Gartenschau in Remseck Wo die Rems den Neckar küsst

Unser Remseck soll schöner werden. Ehrenamtliche streichen eine Lärmschutzwand und machen schon mal Lust auf die Gartenschau. Es gibt einige Bürgerprojekte, auch weil die Remsecker früh nach ihren Wünschen und Vorstellungen befragt wurden. Foto: Stadt Remseck

Remseck. Genius Loci. Remseck hat ihn, den Geist des Ortes. Den genialen, unschlagbaren Platz, von dem aus sich alles entwickelt. Remseck, die letzte Kommune in unserer Vorstellungstour, musste das Besondere erst gar nicht suchen. Vom Mündungsgebiet aus entfaltet sich das Angebot für die Besucher.

Die Altvorderen hatten sich auch schon ihre Gedanken gemacht. Seit jeher ist vom „Hechtkopf“ die Rede, wenn es darum geht, zu beschreiben, mit welch graziöser Biegung des Flussbettes sich die Rems ranmacht an den Neckar. Jede Sekunde findet hier neu die Vermählung statt zwischen der lebendigen, sich im Unterlauf stark schlängelnden Rems und dem breit und behäbig daherfließenden Herren Neckar.

Der Ort, wo sich der Remsecker Gartenschaubeitrag allermeist ereignen wird, hat sich damit ganz natürlich ergeben. Wobei, das Begnadete des Ortes war den Stadtoberen vorher schon bekannt, es wurde nur noch nicht zum Nutzen aller freigelegt. Anfang des Jahrzehnts ging die Kommune daran, mit dem Pfund zu wuchern. Vorher war da eine steile Uferböschung, ein Nicht-Ort.

„Unendlich entspannt“, so das Motto der Remsecker

Also haben hier, gegenüber dem Schön-Wetter-Lokal „Bootshaus“, Landschaftsarchitekten mit viel Sand, einigen Ladungen Beton und einer Reihe Buchsbäume einen Platz geschaffen, der zum Lagern einlädt. Terrassenförmig angelegt, so dass das Ruhen am Wasser auch eine Bühne hat. Remseck-Motto: „Unendlich relaxt“. Remseck findet sich im Liegestuhl wieder. Kühne gehen hier im Neckar baden. Zur Remstal-Gartenschau kann man sich Kanus mieten. Dieses Amphitheater der Natur, der etwas nachgeholfen werden musste, lässt sich mit Fackeln magisch bespielen und auf die lauschigste Art mit Händels Wassermusik beträufeln. Es ist einfach ein begnadeter Versammlungsort der Stadtbürger und ihrer Gäste.

Jetzt, für 2019, wird sich mehr tun. Gerade brummt es gewaltig. Der Bau der neuen Remsecker Mitte mit Rathaus und Marktplatz übertönt das Entengeschnatter. Das wird so bleiben, die Eröffnung ist nun mal nicht vor Mai 2020 zu haben.

Der Remsbalkon am Rathaus zeichnet sich aber schon ab. Gegenüber, in Verlängerung des Remsstrandes, lädt dann ein langer Schwimmsteg zum Spazieren und Schweben über Wasser. Damit lässt sich Verbindung schaffen zum historischen Thema Flößerei.

„Der Fluch der Karibik“ bekommt eine Fortsetzung im Neckarsand

Es geht vorbei an der 16. weißen Station, dem Werk der Architekten Mäckler aus Frankfurt. Ursprünglich sollten die stilisierten Badehäuser im Neckar verankert werden, doch die Flussschiffer legten ein Veto ein. Macht nichts, jetzt kommt jeder trockenen Fußes in die Umkleidekabine.

„Der Fluch der Karibik“ bekommt eine Fortsetzung im Neckarsand. Die Kinder werden das halb eingebuddelte Piratenschiff stürmen. Die Eingriffe sind wahrlich merklich. Und doch wieder in ihrer Materialität und Form so reduziert, dass hier kein Rummelplatz entsteht. Das Piratenschiff trägt den Arbeitstitel „Naturspiel am Wasser“. Birgit Priebe, die von Waiblingen zur Großen Kreisstadt Remseck gewechselte Baubürgermeisterin, hält wenig davon, diesen Ort weiter zu eventisieren. Ganz Stuttgart mag über eine Welle für Surfer nach Münchner Vorbild diskutieren. Solch einen Eingriff lehnt sie ab.

Einfach schön, sicher nicht nur auf dem Plan, die Idee mit den schwimmenden Floßgärten.

Die Stadt Remseck muss überhaupt manches richtig gemacht haben. Eine frühe Bürgerbeteiligung wandelte eine Lärmschutzwand mit viel Farbe zum Hingucker. Der Bauhof verteilt demnächst 100 alte Ölfässer auf alle Stadtgebiete. Für die Ewigkeit gedacht ist ein „Naschgarten“. Dazu hat sich eine Projektgruppe gefunden. Es wird nicht gleich das Paradies sein, weil Mensch darin arbeiten muss. Aber so will er es heute ja.


Wassererlebnistage

  • Einen Vorgeschmack bekommt man, wenn man sich am 30. März um 14.30 Uhr einfindet auf dem Parkplatz am Schifferclub, Gaffert 1 in Neckarrems. Und zwar mit einem Fahrrad. Dann geht es mit Daisy Knisel, zertifizierte Natur- und Landschaftsführerin, zu einer genussvollen Entdeckungsradtour rund um Remseck.
  • Die High-Light-Woche in Remseck am Neckar findet vom 8. bis zum 14. Juli statt.
  • Am Montag, 8. Juli, sind „Geschichten von Remseck“ zu hören, etwa über Gänsezucht und Gänsehandel, von 18 bis 22 Uhr am Neckarstrand.
  • Der Dienstag bietet zum Beispiel einen Vereinstag mit Bühnenprogramm und, als offene Übungsstunde, Proben des Handharmonika-Spielrings Barberlights, „Remseck singt“, am Neckarstrand. Aber auch einen Graffiti-Workshop für Jugendliche und ein Grünes Klassenzimmer für Schüler.
  • Alle freuen sich schon auf den Poetry Slam am Mittwoch um 19 Uhr am Neckarstrand
  • Der Donnerstag bringt eine Senioren-Radwanderung „Rauf aufs Rad – unendlich Raum für Bewegung im Remstal“, 10 Uhr. Dann Open-Air-Kino um 21.30 Uhr am Neckarstrand
  • Am Freitag blitzt es über dem Himmel von Remseck. Es ereignet sich ein Lichterpicknick mit Musikfeuerwerk und der Riesenfigur Dundu am Neckarstrand
  • Der Samstag bietet einen Wassererlebnistag mit dem H2O-Wasserorchester ab 14 Uhr, aber auch das Neckarremser Straßenfest und eine Märchenwanderung für Kinder ab 16 Uhr.
  • Am Sonntag dann wiederum ein Wassererlebnistag, ein Gottesdienst am Strand ab 10:30 Uhr, ein Fischerstechen und abends spielt das Kammerorchester Stuttgart auf.
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