Laura wählt Na geht doch!

Geradstetten.
Am Mittwoch fand eine Wahlkampfveranstaltung mit Wolfgang Kubicki in Geradstetten statt. Scheint wohl eine große Nummer zu sein. Ich kannte ihn bis dahin jedenfalls nicht. Auf der Einladung stand, dass es um die Forderungen und Ziele der FDP gehen wird.

Endlich stellt sich mal jemand da vorne hin und erklärt mir konkret, was eine Partei in der Politik erreichen und verändern will. Aber wird es wieder so unverständlich wie bei meiner letzten Wahlkampfveranstaltung? Komme ich mir wieder so fehl am Platz vor? Hoffentlich nicht. Meine Erwartungen schraubte ich nicht allzu hoch.

Es war, wie ich es mir vorgestellt hatte

Eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung - der Einlass wäre eigentlich erst eine halbe Stunde später gewesen - tummelten sich schon die ersten Leute im Foyer. Es gab Stehtische, auf denen Servietten und Wahlwerbung lagen, an einer langen Tafel waren Gläser aufgereiht. Die Halle war bestuhlt und, siehe da, vorne stand ein richtiges Rednerpult. Wow. Kein wackeliger Stehtisch, wie ich es von der letzten Veranstaltung kannte. Es war also alles so, wie ich es mir vorgestellt hatte. War ich wieder die einzige Erstwählerin? Nein zum Glück nicht. Die Halle war ganz schön voll. Auch einige junge Leute waren da.

Applaus, Applaus

19.35 Uhr. Die Veranstaltung hätte schon vor fünf Minuten anfangen sollen. Auf einmal fingen die Leute in der Halle an zu klatschen. Hä? Hatte ich was verpasst? Nein. Ein Blick nach vorne verriet mir, dass ein Mann aufgestanden war und auf dem Weg zum Rednerpult war. Klatscht man da? Na gut. Er bedankte sich beim Bürgermeister und begrüßte uns. Applaus. Dann wurde Lisa Walter, die er ständig „unsere Lisa“ nannte, begrüßt. Wer hätte es gedacht? Wieder klatschten die Leute. Bei der Vorstellung von Kubicki gab es sogar zweimal Applaus. Also wenn das so weiter geht und nach jedem zweiten Satz, der da vorne gesagt wird, geklatscht wird, dann sitze ich morgen noch da. Aber wen beklatschten die eigentlich da?

Na geht doch! Ich habe was verstanden

Erst als Lisa Walter nach vorne trat und sich bei „Jürgen Schulte vom Ortsverband“ bedankte, wusste ich Bescheid. Aha, danke für die Info. Die Bundestagskandidatin stellte sich ausführlich vor, erzählte uns, was sie dazu gebracht hatte zu kandidieren und lobte ihre Partei. Anschließend ging es um ihre Forderungen, mit denen sie zur Bundestagswahl antreten will. Sie hat zwei Slogans: „Weniger Bürokratie. Mehr Zutrauen.“ und „Jungen Familien eine Stimme geben.“ Hey, die Sprüche kannte ich doch von ihren Wahlplakaten, oder? Kaum zu Ende gedacht, hielt ein junger Mann auch schon eines der Wahlplakate in die Höhe. Keine schlechte Idee. Auch wenn ihre Rede einem Referat glich, verstand ich so gut wie alles, was Lisa Walter vorne redete. Sie machte vieles an Beispielen aus ihrem eigenen Leben fest, hielt sich kurz und schwafelte nicht herum. Ich war beeindruckt. So hatte ich es mir vorgestellt. Hoffentlich blieb das auch bei Kubicki so.

Kubicki's unterhaltsame Art

Es wurde sogar besser. Mit einer Hand in der Hosentasche stand er lässig vorne am Rednerpult. Schon nach den ersten Sätzen lachte das Publikum mit. Na das konnte ja lustig werden. Er ging die Themen der FDP nacheinander durch. Sprach unter anderem über die Innere Sicherheit, über Europa, die Digitalisierung und die Infrastruktur. Immer wieder warf er Anekdoten aus seinem Privatleben ein. Ich blieb immer bei der Sache und konnte folgen. Seine unterhaltsame Art machte es leichter, ihm zuzuhören. Während er über ein Thema sprach, freute ich mich schon immer auf die nächste lustige Geschichte, die er mit seiner Frau, seinen „Freunden von den Grünen“ und mit seinen „Freunden von den Sozialdemokraten“ erlebt hatte. So blieb ich immer aufmerksam. Auch ein Blick in die Runde verriet mir, dass noch keiner eingeschlafen, ins Gespräch mit seinem Nebensitzer vertieft oder gar aufgestanden und gegangen war.

Am Ende seiner Rede gab es tosenden Applaus. Schulte lud uns noch auf persönliche Gespräche mit den Politikern ins Foyer ein. „Es gibt Wein und was zu essen.“ Wie auf’s Stichwort standen schon einige auf. Dass Walter das Schlusswort haben sollte, ging unter. Gut, dann nicht. Lachen und Klatschen macht wohl ziemlich hungrig.

Gespräch mit Lisa Walter

Im Foyer schnappte ich mir die Bundestagskandidatin für ein kurzes Interview. Ich wollte unbedingt wissen, ob sie glaubte, dass diese Veranstaltung Erstwähler anspricht. Bei mir ist es ja schließlich gelungen. Sie musste kurz überlegen. „Durchwachsen. Ich glaube so eine größere Veranstaltung spricht gezielt ein breites Publikum an. Aber wir erleben es immer mehr, dass junge Leute kommen.“ Walter überrascht es, dass viele Jüngere einfach mal so bei Veranstaltungen vorbeischauen. Sie selber ist eine relativ junge Kandidatin, deshalb reize sie es auch, „besonders die Jüngeren anzusprechen“. Dafür, dass viele junge Leute noch nicht wissen, wen sie wählen wollen, hat die Bundestagskandidatin großes Verständnis. „Man ist nicht informiert und kann nicht immer alles wissen.“ Es sei die Aufgabe der Politik, die Informationen nach außen zu tragen, so Walter. Zur Wahl gehen solle man auf jeden Fall.

Mein Fazit

Ich selber kann nach dieser Veranstaltung sagen, dass ich einer Antwort auf die Frage, ob ich wählen gehe oder nicht, ein großes Stück näher gekommen bin. Es hat mir gezeigt, dass die Politik gar nicht so unverständlich sein muss, wie sie mir bis jetzt immer vorkam. Man muss es einfach nur richtig rüberbringen. Selbstverständlich versteht man beim einen Thema mehr, als beim anderen. Die Hauptsache ist aber, dass man wenigstens mal gewisse Grundinfos zu den Themen hat, die einen interessieren.
Zugegeben, wenn es nicht meine Aufgabe wäre, auf Wahlkampfveranstaltungen zu gehen, wäre ich da wahrscheinlich auch nicht hingegangen. Wenn mir aber im Nachhinein jemand davon erzählt hätte, dann hätte ich es sicher bereut. Hoffentlich werde ich jetzt von anderen Wahlkampfveranstaltungen nicht wieder enttäuscht.

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