Gespräch mit dem Porsche-Betriebsratschef Chefs geben 90 Millionen für den E-Porsche

Die Produktion des ersten E-Porsches beginnt 2019. Der Mission E soll eine Reichweite von 500 Kilometern haben. Foto: Porsche

Stuttgart - Die Führungskräfte der Porsche AG steuern mehr als bislang geplant dazu bei, dass der erste Sportwagen mit Elektroantrieb aus dem Hause Porsche am Stammsitz in Zuffenhausen gebaut werden kann. „Geplant war, dass die Führungs­kräfte rund 70 Millionen Euro beisteuern, jetzt liegen wir bei 90 Millionen Euro“, sagte Uwe Hück, der Betriebsratsvorsitzende von Porsche, unserer Zeitung. „Hintergrund ist unser Wachstum der letzten Jahre und die damit verbundene höhere Anzahl an ­Führungskräften.“

Ursprünglich sollte durch den Verzicht der Mitarbeiter auf einen Teil ihrer Tariferhöhung bis 2026 insgesamt 200 Millionen eingespart werden. Derzeit rechnet das Unternehmen damit, dass eine Summe von 290 Millionen Euro erreicht werden kann.

Bis zum 1. Juni dieses Jahres sind bereits 14,1 Millionen Euro in den Zukunftstopf geflossen. Der Zukunftsbeitrag des Sportwagenbauers trägt zur Finanzierung der Produktion und Entwicklung des E-Sportwagens Mission E bei. Die Produktion soll 2019 in Zuffenhausen anlaufen. Porsche investiert insgesamt eine Milliarde Euro in den Mission E und schafft mindestens 1200 neue Arbeitsplätze.

Sorgen um Arbeitsplätze

Die Frage, wie es den baden-württembergischen Unternehmen gelingt, Zukunftstechnologien in ihr bestehendes Produktionsnetzwerk zu integrieren, treibt die Branche hierzulande derzeit um. Die Belegschaften fürchten, dass neue Produktionsprozesse wie die Herstellung von Batterien und Motoren für Elektroautos eher an Standorte mit geringeren Arbeitskosten verlagert werden. Dies würde sich negativ auswirken auf die Beschäftigungsbilanz in Baden-Württemberg.

Andere Unternehmen spielen mit dem Gedanken, neue Technologien in Gesellschaften auszulagern, die nicht an den verhältnismäßig hohen Tarif der Metall- und Elektroindustrie gebunden sind. „Das ist arrogant“, sagt der Porsche-Betriebsratschef Hück. „So geht man nicht mit den Menschen um, die jahrelang die Gewinne für die Firmen ­erwirtschaftet haben.“ Die Arbeitgeber seien reich geworden, weil die Arbeitnehmer fleißig waren, so Hück.

16 000 Mitarbeiter machen mit

Das Porsche-Modell sieht vor, dass von den inzwischen rund 16 000 Mitarbeitern in Zuffenhausen und Weissach über neun Jahre hinweg (von 2017 bis 2025) jedes Jahr 0,25 Prozent von der Tariferhöhung abgezogen wird. Jedoch ist geplant, dass die tariflich beschäftigten Mitarbeiter von 2021 bis 2030 jedes Jahr einen an den Projekterfolg geknüpften sogenannten Zukunftsbaustein erhalten: 760 Euro sollen dann jährlich zusätzlich an die Mitarbeiter überwiesen werden. Vom Januar 2026 an wird das Entgelt der Tarifbeschäftigten wieder so angehoben, dass das ursprüngliche Lohnniveau erreicht ist. Die rund 2000 Führungskräfte und übertariflich Beschäftigten und der siebenköpfige Porsche-Vorstand erhalten ihren Teil des Gehaltsverzichts nicht wieder zurück und müssen mehr einzahlen: nämlich 0,5 Prozent ihrer Entgelterhöhung. „Es war unsere Bedingung, dass der Vorstand mitmacht, und der Vorstand hat sich freiwillig und selbstverständlich beteiligt“, sagte Hück. „Es ist das erste Mal in der Geschichte des Konzerns, dass sich alle an der Investition beteiligen“, so der Betriebsratsvorsitzende.

Porsche geht mit großen Schritten in Richtung Elektromobilität. „Wir werden sicherlich eine Übergangszeit von zehn bis 15 Jahren haben, aber danach wird es in den Metropolen keine Verbrenner mehr geben“, sagt Hück.

Uwe Hück kämpft um den Standort

Um den Standort Zuffenhausen weiter für die Zukunft abzusichern, kämpft Hück gerade darum, mögliche Derivate des Mission E ebenfalls in Zuffenhausen zu produzieren. „Das macht doch mehr als Sinn, wenn wir für den Mission E bereits die Zeitenwende einläuten und eine Fabrik in der Fabrik bauen, dass dann auch die Derivate hier gebaut werden und nicht irgendwo anders vom Band laufen“, so Hück. „Ich möchte, dass der Mission E so untrennbar mit Zuffen­hausen verknüpft ist wie der Elfer.“

Aber Hück will auch im zweiten großen Porsche-Werk die zukünftige Technik der E-Mobilität ansiedeln. „Wenn zum Beispiel die nächste Generation des Macan elektrisch sein wird, dann muss das in Leipzig produziert werden. Ähnlich wie für den Mission E werden wir dann ein Gesamtpaket schnüren, zu dem der Vorstand nicht Nein sagen kann. Die Gespräche laufen bereits. Und glauben Sie mir, ich habe schlagkräftige Argumente.“

Und dann gibt es den Abgasskandal

Gleichzeitig müssen die Hersteller den Abgasskandal überwinden. Auch gegen Porsche ermittelt die Stuttgarter Staatsanwaltschaft. „Bei Porsche spielt der Diesel traditionell keine so große Rolle. Wir haben keine eigene Dieselentwicklung und wir bauen auch keine Dieselmotoren. Wir bedienen uns an der Stelle aus dem Baukasten des Konzerns. Die Motoren sind für unser Portfolio aber eine sehr gute Ergänzung“, sagt Hück.

Daimler und Audi sind jüngst in die Schlagzeilen geraten, weil die Staatsanwaltschaft Durchsuchungen bei den Herstellern durchgeführt hat. „Porsche nimmt die Prüfungen der Staatsanwaltschaft ernst und wird alles dafür tun, um die Angelegenheit vollumfänglich und schnellstmöglich aufzuklären. Unabhängig von der jetzigen Entscheidung der Staatsanwaltschaft hat Porsche schon zuvor das Gespräch mit der Staatsanwaltschaft Stuttgart gesucht und gefunden, steht mit ihr im Austausch und unterstützt die Ermittlungen in jeder Hinsicht“, sagt Hück.

Der ZVW Morgen-Newsletter

Gut informiert in den Tag starten. Einfach kostenlos anmelden.

Heute in Ihrer Tageszeitung

Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!