Fündig geworden Zwei Großkontrollen in der Taxibranche

Ein diffuses Bild gibt derzeit die Taxibranche ab – Kontrollen sollen Klarheit bringen. Foto: Peter Petsch

Stuttgart - Schwarze Schafe hinterm Taxisteuer sollen es in Zukunft schwerer haben. Nach massiven Beschwerden aus der Branche haben Zoll und Polizei am vergangenen Wochenende mit zwei Großkontrollen reagiert. Das bestätigten die Beteiligten auf Anfrage unserer Zeitung. Am Freitagabend waren beide Behörden gemeinsam im Einsatz, am Samstagmittag der Zoll allein. Insgesamt sind dabei rund 200 Taxis überprüft worden. Es sind zahlreiche Verstöße festgestellt worden, ein genaues Ergebnis gibt es aber noch nicht.

„Am Freitagabend haben rund 20 Beamte Fahrzeuge in der Tübinger und Eberhard-straße sowie am Hauptbahnhof kontrolliert“, sagt Polizeisprecher Stefan Keilbach. Und das zeitgleich, um zu verhindern, dass Fahrer türmen. Allerdings: Augenzeugen zufolge ist das trotzdem passiert. „Solche Einsätze sprechen sich schnell herum“, weiß Thomas Seemann, Sprecher des Hauptzollamts Stuttgart.

Gelohnt haben sich die Kontrollen dennoch. Die Polizei hat am Freitagabend beinahe jedem fünften Fahrer ein Bußgeld aufgebrummt. 18 Ordnungswidrigkeiten sind verzeichnet worden. Von defekten Bremsscheiben über Ölverlust bis hin zu fehlenden Konzessionsnummern sei alles dabei gewesen, so Keilbach. In 20 Fällen wird wegen Verstößen zudem das Ordnungsamt informiert. Und das ist nur die technische Seite. Der Zoll kümmert sich um Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung. Wie viele schwarze Schafe hier ertappt worden sind, ist noch offen. „Bis das bei den Jobcentern abgefragt worden ist, dauert es einige Zeit“, so Seemann.

„Samstags waren plötzlich sehr viel weniger Kollegen unterwegs als sonst“

Möglicherweise hat die erste Kontrolle am Freitag bereits am nächsten Tag Wirkung gezeigt. „Samstags waren plötzlich sehr viel weniger Kollegen unterwegs als sonst“, sagt ein Taxifahrer und vermutet, dass einige unseriös arbeitende Betriebe vorsichtig geworden sind. Auch den Zollbeamten ist das aufgefallen. „Wir haben die Zahlen über die Taxizentrale abgefragt“, so Seemann, „am Freitag sind etwa 400 Wagen auf der Straße gewesen, samstags nur 300.“ Das könne zwar auch am Wochentag und der Tageszeit liegen, auffällig sei der Rückgang aber trotzdem. Taxifahrer sprechen gar von 540 Fahrzeugen am Freitag und nur 250 am Samstag.

Immerhin: Still gelegt werden musste bei den Kontrollen in Stuttgart kein Wagen. Damit ist das Ergebnis deutlich besser als die Erfahrungen verschiedener anderer Polizeidirektionen in Region und Land. In Esslingen und Offenburg, wo die Polizei verstärkt auf die Taxibranche achtet, ist bei Kontrollen jeweils von Beanstandungsquoten von 90 Prozent die Rede. In Esslingen mussten im vergangenen Jahr sogar drei von vier überprüften Fahrzeugen zunächst stehen bleiben. Grund waren technische Mängel genauso wie arbeitsrechtliche Verstöße.

Höchste Vorsicht bei Privatwagen

Bei Experten herrscht die Meinung, dass die Kontrolldichte flächendeckend erhöht werden müsste. Auch der Taxiverband hat das jüngst gegenüber dieser Zeitung gefordert, um seriös arbeitende Betriebe zu schützen. Fahrgäste, so Fachleute, sollten vor dem Einsteigen zumindest darauf achten, in welchem Zustand das Taxi ist. Höchste Vorsicht ist angeraten, wenn ein angeforderter Fahrer mit dem Privatwagen auftaucht. Wer dort mitfährt, kann im Fall eines Unfalls auch versicherungsrechtliche Schwierigkeiten bekommen.

Der Ton in der Branche wird beim Kampf um den Kunden derweil laut Taxiunternehmern immer rauer. „Beschimpfungen und ausgestreckte Mittelfinger gegenüber Kollegen sind inzwischen üblich“, sagt eine Betroffene aus dem Kreis Esslingen. Die Frau hat Anzeige erstattet – und prompt eine Gegenanzeige wegen angeblicher Beleidigung bekommen.

Auf Polizei, Zoll und Ordnungsämter kommt also weiter viel Arbeit zu. Die Behörden wollen die Branche im Blick behalten. „Das Problem ist erkannt. Wir müssen jetzt überlegen, wie wir weiter vorgehen. Die Thematik ist sehr vielschichtig“, sagt Zollsprecher Seemann.

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