Flüchtlinge in Korb Lage entspannt sich leicht - Suche nach Wohnungen

Ortsschild Korb Foto: ZVW/Joachim Mogck

Korb. Mehr als 60 Flüchtlinge hat Korb im vergangenen Jahr aufgenommen, in diesem Jahr sollen nur noch elf folgen. Das entspannt die Lage – dennoch sucht die Gemeinde weiterhin nach Wohnungen für die Anschlussunterbringung. Die sind kaum zu finden.

Integration ist das große Ziel in der Arbeit mit den Flüchtlingen, die vor allem im Jahr 2015 in großer Zahl nach Deutschland gekommen sind. Viel investiert wird dafür auch auf kommunaler Ebene. Zwei Integrationsbeauftragte, Katrin Rehm und Nazario Melchionda, die sich eine Stelle in der Korber Verwaltung teilen, und zwei vom Land geförderte Integrationsmanager, Gabriele Sigloch und Gregory Mock (gemeinsam 1,65 Stellen), kümmern sich um die Belange der Flüchtlinge in Korb. Wie groß der Erfolg ihrer Bemühungen ist, lässt sich nicht so einfach darstellen. Im Korber Gemeinderat gaben Katrin Rehm und Gabriele Sigloch kürzlich einen Sachstandsbericht zum Thema Flüchtlinge. Der Tenor: Die Lage hat sich entspannt – und Erfolge gibt es durchaus zu vermelden.

27 Menschen in Arbeit vermittelt

So berichteten die beiden Frauen, dass in Zusammenarbeit von Geflüchteten, Haupt- und Ehrenamtlichen schon 27 Menschen in eine Arbeitsstelle vermittelt wurden. Fünf fanden demnach eine Ausbildungsstelle. „Momentan besuchen 42 Geflüchtete Sprachkurse (...), um sich damit auf den Beginn einer Ausbildung oder das Berufsleben vorzubereiten“, heißt es in Katrin Rehms Bericht.

Wohnungen über persönliche Beziehungen gefunden

Insgesamt leben rund 180 Flüchtlinge in Korb – sie machen also rund 1,7 Prozent der Bevölkerung aus. 115 von ihnen wohnen in der kommunalen Anschlussunterbringung, unter anderem in den Containern in der Brucknerstraße, die Korb im Juni 2018 vom Landkreis übernommen hat, und im Gebäude Lindenstraße 57, das mit Fördergeldern zu diesem Zweck errichtet wurde. Die restlichen 65 Personen leben in privat angemieteten Wohnungen.

 

Korb ist der Aufnahmeverpflichtung damit nachgekommen und wurde nicht mit einer „Fehlbelegerabgabe“ an den Kreis belastet – tatsächlich hat die Gemeinde im Jahr 2018 mit 63 Menschen (Stand: Mitte November) sogar vier Personen mehr aufgenommen als gefordert. In diesem Jahr sollen nur weitere elf hinzukommen. Das entspannt die Lage laut Integrationsberaterin Rehm – dennoch suche die Gemeinde weiterhin nach Wohnungen. „Es stehen kaum welche zur Verfügung – das klappt seit Monaten nur über persönliche Beziehungen“, schildert Integrationsmanagerin Sigloch ihre Erfahrungen.

35 Integrationspläne abgeschlossen

900 Beratungsgespräche haben Sigloch und Mock allein in der ersten Jahreshälfte mit Flüchtlingen geführt. 35 Integrationspläne wurden abgeschlossen, in denen Ziele (zum Beispiel bestandener Sprachkurs) vereinbart wurden. An verschiedenen Infoveranstaltungen, unter anderem zum Mietrecht oder mit der Polizei, nahmen insgesamt fast 300 Menschen teil.

Sigloch: Kurse mit Kinderbetreuung sollten angeboten werden

Ein Problem: Noch haben nicht alle Korber Flüchtlinge die so wichtigen Sprachkurse besucht. Neben elf Personen, bei denen Sigloch und Rehm „unterschiedliche Gründe“ anführen, sind elf Frauen „aufgrund mangelnder Kinderbetreuungsangebote am Besuch einer geeigneten Integrationsmaßnahme gehindert“. Das führe bei den Müttern zu einer stark verzögerten oder gar nicht stattfindenden Integration, heißt es in Rehms Bericht. Damit die Frauen die gleichen Chancen haben, hier Fuß zu fassen, sollten nach Siglochs Meinung Kurse mit Kinderbetreuung angeboten werden. Das würde die Träger allerdings mehr Geld kosten. Deshalb brauche es wieder mehr freiwillige Helfer. Aber, sagt Sigloch, das ehrenamtliche Engagement sei seit 2015 spürbar zurückgegangen.


Zahlen und Fakten

Zwei Drittel der Flüchtlinge in Korb sind nach Angaben der Verwaltung männlich, circa ein Drittel ist weiblich. Etwa ein Drittel der Geflüchteten ist unter 20 Jahre alt, knapp die Hälfte zwischen 20 und 40.

Von insgesamt 53 Kindern und Jugendlichen besuchen 28 eine Schule und fünf eine Berufsschule. Neun Kinder sind im Kindergarten, elf Kleinkinder werden noch zu Hause betreut.

Immer wieder wird die Frage gestellt, warum in der Lindenstraße nicht auch obdachlose Deutsche unterkommen. Die Antwort liefert Katrin Rehms Bericht: Für den Bau des Gebäudes seien Fördergelder abgerufen worden, die ausschließlich für den Bau und die Sanierung von Flüchtlingsunterkünften bestimmt sind. Daher sei es in den ersten zehn Jahren nicht möglich, hier Obdachlose unterzubringen oder einen Teil der Wohnungen als sozialen Wohnraum zu vermieten.

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