Gegen das Parkchaos an der S-Bahn-Station 150 neue Parkplätze für Stetten-Beinstein

150 neue Parkplätze sollen entstehen an der Bahn-Haltestelle Stetten Beinstein. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Weinstadt. Die Stadt reagiert auf den Parkdruck an der Haltestelle Stetten-Beinstein: Zu den 212 öffentlichen Stellplätzen sollen bis zu 150 dazukommen. Geplant ist auch, für alle Parkplätze der drei Weinstädter S-Bahn-Stationen einen Vertrag mit der Region abzuschließen – und wegen steuerlicher Vorteile alles auf die Stadtwerke zu übertragen.

„Bisher fallen nur Kosten an“: Für Instandhaltung, Pflege und Abschreibung hat die Stadt Weinstadt laut Liegenschaftsamtsleiter Karlheinz Heinisch bislang einen kalkulatorischen Aufwand von 50 000 Euro, dem kaum Erträge gegenüberstehen. Für die aktuell 484 Park-and-Ride-Parkplätze an den Weinstädter S-Bahn-Stationen kassiert die Stadt momentan keine Gebühr und überwacht auch nicht die Parkzeit. Ebenso wird nicht kontrolliert, ob die Nutzer auch wirklich alle auf die Bahn umsteigen – oder einfach nur einen Gratis-Stellplatz in der Nähe ihrer Firma suchen. Auch für Remstäler, die vom Stuttgarter Flughafen aus in den Urlaub fliegen, war Stetten-Beinstein bisher ein preiswerter Stellplatz fürs Auto. Das will die Stadt ändern – und davon zugleich finanziell profitieren.

Die Laufzeit des Vertrags würde 20 Jahre betragen

Alle Parkplätze sollen dafür in einem Vertrag mit dem Verband Region Stuttgart ausschließlich für Kunden des öffentlichen Nahverkehrs bereitgestellt werden. Die Nutzer müssten dann damit rechnen, dass sie bei der Ausfahrt stichprobenweise kontrolliert werden und ihr Ticket zeigen müssen. Wer das dann nicht kann, muss 30 Euro zahlen. Die Laufzeit des Vertrags würde 20 Jahre betragen – und die Region hätte zudem die Option, irgendwann eine Parkgebühr einzuführen. Finanziell würde auch Weinstadt profitieren: Die Region müsste pro Jahr rund 87 000 Euro zahlen, wobei es für jeden Stellplatz 180 Euro gibt. Auf 20 Jahre wären das etwa 1,75 Millionen Euro.

Durch Tarifreform steigt der Parkdruck in Stetten-Beinstein

Abgewickelt werden soll alles über die Weinstädter Stadtwerke. Diese hätten im Gegensatz zur Stadt steuerliche Vorteile, etwa im Fall einer Sanierung oder eines Verlusts. Laut Geschäftsführer Thomas Meier muss noch Rücksprache mit dem Finanzamt gehalten werden, dann kann dem Gemeinderat ein Beschluss über die Organisationsform vorgelegt werden. Die Zeit drängt indes. Die Stadt rechnet damit, dass der ohnehin schon große Parkdruck gerade an der Haltestelle Stetten-Beinstein durch die Tarifzonenreform weiter steigt. Die Station ist im Vergleich zur Haltestelle Endersbach preiswerter und wird deshalb bevorzugt angefahren. Seit 1. April ist die Fahrt nach Stuttgart von dort aus noch billiger: Sie kostet nicht mehr 4,20 Euro, sondern 2,90 Euro.

Um auf den Druck zu reagieren, sollen in Stetten-Beinstein bis zu 150 weitere Parkplätze für S-Bahn-Kunden entstehen. Auf welchem Grundstück diese gebaut werden, ist noch offen. OB Michael Scharmann ist zuversichtlich, mit dem Konzept Erfolg zu haben. „Wir wollen das Parkchaos beseitigen.“ Wie aktuelle Fotos unserer Zeitung zeigen, wird an der Station Stetten-Beinstein verbotenerweise auch auf der Wiese geparkt, so überfüllt ist der Parkplatz. Der Gemeinderat stimmte geschlossen für die Marschrichtung der Verwaltung.

Kritik am Vertrag mit der Region

Kritik gab es jedoch am Vertrag mit der Region. GOL-Fraktionschef Manfred Siglinger vermisste bei der langen Laufzeit eine Entgeltanpassungsregelung – durch diese könnte die Stadt im Lauf der vereinbarten 20 Jahre mehr kassieren als die aktuell vorgesehenen 180 Euro pro Stellplatz. Auch wunderte er sich, warum in der Sitzungsvorlage steht, dass die strichprobenartige Kontrolle der Parkplätze durch die Region erfolgt – im Vertrag aber etwas anderes. Auch störte Siglinger, dass der Verband Region Stuttgart Haftungsrisiken bei Schäden durch Dritte oder bei höherer Gewalt auf Weinstadt abwälzt. „Dann hätte die Stadt den Schwarzen Peter in der Hand.“

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