Frau aus Remshalden vermisst Update: Leiche bei Suchaktion gefunden

, aktualisiert am 10.07.2019 - 18:43 Uhr
Suchaktion bei Endersbach am Mittwoch. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Weinstadt-Endersbach. Eine Leiche ist am Mittwochnachmittag am Remsufer bei Endersbach gefunden worden. Die Polizei geht „mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit“ davon aus, dass es sich um die 40-jährige Frau aus Remshalden handelt, die am Montag vermisst gemeldet worden war. Nach einer Öffentlichkeitsfahndung stellte sich der Ex-Freund der Frau selbst der Polizei. Die endgültige Identifizierung der Leiche steht noch aus.

Update: Die Leiche ist inzwischen obduziert worden. Es handelt sich um die vermisste Frau aus Remshalden. Ihr Ex-Freund sitzt inzwischen in Untersuchungshaft.

Der Ex-Freund, ein 30-Jähriger aus Weinstadt, ist dringend tatverdächtig. Er meldete sich am Mittwoch von sich aus bei der Polizei, nachdem sein Foto und sein Name auf allen Kanälen zu sehen und zu lesen waren. Die Polizei hatte am Dienstagabend eine Öffentlichkeitsfahndung herausgegeben. Der 30-jährige Weinstädter war der Polizei bereits zuvor bekannt gewesen. Ihm war in der Vergangenheit ein Raubdelikt zur Last gelegt worden. Wegen Gewaltdelikten ist der Mann laut Polizei-Sprecher Ronald Krötz bisher nicht in Erscheinung getreten.

Der Tatverdächtige und die Frau waren früher ein Paar

Bekannt ist bisher nur, dass der Mann mit der zunächst Vermissten in der Vergangenheit eine Beziehung hatte. Nähere Informationen zu Art und Dauer der Beziehung „gehen auseinander“, so Krötz.

Die beiden hatten sich am Donnerstag vergangener Woche treffen wollen, sagte Ronald Krötz. Zuletzt gesehen worden war die Frau an ihrem Arbeitsplatz am Mittwochabend vergangener Woche gegen 21.30 Uhr. Am Donnerstag hatte sie einen freien Tag. Am Freitag erschien sie unentschuldigt nicht bei der Arbeit, was sehr untypisch für die sonst pflichtbewusste Frau war. Am Montag meldete ihr Arbeitgeber sie dann als vermisst.

Zunächst war der Verdächtige auf der Flucht

In der Nacht auf Dienstag entwischte der Tatverdächtige der Polizei. Beamte erschienen am Arbeitsplatz des Mannes, woraufhin er die Flucht ergriff. Zuvor hatte der Mann laut Ronald Krötz in seinem Umfeld „widersprüchliche Angaben“ in Bezug auf die 40-Jährige gemacht. Die Frau war slowakische Staatsangehörige und hatte laut dem Polizeisprecher keine Angehörigen im näheren Umkreis ihres Wohnortes Remshalden.

Am frühen Mittwochnachmittag startete die Polizei eine großangelegte Suchaktion an der Rems bei Endersbach. Mehr als 60 Beamte waren im Einsatz. Warum die Polizei ausgerechnet dort suchte, hatte unter anderem mit der Nähe zum Arbeitsplatz des Tatverdächtigen zu tun.

Spürhunde und eine Drohne waren bei der Suchaktion im Einsatz

Mehrere Polizisten stiegen in die Rems und durchstocherten den Fluss mit Stangen. Weitere Beamte suchten das Flussufer ab, auch mit Spürhunden. Ferner war eine Drohne im Einsatz; ein Polizist steuerte die fliegende Kamera vom Ufer aus und überprüfte deren Aufnahmen zeitgleich am Computer. Mit Hilfe der Drohne könne man zumindest ein Stück weit sehen, ob sich etwas Auffälliges unter der Wasseroberfläche befindet, erläuterte der Beamte.

Einige Zeit später verließ der Suchtrupp die Rems und die Hinweise verdichteten sich, dass die Polizei fündig geworden war. Kurz darauf bestätigte die Polizei: Man hat eine Leiche entdeckt. Im Gebüsch am Remsufer hatte einer der Beamten die tote Person gefunden. Die Spurensicherung nahm die Arbeit auf. Die Ermittler nähern sich in solch einem Fall der Leiche nicht sofort, um keine Spuren zu verwischen. Klar war aber, wie Ronald Krötz später bestätigte, dass die Person schon vor einiger Zeit gestorben sein musste.

Zeitgleich zur Suchaktion wurde der Tatverdächtige vernommen. Details daraus gibt die Polizei nicht preis, um die Ermittlungen nicht zu gefährden.

Bereits im Lauf des Mittwoch hatte die Polizei das Auto, mit dem der Tatverdächtige in der Nacht zum Dienstag geflüchtet war, im Schurwald gefunden. Auch das Auto der vermissten Frau wurde aufgefunden.


Beziehungstaten sind sehr, sehr häufig

Noch ist nicht klar, ob es sich im Weinstädter Fall tatsächlich um eine Beziehungstat handelt. Es sind noch zu wenige Informationen bekannt, als dass eine Aussage dazu möglich wäre.

Dennoch: Sollte es sich um eine Beziehungstat handeln, ließe sich dieser Fall zu einer schrecklichen Reihe zählen:

  • Eine 22-jährige Frau aus Backnang-Strümpfelbach ist im November 2017 von ihrem Ex-Lebensgefährten, mit dem sie einen Sohn hatte, ermordet worden.
  • Ein Rentner aus Schwaikheim hat im Sommer 2015 seine Frau erwürgt.
  • Kurz nach Weihnachten 2011 starb eine damals 47-jährige Frau in Waiblingen. Sie wollte sich von ihrem Mann scheiden lassen. Er wurde wegen Mordes verurteilt.
  • Erst vor einem Monat ist eine polnische Pflegekraft aus Aspach von ihrem ehemaligen Lebensgefährten entführt und nach Frankreich verschleppt worden. Die Frau wurde befreit.

Beziehungstaten sind sehr häufig. 19 Frauen sind 2017 in Baden-Württemberg von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet worden. Drei Männer starben durch Gewalt innerhalb einer Beziehung.

Für kurze Zeit sorgten diese bundesweiten Zahlen für Aufsehen: 2017 wurden 147 Frauen in Deutschland von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. Statistisch ist also in Deutschland alle zweieinhalb Tage eine Frau auf diese Weise gestorben.

In ihrer Jahrespressekonferenz im Frühjahr berichtete die Polizei in Aalen, dass Fälle von häuslicher Gewalt im Rems-Murr-Kreis 2018 deutlich zugenommen haben.

Der Polizeipsychologe Prof. Adolf Gallwitz sprach Ende 2018 gegenüber dieser Zeitung von einem „unheimlich hohen Niveau an Gewalt in bundesdeutschen Familien“.

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