Gefahr für Rehe Schorndorfer Jäger appelliert an Hundehalter

Ein Rehkitz in einer hohen Wiese. Foto: Pixabay.com

Schorndorf. Immer wieder hetzen Hunde in Schorndorf Rehe, sagt Hegeringleiter Werner Groß. Derzeit ist das besonders problematisch, denn die trächtigen Rehe sind den Hunden ausgeliefert. Nicht nur im Wald sollten die Hundebesitzer auf ihre Tiere besonders achten, auch auf Wiesen und in Sträuchern sind Rehe und ihre Kitze anzutreffen.

Besonders auf den Feld- und Wiesenwegen, die in Richtung Wald verlaufen, beobachtet Werner Groß, dass viele Hundebesitzer morgens und nachmittags unterwegs sind. Er ärgert sich über diejenigen, die ihre Tiere weder an der Leine haben noch richtig auf sie achtgeben. Denn zu oft komme es vor, dass Hunde derzeit trächtige Rehe jagen. Diese sind der Verfolgungsjagd oft nicht gewachsen, verletzen sich und sterben. „Ich möchte an die Vernunft appellieren und für das Thema sensibilisieren“, sagt Groß. Die Rehe sind derzeit hochträchtig und enorm geschwächt. Gegen einen schnellen Hund haben sie kaum eine Chance. Besonders die Hunde, die mit ihrer Nase jagen, seien für Wildtiere ein Problem. Es könne auch passieren, dass ein gehetztes Reh auf eine vielbefahrene Straße renne und dann überfahren werde. „Wir haben ohnehin schon viel Fallwild“, sagt Groß.

In den Wiesen legen die Rehe ihre Jungtiere ab

Groß zeigt auf ein Stück Land, auf dem sich Reisig türmt. Auch dort könnten Rehe liegen, meint er und weiß, dass viele das gar nicht vermuten. Doch entgegen der Vorstellung vieler Menschen sind die Rehe nicht nur im Wald, sondern auch auf den Wiesen unterwegs. Der Hegeringleiter verweist darauf, dass es auch in den vergangenen Wochen wieder Fälle von jagenden Hunden auf Rehe gegeben hat.

Groß ist selbst Jäger und tötet Tiere. Das sei jedoch gezielt, die Tiere müssten nicht leiden. Doch die gehetzten oder verletzten Tiere verendeten elendig. Er bekomme ab und zu Anrufe mit der Bitte, doch nach einem verletzten Reh zu schauen, das von einem Hund gejagt worden sei. Doch die Tiere im Wald zu finden sei schwer.

Nach der Geburt legen die Rehmütter ihre Kitze in hohem Gras ab, und zwar meist mehrere Meter voneinander entfernt, sagt Werner Groß. Er spricht von der sogenannten Setzzeit, die von Mai bis Juni andauert. „In dieser Zeit sollten Halter ihre Hunde generell entlang von Wiesen anleinen“, rät er. Denn wenn die Hunde auf einer hohen Wiese auf ein Rehkitz treffen und es abschlecken, werde es von seiner Mutter womöglich nicht mehr angenommen. Die Kitze seien den Hunden schutzlos ausgeliefert. Die Jungtiere seien oft alleine anzutreffen, das bedeute aber nicht, dass sich ihre Mütter nicht um sie kümmerten, erklärt Groß.

Wenn die Tiere nicht verletzt seien, solle man sie einfach liegen lassen und nicht anfassen, empfiehlt der Fachmann. Auch für Hasen, Vögel und Schafe könnten die Hunde problematisch werden, erklärt der Hegeringleiter. Die Schäferin Sabine Schall unterstützt den Appell von Groß. Auch mit ihren Schafen habe sie das Problem, dass Hunde die Tiere hetzten. Schall hütet in Schorndorf 40 Mutterschafe.

„Bei den Schafen gab es auch schon Fehlgeburten“, erzählt sie. Im Einzelnen kann sie nicht sagen, was die Tiere erschreckt haben könnte, sie geht aber davon aus, dass es Hunde gewesen seien. Sie fordert: „Als Hundehalter muss ich immer Herr der Lage sein.“ Nicht immer stoße sie auf Verständnis bei Haltern, das ärgert die Schäferin. Ihr und Werner Groß geht es nicht darum, Hundehalter anzuprangern, die beiden haben selbst Hunde. Sie wollen informieren und sensibilisieren, betonen die beiden immer wieder.


Gibt es eine Leinenpflicht für Hunde?

Grundsätzlich besteht nach dem Jagd- und Wildtiermanagementgesetz in den Wäldern keine Leinenpflicht für Hunde, jedoch darf man den Hund nicht außerhalb der Einwirkungsmöglichkeit des Halters frei laufen lassen. Die Halter müssen den Hund auch ohne Leine unter Kontrolle halten und unverzüglich zu sich rufen können. Lediglich für Kampfhunde und für einzelne Bereiche wie Spielplätze gelten Ausnahmen.

In einigen Bundesländern, wie etwa Sachsen-Anhalt, gilt während der Setzzeit eine Leinenpflicht. Im baden-württembergischen Landwirtschaftsministerium sieht man keine Notwendigkeit, eine solche Pflicht einzuführen.

Die untere Jagdbehörde (im Rems-Murr-Kreis das Kreisjagdamt) könnte allerdings für bestimmte Gebiete anordnen, dass Hunde an der Leine geführt werden müssen, teilte ein Mitarbeiter des Ministeriums mit. Bisher gibt es von dort keine Vorgaben für Schorndorf.

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