Fußball Vorsicht, dritte Liga: Der KSC kommt

Karlsruhe/Stuttgart - Nach Schlusspfiff ging es im Karlsruher Wildpark heftig zur Sache. Der KSC war nach dem 2:2 im Relegationsrückspiel gegen Jahn Regensburg in die dritte Liga abgestiegen – Grund genug für einige Chaoten, ihrem Ärger Luft zu machen. Bei Auseinandersetzungen zwischen KSC-Fans und der Polizei wurden insgesamt 75 Personen verletzt, darunter 18 Polizisten. 109 Randalierer kamen vorübergehend in Gewahrsam.

„Dieses Verhalten ist bei aller Enttäuschung über den Abstieg nicht akzeptabel“, sagte Karlsruhes Präsident Ingo Wellenreuther: „Wir sind dabei, alles dafür zu tun, dass die entsprechenden Personen ermittelt werden.“ Als vermummte Anhänger des KSC nach der Partie die Geschäftsstelle stürmen wollten, beorderte Manager Oliver Kreuzer kurzerhand die Mannschaft vor die Tür. Erst als sich die Profis und der Manager den aufgebrachten Fans stellten, entspannte sich die Lage. Es sind Szenen wie jene im Wildpark, die zeigen, wie groß das Gewaltpotenzial im Fußball mittlerweile ist – vor allem, wenn Clubs mit großer Tradition und großer Anhängerschaft absteigen. Schon beim 1. FC Köln gab es nach dem Erstliga-Abstieg Randale, beim KSC wiederholte sich das unwürdige Schauspiel.

Gall fordert hartes Durchgreifen

Der baden-württembergische Innenminister Reinhold Gall (SPD) forderte ein hartes Durchgreifen. „Wir haben es hier nicht mehr mit enttäuschten Fans zu tun, sondern eindeutig mit Straftätern“, sagte er. „Als erste Konsequenz müssen Stadionverbote erlassen werden. Für die kommende Saison wird sich das Innenministerium mit den Verantwortlichen des KSC zusammensetzen, um das Problem in den Griff zu bekommen.“

In der nächsten Saison rechnet Gall sogar mit einer Verschärfung der Sicherheitslage rund um Spiele des KSC. Dann treffen die Badener unter anderem auf die Stuttgarter Kickers, den VfB II, Kickers Offenbach, Darmstadt 98, Rot-Weiß Erfurt und den VfL Osnabrück. Duelle mit Brisanz. „Mit dem Abstieg in die 3. Liga sehen wir keine Entspannung, sondern eher noch kritischere Begegnungen“, sagte Gall.

VfB II gegen KSC: Nicht auf der Waldau

Der VfB II wird sein Heimspiel gegen den KSC nach Angaben eines Sprechers aller Voraussicht nach nicht im Gazistadion auf der Waldau austragen. Er zieht fürs Derby aus Sicherheitsgründen in die Mercedes-Benz-Arena um. Bei den Stuttgarter Kickers geht man davon aus, das Heimspiel gegen den KSC auf der Waldau stemmen zu können. „Wir haben hier schließlich schon gegen Clubs wie Dynamo Dresden mit 3000 Gästefans gespielt“, sagte Marketingmanager Jens Zimmermann. Im Gazistadion haben knapp 11 000 Zuschauer Platz – in der Mercedes-Benz-Arena rund 60 000.

Vor dem Hintergrund der Ausschreitungen in Karlsruhe meldete sich auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) zu Wort. Es ist nach Meinung des Bundesvorsitzenden Bernhard Witthaut nicht länger hinnehmbar, dass „eine Gruppe von skrupellosen Chaoten den Fußball und die friedlichen Fans mit ihren Randale-Orgien in Sippenhaft nimmt“. Nach Meinung der GdP haben sich betroffene Vereine bis heute nicht ausreichend von den Randalierern distanziert.

Helmut Sandrock, Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), kündigte einen Gewalt-Krisengipfel mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL) an. Zudem will Sandrock in Zukunft die Clubs mehr in die Pflicht nehmen. „Die Vereine als Hausherren haben harte Sanktionsmöglichkeiten, die manchmal nur zum Teil ausgeschöpft werden“, sagte er und verwies auf die Stadionordnungen als Grundlage für Strafen. Um ein besseres Verständnis für die Problemlagen zu entwickeln, werde außerdem ein Gespräch mit den Generalstaatsanwälten geführt. Sandrock plädiert in puncto Strafbemessung für eine länderübergreifende Regelung: „Wenn jemand mit Feuerwerkskörpern wirft, muss in jedem Bundesland klar sein, wie er dafür belangt wird.“

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