Gärtnerei Gropper in Remshalden Es hört nicht auf: Erneuter Anschlag auf Gärtner-Familie

Totalschaden: Das von Betonplatten beschädigte Fahrzeug auf dem Gärtnerei-Gelände. Foto: privat

Remshalden-Geradstetten. Einbrüche, Vandalismus, Körperverletzungen und eine Brandstiftung: Seit bald neun Jahren ist die Gärtnerei Gropper Opfer von Straftaten. Anfang 2020 werden sie ihr Geschäft deshalb schließen. Doch die Serie geht weiter: Zuletzt hat es ein Fahrzeug erwischt, das auf dem Betriebsgelände stand.

„Wir sind psychisch und körperlich kaputt“, sagt Martin Gropper. Er und seine Lebensgefährtin Katrin Strotbek wollen nur noch eines: „Es muss endlich aufhören.“ Doch es hört nicht auf. Dabei dachten sie, mit der Ankündigung, Remshalden verlassen zu wollen, sei endlich Schluss mit der beispiellosen Serie von Angriffen auf ihre berufliche und persönliche Existenz.

Dass die Situation jetzt wieder eskaliert, hatte sich aber bereits vor drei Wochen angedeutet. Da geriet Groppers Bruder Thomas, der in Beinstein eine Gärtnerei betreibt, plötzlich in die Ziellinie. Eine Bremsleitung an seinem Lastwagen wurde angeritzt, Autoreifen zerstochen und Nägel vor dem Lastwagen ausgelegt.

Wer dahinterstecken könnte, das ist für die beiden jedoch ziemlich klar: ihr Verpächter, der es seit Jahren auf sie abgesehen habe. Und nun womöglich den Bruder in den Fokus nehme, weil Gropper dort in Beinstein neu anfangen möchte."Wir haben Angst um unser Leben"

Und jetzt ist erneut die Gärtnerei in Geradstetten Opfer eines Angriffs geworden. Ein dort abgestellter Volvo von Bekannten wurde mit Betonplatten attackiert. Dabei gingen Scheiben zu Bruch, wurde das Dach demoliert, auch der Motor nahm Schaden. 7000 Euro, schätzt die Polizei, gingen dabei zu Bruch – wirtschaftlicher Totalschaden. Nachweisen können sie es nicht, dass der nebenan wohnende Verpächter Thomas Mayer der Verursacher ist. Für Gropper und Strotbek deutet jedoch alles darauf hin. „Eine tickende Zeitbombe“ nennen sie ihn. „Wir haben Angst um unser Leben.“

Mayer hat stets alle Vorwürfe abgestritten, gegenüber der Justiz wie unserer Zeitung. Selbst jene, für die es glaubhafte Zeugen oder Videoaufnahmen gibt. Im Frühjahr 2018, als das Gewächshaus lichterloh brannte (Sachschaden: 160 000 Euro), wurde ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet, dann aber wieder eingestellt. Sicher indes ist: Es war Brandstiftung.

Mehr als 30 mal vor Gericht

Und dass Mayer sich bereits mehrfach vor Gericht verantworten musste. Der Verpächter erhielt mehrere Geld- und Bewährungsstrafen wegen Delikten wie Freiheitsberaubung oder Körperverletzung. Im Sommer vergangenen Jahres musste er dann eine 16-monatige Haftstrafe wegen Körperverletzung antreten (bekam aber recht schnell Freigang). Er hatte den Mitarbeiter eines von Gropper engagierten Sicherheitsdiensts mit einer Eisenstange geschlagen. Ebenfalls wegen Körperverletzung verurteilt wurde Mayer, weil es das Gericht für erwiesen ansah, dass er einen damaligen Wohnungsmieter gewürgt hat. Zehn Monate lautete das Urteil.

Doch Mayer hat auch diese Taten stets bestritten. Er behauptet im Gegenzug, Gropper und seine Lebensgefährtin seien für die zahlreichen Sachbeschädigungen in und an der Gärtnerei verantwortlich.

Was Gropper natürlich völlig anders sieht. Mehr als 30 mal war er mit seinem Verpächter inzwischen vor Gericht. Bevor er nach Remshalden kam - das ist ihm wichtig zu betonen -, habe er noch nie ein Gericht von innen gesehen. In den letzten Jahren wurde er dort zum Dauergast.

Den Glauben an die Justiz haben die beiden mittlerweile fast verloren

Abgesehen von der Brandstiftung verzeichnet Gropper einen Schaden von 60 000 Euro. Weil der 20-Jahres-Vertrag vorzeitig gekündigt wurde (und das, da es laut Gericht unzumutbar sei, den Betrieb weiterzuführen), wurde ihnen ein Vorschuss für den Auszug ausgesprochen. Miete müssen sie seit Sommer nicht mehr zahlen. Im März soll der Betrieb in Beinstein starten. Bis Juni wird sich der Umzug noch hinziehen. Wenn sie die Gärtnerei verlassen, soll ein Gutachter die Regressansprüche prüfen. Darin sehen sie auch einen möglichen Hintergrund der jüngsten Attacken.

Den Glauben an Gerechtigkeit und die deutsche Justiz hat Gropper mittlerweile aber fast völlig verloren. „Unseren Rechtsstaat macht er lächerlich“, sagt er zu seinem Verpächter. Auch Katrin Strotbek glaubt nicht mehr wirklich an Recht und Gerechtigkeit in diesem Land.

Eine Hoffnung haben die beiden immerhin: dass sie in Beinstein, sollte es zu Straftaten kommen, rechtlich deutlich mehr Möglichkeiten haben. Dort sind sie nämlich nicht mehr Pächter. Der Grund und Boden ist im Besitz der Familie Gropper.

Für die Straftaten an Thomas Groppers Betrieb in Beinstein hat die Polizei inzwischen einen Verdächtigen ermittelt. Mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen könne die Polizei aber nichts Näheres dazu sagen, so Polizeisprecher Holger Bienert.

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