachte. Mit Blick auf die Räumlichkeiten im Innern – im Erdgeschoss sollen die U-3- und im Obergeschoss die Ü-3-Gruppen untergebracht werden – hob Steffen Schultheiß hervor, dass die einzelnen Räume so flexibel ausgelegt werden sollen, dass jederzeit eine Umwandlung der Betreuungsformen möglich ist.

Und solche Veränderungen kämen ja bekanntermaßen manchmal schneller als gedacht, meinte SPD-Stadtrat Tim Schopf, der sich am meisten über die jetzt folgende kurze Bauzeit freut, die es ermöglicht, dass der Kindergarten schon im Frühjahr 2020 an die evangelische Kirchengemeinde Haubersbronn übergeben und damit das Angebot an Betreuungsplätzen in der Stadt deutlich erweitert werden kann.

Maßnahmen im Hoch- und im Tiefbau sind nicht zu vergleichen

Einen kleinen Disput trugen - bevor der Gemeinderat am 26. September endgültig über den vom Ausschuss einstimmig empfohlenen Baubeschluss entscheidet – der CDU-Fraktionsvorsitzende Hermann Beutel und der Oberbürgermeister aus. Ausgelöst wurde der durch Beutels Hinweis, dass sich an diesem Projekt zeige, dass sich eine gute Vorbereitungszeit halt letztendlich doch auszahle, wobei der CDU-Fraktionschef als Gegenbeispiele den Bewegungskindergarten und die zuvor vom Ausschuss besichtigen Gartenschau-Baumaßnahmen anführte, bei denen die Stadt sowohl zeitlich als auch finanziell immer nur hinterherhechle.

Was Matthias Klopfer nicht unwidersprochen stehenlassen wollte, weil es nämlich einen großen Unterschied mache, ob man ein Hochbauprojekt wie einen Kindergarten realisiere oder ob man im Tiefbau unterwegs sei, wo man nie wisse, auf welche Schwierigkeiten man im Boden stoße.

„Das ist genauso wie bei allen Sanierungen im Bestand, wo man vor Überraschungen nie gefeit ist“, meinte Klopfer und betonte, dass daran auch ein längerer Vorlauf nicht viel ändern würde. Und was den Bewegungskindergarten angehe, ergänzte Bürgermeister Englert, so habe die Verwaltung, alarmiert ebenfalls durch Probleme mit dem Untergrund, früh darauf hingewiesen, dass sich die veranschlagten Kosten von 6,8 Millionen Euro nicht halten ließen. Derzeit, so Englert, gehe die Verwaltung inklusive einer kleinen Reserve von Kosten in der Größenordnung von 8,5 Millionen Euro aus.

„Wir lernen von Projekt zu Projekt dazu“

Im Vergleich dazu nehmen sich die rund 4,6 Millionen Euro – unter Einrechnung ebenfalls einer Projektreserve in Höhe von 100 000 Euro und eines Ausstattungs- und Möblierungszuschusses an die evangelische Kirchengemeinde in Höhe von 150 000 Euro – recht bescheiden aus. Zumal wenn man berücksichtigt, dass die Stadt mit einem Landeszuschuss in der Größenordnung von einer halben Million Euro rechnen darf.

An der Stadt blieben also 4,1 Millionen Euro hängen. Wobei allerdings, so Thorsten Englert auf Nachfrage aus dem Gremium, der Ersatz für den wegfallenden Spielplatz, der aus Sicht von FDP/FW-Stadträtin Sabine Brennenstuhl nicht zu lange auf sich warten lassen sollte, und ein Teil der Außenanlagen im Haushalt 2019 noch separat veranschlagt werden müssten.

„Man sollte gerade planen, planen, planen und nicht bauen, bauen, bauen“, stellte Bürgermeister Thorsten Englert mit Blick auf die aktuellen Kostenentwicklungen im Baubereich fest. Für Oberbürgermeister Matthias Klopfer ergibt sich aus den Kosten für den Kindergarten Haldenstraße in Haubersbronn die nüchterne Erkenntnis, dass der Bau einer Kindergartengruppe mit 750 000 Euro heutzutage fast doppelt so teuer ist wie vor zehn Jahren.

Dafür wird heute, wie Steffen Schultheiß auf Nachfrage von CDU-Stadtrat Klaus Dobler versicherte, stärker auf geringere Folgekosten geachtet. Das fange, so der Fachbereichsleiter, bei den Bodenbelägen und dem damit verbundenen Pflegeaufwand an. „Wir lernen von Projekt zu Projekt dazu“, so Schultheiß.


Blühflächen

Ein Kindergarten, eingefasst nicht von einer Rasenfläche, sondern von einer Blühwiese – diese Ansicht (siehe Bild oben) und Aussicht hat Grünen-Stadtrat Pesch begeistert.
Oberbürgermeister Matthias Klopfer freilich hat Peschs Euphorie vorerst gebremst. Zunächst einmal sei das nur eine Visualisierung, wie’s nachher tatsächlich aussehe, sei noch offen. „Vielleicht“, so Klopfer, „kommt von beidem etwas.“

  • Bewertung
    3
 

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!