Französische Tage in Waiblingen Austern, Muscheln, Flammkuchen

Waiblingen. Bei den Französischen Tagen in Waiblingen treffen Feinschmecker auf Savoir-vivre: Die französische Lebensart und die Trikolore wehen noch bis einschließlich heute Abend über den Marktplatz.

Wie nennt der Franzose dieses durchwachsene Wetter? „C’est bretonne“ – es ist viermal schön, viermal schlecht, aber es gibt kein schlechtes Wetter in der Bretagne. Auch auf dem Gourmet-Marktplatz in Waiblingen vertreibt der Regen am Samstagabend die Besucher nicht, treibt sie höchstens unter die Schirme und lässt zwischen Wolken und Sonne legere Urlaubsstimmung aufkommen: Lavendeltöpfchen im Blick, weiße Tische, blau-weiß-rote Fähnchen, Lampions in den Farben der Trikolore. Dezent flattern Klänge alter französischer Chansons ans Ohr. Dies alles als Kulisse rund um eine Schlemmermeile, auf der der Schwabe gerne in eine besondere Wurst beißt, die hier elegant klangvoll Merguez heißt. Sein Gläschen lässt er sich zum Apéritif mit fruchtigem Cidre und Crémant de Loire füllen.

Das beschauliche Fest hat treue Fans

Innerhalb einer knappen halben Stunde nach Eröffnung sind die Tische auf Waiblingens französischem Marktplatz belegt. „Wer einen Platz hat, gibt ihn nicht mehr her, der bleibt sitzen“, ist die Erfahrung von Harald Sauter vom veranstaltenden Verein Innenstadtmarketing. Die Ersten hätten schon um 17 Uhr gefragt, wann es losgeht. Das sprichwörtliche „Essen wie Gott in Frankreich“ hat eine treue Fangemeinde, im nunmehr 21. Jahr ist die Anziehungskraft ungebrochen. Das Frankreichbild, das hier zelebriert wird, sei das des „Gourmets“, der zum Remstal passe, erklärt Sauter. Der schwäbische „bon vivant“ wisse „Wein, gutes Essen und Gemütlichkeit“ sehr wohl zu schätzen.

Statt Trollinger und Käsewürfel sind im frankophilen Umfeld Ventoux Rouge und Camembert pané avec confiture de mûres zu haben. Letzteren bietet Antonio Batista, ein Original-Italiener, an. Der Gastronom zieht während der französischen Tage frankophile Seiten in der Küche auf. Moules à la sauce tomate avec beurre klingen wie Musik. Miesmuscheln gebe es auch in der italienischen Küche, erklärt Batista. „Wir haben sie für das französische Fest anders gewürzt, die Köche haben sich für die Tomatensoße etwas Neues einfallen lassen“, meint er.

Der untrügliche Blick einer echten Französin

Feine Gaumen dürfen sich auch mit jedem Bissen der gegrillten Gambas mit Cognacsoße ein „biss“-chen fühlen wie in einem Fischrestaurant irgendwo in einem schmucken, belebten Hafen mit Meerblick. Besucherin Dominique Regard hat als Französin einen anderen Blick auf das „Ambiance“ - das Ambiente sei „mehr für die Deutschen als für Franzosen gemacht“, sagt sie charmant. Sehr angetan ist sie von der Altstadt mit den Fachwerkhäusern - und vom Wein. Der sei „echt französisch“ und „echt bon“.

Viele treibt die Frankreich-Sehnsucht auf den Marktplatz. Doch auch Besucher, die außer einer Städtereise nach Paris bislang keine Berührungspunkte hatten, wissen um das Genusspotenzial. „Das gute Essen“ führt Kathrin, Kerstin und Carsten - alle drei Mitte 30 und aus Waiblingen - her. „Lange essen, lange gemütliche Gespräche, guter Wein“ - das verbinden auch Iris und Alex aus Fellbach mit Frankreich. „Wir waren bisher nur im Elsass, aber was nicht ist, kann ja noch werden“, sagen sie. Das Essensangebot auf dem blau-weiß-roten Marktplatz mache jedenfalls Appetit auf das Nachbarland: „Das Hühnchen ist schön gewürzt, zart, saftig, einwandfrei“, sagen sie.

Der Waiblinger Gastronom Björn Bergmann ist während der französischen Tage der rôtisseur - der Grillmeister. Schwaben, die bei gebratenem Hühnchen in erster Linie ans „Göggele“ denken, erklärt der preisgekrönte Koch gerne den Unterschied: „Wir verwenden französische Hühner, marinieren und grillen sie, wie es in Frankreich auf Dorfmärkten üblich ist“, erklärt er. In die knusprige Haut eingebacken sind bei ihm Kräuter der Provence, scharfes Piment aus dem Baskenland, Zitronenabrieb und Cassis - also Schwarze Johannisbeere. „Hierher kommt ein hochwertiges, entspanntes Publikum“, meint Bergmann, der zum zweiten Mal bei den Französischen Tagen auftischt.

Auf dem Holzkohlegrill drängen sich zur frühen Samstagabendstunde auch bereits etliche Original-Merguez-Würste aus Lammfleisch. Als Abschluss genießt der Franzose gern eine gemischte Käseauswahl - hier ist es ein Ensemble aus Comté-Hartkäse, Chèvre, Morbier mit der typischen Pflanzenascheschicht und cremigem Blauschimmelkäse. „Parfait“, frohlockt da mancher Genießer und schnalzt beim Verkosten des dazu passenden Weins mit der Zunge. Für die Weinauswahl am Stand des Vereins Innenstadtmarketing ist Sommelier Jörg Stepper verantwortlich. „Fruchtige, frische Weiße und auch kräftige Rote sind sehr gefragt“, sagt er. Der weinaffine Remstäler sei sehr offen und „sehr interessiert, einen guten Tropfen aus einer anderen Region zu versuchen“. Für den gebürtigen Franzosen Gerard Bouve aus Waiblingen sind die Französischen Tage „schon beinahe ein Pflichttermin“. „Wir probieren gern die Weine, und es gibt mal was anderes zu schnabulieren“, sagt er.

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