G-20-Razzia Radikalisiert

Krawall beim G-20-Gipfel: Fast 600 Polizisten wurden dabei verletzt Foto: AP

Stuttgart - Der Staat schlägt zurück – wenn auch recht spät. Mehrere Monate nach den schweren Krawallen auf dem G-20-Gipfel in Hamburg hat die zuständige Sonderkommission der Polizei bundesweit 24 Objekte durchsuchen lassen. Es besteht der Verdacht, dass die Krawalle im Juli von langer Hand geplant waren. Demnach ist der sogenannte schwarze Block kein Häuflein bunter Chaoten, sondern fast schon eine kriminelle Vereinigung.

Nazi-Methoden

Verblendet und voller Hass: Die Zahl gewaltbereiter Extremisten steigt in Deutschland seit ein paar Jahren wieder stark an. Dies gilt für das linke wie das rechte politische Spektrum und hat auch mit der höchst umstrittenen Flüchtlingspolitik zu tun. Wie auch immer man zu dieser Politik steht: Abrüsten wäre das Gebot der Stunde. In der Politik und zum Teil auch in der öffentlichen Meinung wird eine gnadenlose Intoleranz gegenüber Andersdenkenden salonfähig, auf der kein Segen liegt. Nur wenige Politiker wie Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) haben den Mut, an die demokratischen Spielregeln zu erinnern. Er bezeichnete zum Beispiel die Aktionen linksgerichteter Aktivisten vor der Haustür des AfD-Rechtsaußens Björn Höcke als das, was sie sind: Nazi-Methoden.

Gedankenlose Kapitalismus-Kritik

Zur Radikalisierung junger Leute trägt auch eine pauschale Kapitalismuskritik bei, die den Kapitalismus für jedes Übel der Welt verantwortlich macht. Vom Papst bis hin zu SPD-Chef Martin Schulz wird zum Teil auf gedankenlose Art und Weise drauflosgeschimpft. In Wahrheit ist die freie Marktwirtschaft nicht nur die Grundlage des Wohlstands in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Ländern. Die Marktwirtschaft bietet Chancen, sie ist kein Fluch. Es gibt tausend Gründe, sie zu verteidigen. Leider gibt es viel zu wenige Politiker, die das tun.

rainer.wehaus@stuttgarter-nachrichten.de

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