Folgen des Coronavirus Was Geisterspiele für Spieler und Trainer bedeuten

Auch in der Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena wird bald vor leeren Rängen gekickt. Foto: ZVW/Danny Galm (Archiv)

Stuttgart/Köln.
Auch die Profis des VfB Stuttgart müssen sich in den kommenden Wochen auf Spiele vor leeren Rängen einstellen. Umgangssprachlich gerne auch als Geisterspiele bezeichnet. Ob bereits am kommenden Sonntag gegen Wehen Wiesbaden (13.30 Uhr) ist noch nicht klar, aber spätestens eine Woche später beim Gastspiel in Kiel. Die Auswirkungen eines solchen Zuschauerausschlusses sind vor allem für Fans und Vereine drastisch. Aber wie fühlt sich das Spiel in einem leeren Stadion für Spieler und Trainer an?

„Die Situation ist eine völlig neue“

Nach Ansicht eines Sportpsychologen führen die Geisterspiele zu einem negativen Gefühl bei den Kickern. „Man wird beim Einlaufen nicht bejubelt oder ausgepfiffen, es gibt keinen Rummel und keinen Lärm drumherum, und obwohl der gesamte Rahmen eines Bundesligaspiels gegeben ist, ist die Situation eine völlig neue“, so der Sportpsychologe Fabian Pels von der Sporthochschule in Köln gegenüber der Deutschen-Presse-Agentur. Das führe dazu, dass Spieler teils aufgeregt oder verängstigt seien und gerade zu Beginn einer Partie nicht ihre volle Leistungsfähigkeit erreichten.

Was wird aus dem Heimvorteil?

Dass der Heimvorteil eines Teams wegfällt, weil es auf einmal ohne Unterstützung des Publikums auskommen muss, erwartet Pels nicht. Der Grund: Statistisch gesehen gebe es schlicht keinen Heimvorteil. „Wenn man sich angemessen auf das Spiel vorbereitet, kann man damit auch umgehen.“ So würden sich Teams ohne dem Zuschauerlärm ganz neue Möglichkeiten erschließen, um etwa über weitere Strecken zu kommunizieren. „Nur die bloße Tatsache, dass das Spiel jetzt vor leeren Zuschauerrängen stattfindet, heißt ja nicht, dass man plötzlich fußballerisch ein völlig anderes System spielt“, sagt Pels. 

Geisterspiele bald auch in Stuttgart

Wegen der Ansteckungsgefahr mit dem neuartigen Coronavirus finden mehrere Bundesligaspiele vor leeren Zuschauerrängen statt. Auch in anderen europäischen Ligen sowie in einigen Europapokalspielen sind Zuschauer nicht zugelassen. Da auch das Land Baden-Württemberg ein Verbot von Veranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern auf den Weg bringen will, wird wohl bald auch in der Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena ohne Zuschauer gekickt. Das Kabinett werde die Rechtsverordnung im Laufe der kommenden Tage beschließen, kündigte das Gesundheitsministerium an. Das erste VfB-Heimspiel ohne Fans könnte dann die Montagabendpartie gegen den Hamburer SV am 6. April werden.


Wer entscheidet?

„Klar ist weiterhin: Entscheidungen über tiefgreifende Maßnahmen für den Spielbetrieb wie Zuschauerausschlüsse oder Spielabsagen müssen von den zuständigen Gesundheitsbehörden getroffen und veranlasst werden“, erklärte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nach einer Sitzung der Präsidenten und Geschäftsführer der Regional- und Landesverbände. „Wir vertrauen der Expertise der Behörden vor Ort“, betonte DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius. „Sie sind hier die Fachleute. Nur auf dieser Grundlage können entsprechende Maßnahmen für den Spielbetrieb veranlasst werden. Dies gilt sowohl für den Profi- wie auch den Amateurfußball.“

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