Gartenschau in Fellbach Die Stadt als Schaugarten der Kultur

Die Fellbacher Jugend ist schon mal begeistert dabei. Und fleißig. Übergabe der Holzbienen an die Oberbürgermeisterin Gabriele Zull. Foto: Laartz

Fellbach. Die Stadt Fellbach, das Tor des Remstals zu Stuttgart, liegt nicht an der Rems. Und trotzdem kommen für die Remstal-Gartenschau maßgebliche Beiträge für die grüne Leistungsschau aus Fellbach. Die Stadt wuchert einfach mit ihren Pfunden: Kultur und Kulinarik.

So ist es ja nicht, dass die Fellbacher nicht wissen, was es heißt, am Fluss zu liegen. Das gilt mindestens für die Oeffinger, die mit einigen Metern Neckarzugang auch gleich an einem richtigen Fluss lagern. Nicht an einem Flüssle. Und schon längst gezeigt haben, was man draus machen kann: mit Strand-Feeling und Plattform hinaus aufs Wasser. Fellbach wäre auch in dieser Disziplin der kongeniale Landungsbrücken- und Pontonbauer.

Und tatsächlich lagert ein speziell für die Gartenschau aktiviertes Schaustück fast am Fluss. Es sind die alten Becken der Abwässerklärung in Oeffingen, erklärt zu „Tropfkörpern“, gestrichen in Signal-Rot, die ihre kathedralenartige Akustik entfalten an fünf verlängerten Wochenenden. Dann steigen Performer in den Ring und bringen Beton zum Schwingen. Sicher keine Massenveranstaltung.

Ein Doppelschlag: Kulinarik und Kultur

Der anerkannt größte Magnet ist der Fellbacher Herbst, Jahr für Jahr. Der Schwabenlandhallen-Geschäftsführer Jens Mohrmann wird diesen Massenauftrieb für die Gartenschau veredeln. Mit Weinführungen und Eintauchen in die Geschichte des landwirtschaftlichen Fellbachs. Der Genuss-Faktor steigert sich im Lauf des Gartenschau-Jahres. Prämierte Weingüter, drei Sterne-Restaurants, aber auch der Besen im Ort – sie alle werden orchestriert dem Klang im Gaumen Raum geben.

Da passt es, dass ausgerechnet 2019 Fellbach den Zuschlag bekam fürs SWR-1-Großereignis „Pfännle“. Am 29. September strömen dann auf einmal 13 000 Menschen in die Stadt. Am 24. Juni schon kommt es in der Schmidener Festhalle zum Kochduell. Sterneköche kontra Oberbürgermeisterin Gabriele Zull, der Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer schwingt ebenso den Löffel. Starke Prisen von Genuss.

Auf der Prioritätenliste der Oberbürgermeisterin Gabriele Zull steht freilich in erster Linie die Kultur. Die identitätsstiftende, die weltoffene. Nicht das, was sich pflanzlich aus Fellbacher Erde ziehen lässt. Und auch da können die Fellbacher einfach nichts dafür, dass es mal wieder passt. Die Triennale der Kleinplastik fällt ins Gartenschaujahr. Und weil man vorausdenkt, hat das Kuratorium mit der Verpflichtung von Brigitte Franzen jemanden geholt, der tief gräbt. Unter dem Titel „40 000 – ein Museum der Neugier“ geht es per Tiefenbohrung zurück zur prallen Venus aus der Eiszeithöhle auf der Schwäbischen Alt, um dann Linien unserer Fort-Existenz zu zeichnen. Künstler als Seismografen.

Gartenschau ist keine Blumenschau

Es ist eine choreografierte Pracht. Wenn in die Galerie der Stadt Fellbach gerufen wird, dann zu „Flowers“ und überlebensgroßen Blütenfotos der Brasilianerin Luzia Simons. Das starke Kulturamt hat immer selbst viel losgemacht, versteht sich aber auch als Dachorganisation. Es hat den Fellbacher Besinnungsweg unter seine Fittiche genommen, damit die großen Namen in die Stadt geholt. Die vierte Station, „Schatten“ von Micha Ullman, bekommt einen zweiten Aufstellort, den Oeffinger Friedhof. Passenderweise handelt es sich um einen Lebensbaum. Neu kommt „Demut“ hinzu, eine Arbeit von Anatol Herzfeld. Hierbei geht es um das Stück Rest-Natur, das Schmidener Feld, das die Fellbacher auf keinen Fall dem Straßenverkehr opfern wollen. Die Gartenschau ist keine Blumenschau.

Aber weil Fellbach ja wuchern kann, bekommt der Besucher auch das. Der komme einfach zum Schaugarten auf den Kirchplatz. Und kehre wieder heim mit dem wunderbar bebilderten Buch „Die Gärten von Fellbach“. Da hat sich die Museumsleiterin Einlass verschafft in die grünen Refugien der gern heimlich reichen Fellbächer. Eben auch kulturell reichen.

Veranstaltungs-Höhepunkte in Fellbach

Die Städte bekommen im Remstal-Schau-Reigen zwei Highlight-Wochen zugesprochen.

Die erste Woche wird die Triennale der Kleinplastik gewidmet sein. Am Dienstag, 11. Juni, geht es dann um die „Venus aus dem Eis“ mit einem Vortrag von Prof. Jürgen Wertheimer. Am Freitag, 14. Juni, kommt das Theater Lindenhof in die Alte Kelter und zeigt die Schrecken, wenn die Ausgräberei zum Event wird. Stichwort: Archäopark.

Die zweite Highlight-Woche hat den Fellbacher Herbst als Anker und Magneten, mit Start 11. Oktober.

Ein besonderer Hingucker, da ist sich die Fellbacher Oberbürgermeisterin sicher, wird die Freiluftgalerie des Vereins Kunstwerk sein. Kuratiert von Heribert Sauter und Frank Kister zeigen 30 Vereinsmitglieder auf großflächigen Bannern gedruckt den Weg vom Neckar ins Weidachtal bis zu den Tropfkörpern der alten Oeffinger Kläranlage.

Kunst im öffentlichen Raum zeigt aber auch der Kunstverein mit großformatiger Umgestaltung von Bushaltestellen und auf einem Gelände neben Pflanzen-Kölle.

Fellbach wird auch seine Tradition als Stadt der Gärtner und Gemüseversorger von Stuttgart thematisieren. Wer weiß schon, dass von Fellbach ein globaler Samenhandel ausging? Die Firma Pfitzer und ihre „Stuttgarter Riesen“ – Gladiolen.

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