Feuewehr für Paraguay Welzheimer Feuerwehr gibt Starthilfe

Maria-Elena Dubberke (rechts) und Martin Schwinger (2. v. r.) mit Feuerwehrleuten aus Paraguay. Foto: privat

Welzheim. Den Feuerwehrmännern steckt Helfen sozusagen im Blut. Sie helfen deshalb nicht nur bei Rettungseinsätzen, sondern auch sonst, wenn Not am Mann ist. In Paraguay steckt das Feuerwehrwesen noch im Aufbau. Die 16-jährige Maria-Elena Dubberke aus Miedelsbach sammelt Spenden, um in einer Gemeinde eine Feuerwehr aufzubauen. Mit dabei die Welzheimer Feuerwehr, die einen Rettungssatz gespendet hatte. Mitglied Martin Schwinger (52) berichtet von seinem Vor-Ort-Einsatz.

Aus dem Remstal war bereits ein gebrauchtes Feuerwehrfahrzeug nach Paraguay in Südamerika verschifft worden. Der von Welzheim gespendete Rettungssatz kann bei Verkehrsunfällen eingesetzt werden, um Verletzte aus Fahrzeugen zu befreien. Bei dem Rettungssatz handelt es sich um ein hydraulisches Gerät, das zwar nicht mehr der aktuellen deutschen Norm entspricht, gleichwohl aber noch voll funktionsfähig ist. Aber so ein Gerät muss auch richtig bedient werden. Das geht nicht ohne Schulung. Maschinisten-Ausbilder Martin Schwinger flog deshalb nach Paraguay, um mit den Kollegen die Schulungen an Fahrzeug und Geräten durchzuführen. Aber er bekam noch mehr zu tun. So reparierte er zum Beispiel einen defekten Kompressor, der dringend zum Befüllen der Atemdruckluftflaschen benötigt wird.

In Paraguay gibt es nur sehr wenige Feuerwehren

Am Flughafen in Asuncion wurde der Welzheimer Fachmann von der Deutschen Marie-Elena Dubberke (ist letztes Jahr von Schorndorf nach Paraguay ausgewandert) und ihrer Familie abgeholt. Maria Elena Dubberke baut gerade in der Gegend von Independencia eine Feuerwehr auf. Sie hat bereits ein altes, ausgemustertes Feuerwehrfahrzeug aus Weinstadt und weitere Gerätschaften aus Deutschland bekommen.

In Paraguay gibt es nur sehr wenige Feuerwehren, insbesondere im ländlichen Bereich oft gar keine. Bei einem Brand oder Unfall dauert es somit oft sehr lange, bis eine Hilfe von weit weg den Einsatzort erreicht. Oft ist dann jede Hilfe zu spät. Daher macht es Sinn, dass in der Gegend von Independencia eine Feuerwehr aufgebaut wird, so kann zumindest in dieser Region die Situation verbessert werden.

Aber es gibt natürlich noch viel zu tun und zu erledigen, bis in Independencia eine leistungsfähige Feuerwehr mit ausgebildetem Personal und allen Gerätschaften einsatzfähig ist. Gerade ist sie dabei, die Papiere für die Zulassung der Feuerwehr zusammenzustellen. Für Martin Schwinger und Maria Elene ging’s zunächst mit dem Auto über Asphaltstraßen, Schotter und Sandpisten nach Independencia, wo Marie Elena zusammen mit ihren Eltern lebt. Gleich am nächsten Tag ging’s zur nächsten bereits bestehenden Feuerwehr ins etwa 35 Kilometer entfernte Villarrica, wo Maria Elena gerade ihre Grundausbildung absolviert. Maria Elena ist erst am Beginn ihrer Feuerwehrkarriere und muss zunächst noch selbst entsprechende Ausbildungen absolvieren. Der Präsident und der Kommandant begrüßten Martin Schwinger sehr herzlich und baten ihn gleich, eine Einweisung in ein hydraulisches Rettungsgerät zu machen. Also auch dort war seine Unterstützung gleich willkommen.

Alle Feuerwehren aus dem Umkreis waren gekommen

Am nächsten Tag startete in Villarrica die Ausbildung der Maschinisten, hier waren nicht nur Mitglieder der Feuerwehr Villarrica gekommen, sondern auch andere Feuerwehren aus den Umkreis von rund 50 Kilometer. Er wurde bei den Ausbildungen und Einweisungen durch die Dolmetscherin Sonja unterstützt, die aufgrund der vielen fachlichen Dinge entsprechend gefordert war.

Die Fahrzeuge in Villarrica sind zum Teil mehr als 50 Jahre alt und in einem desolaten Zustand. „Aber die Mitglieder sind sehr motiviert und engagiert und machen einfach das Beste daraus“, berichtet Martin Schwinger. Also nicht annähernd mit dem deutschen Standard zu vergleichen.

Welzheimer repariert wichtiges Gerät

Unter anderem wurde der 52-Jährige auch vom Kommandanten in Villarrica gebeten, sich um einen Kompressor zu kümmern, der zum Füllen von Atemschutzflaschen benötigt wird. Dieses Gerät war schon seit mehreren Jahren kaputt und keiner konnte oder wollte sich darum kümmern. So mussten die Feuerwehrleute zum Füllen der Atemluftflaschen in die Hauptstadt nach Asuncion fahren. Schwinger: „Das ist ungefähr so, wie wenn wir von Welzheim nach Frankfurt/Main fahren, um unsere Atemluftflaschen zu befüllen.“ Kurzum, Martin Schwinger bekam den Kompressor zum Laufen. Als die erste Flasche gefüllt wurde, war die Freude und die Dankbarkeit sehr groß. Einige gestandene Feuerwehrmänner waren den Tränen nahe und konnten es nicht glauben, dass ihr Kompressor wieder läuft.

Ausbildung im Wohnzimmer

Wahrscheinlich hätte Martin Schwinger auch in Villarrica die ganze Zeit bleiben können, um dort die vorhandene Feuerwehr zu unterstützen. Doch er hatte ja noch ein anderes Ziel, und zwar, Maria Elena beim Aufbau ihrer eigenen Feuerwehr zu helfen. Somit ging es zurück nach Independencia in das Dorf, in dem Maria Elena lebt. Dort startete eine weitere Ausbildung mit der Einweisung und Grundlagen in die Pumpentechnik. Da es hier noch kein Feuerwehrhaus gibt, musste das Wohnzimmer von Maria Elena herhalten.

Am nächsten Wochenende wurde eine sehr interessante und lehrreiche Wald- und Buschbrandübung durchgeführt. Hier nahmen Feuerwehrleute aus ganz Paraguay teil. In Independencia wurde auch mit dem hydraulischen Rettungssatz, den die Stadt Welzheim Maria Elena geschenkt hatte, geübt. Maria Elena ist dank der Unterstützung von Martin Schwinger nun einen großen Schritt weitergekommen, ihre Feuerwehr einzurichten.

Desolate Technik

Alle Fahrzeuge und Pumpen, die Feuerwehrmann Martin Schwinger bei der Feuerwehr in Paraguay gesehen hat, sind in einem sehr schlechten Zustand.

Villarrica ist ungefähr so groß wie Waiblingen und das gelbe Fahrzeug, ein TLF aus den 60er Jahren, ist deren Erstschlagsfahrzeug, mit dem alle Einsätze abgearbeitet werden müssen.

Trotz der desolaten Technik schafft es die Feuerwehr, Brände zu löschen und Personen zu retten.

Die Reise nach Paraguay hat Martin Schwinger selbst finanziert und dafür Urlaub genommen.

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