Friedensschule in Neustadt Schulhund Johnny sorgt für Ruhe

Amelie (12), Nico (12) und Nick (13), von links, spielen mit Johnny. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Waiblingen-Neustadt. 600 Zweibeiner besuchen die Friedensschule in Neustadt, aber einen kennen trotzdem alle: den Schulhund Johnny. Nach fünf Jahren im Schulbetrieb gehört der Jack Russell zum „lebenden Inventar“, wie Rektorin Gabriele Gollnick sagt. Dabei ist er nicht nur Maskottchen, sondern hat wichtige pädagogische Aufgaben.

Wie der Blitz saust Johnny durch den Gang, wenn Amelie, Nico und Nick den flauschigen Spielknochen werfen. Ganz schön flott für einen Erlebnispädagogen in Altersteilzeit. Mit seinen zehn Jahren ist der Vierbeiner nicht mehr der Jüngste und bleibt öfter zu Hause. Zum Bedauern vieler Schüler, die ihn innig lieben. „Ist er mal ein paar Tage nicht da, wird er gleich vermisst“, sagt Besitzerin Gabriele Gollnick. Das Rentenalter hat er also erreicht, aber in Zeiten des Lehrermangels kommen ja sogar zweibeinige Pädagogen aus dem Ruhestand zurück an die Schule. Johnny ist die Begeisterung anzumerken, allerdings braucht er seine Verschnaufpausen – er zieht sich dann einfach in ein ruhiges Eck zurück.

An Johnnys Regeln müssen sich alle halten

Genau gesagt ist Johnny ein „Schulbegleithund“. Diese Laufbahn war mitnichten vorgezeichnet, als ihn sein neues Frauchen im Alter von fünf Jahren aus unguten Verhältnissen holte und bei sich aufnahm. Schlecht ernährt war er, krank – und zudem gab’s den Hinweis: „Er mag keine Kinder.“ Unter verantwortungsbewusster und liebevoller Führung jedoch änderte sich sein Wesen. Ihn einfach so mit zur Arbeit nehmen, ist an Schulen dennoch nicht erlaubt. Bevor er seinen Job als Schulbegleithund antreten konnte, musste er alle Gremien vom Elternbeirat über die Gesamtlehrerkonferenz bis zum Schulamt durchlaufen und eine mehrere Monate umfassende Ausbildung absolvieren. Damit er Schulbegleithund bleiben darf, muss er regelmäßig entwurmt werden.

Jeder Schüler, der möchte, kann Johnny mit der Schulleiterin beim mittäglichen Gassigang begleiten. Im Umgang mit ihm lernen sie, das Tier mit Respekt und Rücksicht zu behandeln. Es gibt klare Regeln für den Umgang mit ihm, und jeder, der sie vergessen hat, kann sie am Eingang zum Rektorat nachlesen. Zum Beispiel „Wenn Johnny in der Nähe ist, verhalten wir uns leise“ oder „Höchstens drei Schüler gleichzeitig streicheln Johnny“. Nur nach Rücksprache mit der Besitzerin darf er gefüttert werden - und wenn er im Körbchen liegt, will er seine Ruhe haben.

„Der Unterricht läuft mit Hund ruhiger als ohne“

„Früher hatte ich eher Angst vor Hunden“, erzählt die zwölfjährige Amelie. Nach den Spaziergängen mit Johnny ist die Furcht verflogen. Der 13-jährige Nick hat beobachtet, dass Johnny sich nicht zum Spielen zwingen lässt. „Wenn er selbst den Ball bringt, dann kann man mit ihm spielen.“ Nico, zwölf Jahre, ist Autist und schätzt die Anwesenheit des Hundes besonders, wenn es ihm gerade nicht so gut geht. „Wenn ich Johnny streichle, kann ich mich gut beruhigen.“ Der Hund hat offenbar ein feines Gespür für Stimmungen. Zu Hause hat Nico ebenfalls einen Vierbeiner, Nox, der zurzeit zum Assistenzhund ausgebildet wird.

Auch in Gesprächen der Rektorin mit Lehrerkollegen oder Eltern erfüllt Johnny seine Funktion, er entkrampft durch seine Anwesenheit schwierige Situationen und sorgt für einen konstruktiveren Verlauf: „Er ist der Opener.“ Wenn Gabriele Gollnick erkrankte Kollegen im Unterricht vertritt, kommt Johnny sogar mit in die Klasse. Sein Interesse am Stoff ist begrenzt – er liegt lieber auf einer Decke und döst. Oder er streift unter den Tischen umher und holt sich bei den Schülern ein paar Streicheleinheiten ab. Das wirkt Wunder: „Der Unterricht läuft mit Hund ruhiger als ohne.“


Schulbegleithund

Schulbegleithunde sind Hunde, die ihre Besitzer (in dem Fall Lehrer oder Lehrerinnen) regelmäßig in die Schule, auch in Klassen, begleiten und eine spezielle, längere Weiterbildung absolviert haben.

Schulbesuchshunde sind Hunde, die mit ihren Besitzern für einige Stunden an einem Projekt zum Thema Hund in der Schule teilnehmen.

Therapiebegleithunde sind Hunde, die einen Therapeuten regelmäßig begleiten. (Definition: Qualitätsnetzwerk Schulbegleithunde e. V.)

  • Bewertung
    8

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!