Giftstoff-Grenzwerte überschritten Gesundheitsamt: Badeverbot im Plüderhäuser Badesee

Hinweisschild am Nichtschwimmerbereich, der besonders stark von den als Blaualgen bekannten Cyanobakterien betroffen ist. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Plüderhausen. Bisher war es nur ein Risikohinweis, jetzt hat das Gesundheitsamt ein tatsächliches Badeverbot für den Plüderhäuser Badesee ausgesprochen. Grund: Die an diesem Mittwoch im See genommenen Proben ergaben für den Nichtschwimmerbereich extrem erhöhte Werte für das potenziell gesundheitsschädliche Microcystin, ein Stoffwechselprodukt der Blaualgen.

Der Wert für die Microcystin-Belastung im Nichtschwimmerbereich des Badesees liegt laut am Mittwoch vom Gesundheitsamt entnommener Probe bei 171 Mikrogramm pro Liter. Das ist eine drastische Erhöhung zu den zuvor gemessenen 19 Mikrogramm pro Liter. Dieser Wert hatte zu der bereits seit vergangener Woche geltenden Empfehlung des Amts geführt, vor allem Kinder derzeit nicht ins Wasser zu lassen. Als Grenzwert für ein auszusprechendes Badeverbot gilt nach Empfehlung der Landesanstalt für Umwelt (LUBW) ein Wert von über 100 Mikrogramm pro Liter. Im Schwimmerbereich liegt die Toxin-Konzentration laut aktueller Probe bei 17,7 Mikrogramm pro Liter.

Viele gingen am Freitag trotzdem ins Wasser

Seit Freitag gilt nun das absolute Badeverbot für den ganzen See. Das Gesundheitsamt des Rems-Murr-Kreises und die Gemeinde Plüderhausen informierten darüber per Pressemitteilung und an den Einstiegsstellen mit entsprechenden Hinweisschildern. Das Amt schreibt: „Es wird dringend davon abgeraten, im See zu baden und insbesondere Kinder oder Tiere in den Nichtschwimmerbereich zu lassen.“ Es handle sich um eine Maßnahme auf Grundlage von rechtlichen und fachlichen Vorgaben zum Schutz der Bevölkerung. Der Plüderhäuser Bauamtsleiter Ludwig Kern sagt: „Der Badesee ist ein Natursee, wir können den natürlich nicht einzäunen.“ Er setzt darauf, dass die Leute sich auch so an das Verbot halten: „Wir haben mündige Bürger und mündige Eltern.“

Tatsächlich sind am Freitag trotzdem sehr viele Menschen im See baden gegangen. Martin Dannenhauer, der als Badeaufsicht vor Ort war, berichtete unserer Zeitung am Nachmittag: „Da sind heute schon bestimmt 150 Leute drin gewesen.“ Die würden alle sagen: „Einwandfreies Wasser.“ Die Warnschilder seien für alle sichtbar, aber er halte niemanden vom Baden ab: „Wenn einer Durchfall bekommt, ist das sein Problem. Das muss jeder selber entscheiden.“ Das gelte aber nicht für den Nichtschwimmerbereich: „Ins Kinderbecken kommt keiner. Da passe ich auf.“ Dort stehe eine „grüne Pampe“.

Bindehautentzündung oder Durchfall sind mögliche Symptome

Bisher sind keine Fälle von gesundheitlichen Problemen nach einem Bad im See bekannt. Der Kontakt mit oder das Verschlucken von Wasser mit einer hohen Konzentration des Stoffwechselprodukts der sogenannten Blaualgen kann zu Symptomen wie Bindehautentzündung, Übelkeit, Durchfall oder Erbrechen führen (siehe „Wie kann man sich schützen?“).

Dass man nicht ins Wasser kann, heißt für den Plüderhäuser Bauamtsleiter Ludwig Kern allerdings nicht, dass ein Besuch am See sich gar nicht lohnt „Man kann auch so seine Freizeit dort verbringen. Es ist ein schönes Fleckchen Erde.“ Es gebe ja eine schöne Liegewiese und für Kinder Spielgelegenheiten an Land, außerdem habe der Kiosk unabhängig vom Badeverbot geöffnet. Auch sonst, sagt Ludwig Kern, gingen manche Leute dorthin, um in der Natur mit Blick auf den See ein Buch zu lesen oder sich zu sonnen. Auch Badeaufseher Martin Dannenhauer berichtete am Freitag: „Der Kioskbereich ist heute voll. Die Leute, die nicht baden, gehen dort was essen.“

Generell attestiert das Gesundheitsamt dem Plüderhäuser Badesee eine sehr gute Wasserqualität. Woher das starke Wachstum der als Blaualgen bekannten Cyanobakterien nun kommt, ist unklar. „Das ist derzeit alles Stochern im Nebel“, sagt Ludwig Kern zu verschiedenen Theorien, die dazu kursieren. Die Algenblüte könne bei den entsprechenden Bedingungen in fast jedem Gewässer vorkommen. Ob nun in den See gespültes Düngemittel oder ein anderer Katalysator verantwortlich seien, könne man derzeit nicht belegen. „Natürlich machen wir uns Gedanken“, so der Plüderhäuser Bauamtsleiter. Ob man je etwas herausfinde, sei ungewiss, es könne sein, das bleibe „ein Geheimnis der Natur“. Dass die Algenblüte sich besonders auf den Nichtschwimmerbereich konzentriert, liegt wohl am derzeitigen Ostwind. „Der bläst die Schwebstoffe dorthin“, sagt Ludwig Kern.

Völlig unklar ist, wie lange das Badeverbot aufrechterhalten werden muss. Sobald die derzeitige Trübung des Wassers durch die Algenschlieren nachlasse, sagt Walter Kern, werde man wieder eine Probenentnahme veranlassen, „um baldmöglichst wieder den Badespaß im Natursee zu ermöglichen“.

Wie kann man sich schützen? 

Die Landesanstalt für Umwelt (LUBW) gibt auf ihrer Internetseite folgende Ratschläge im Zusammenhang mit Algen- beziehungsweise Cyanobakterien-Belastung von Badegewässern:

  • Bei verringerter Sichttiefe auf Algenmassenwachstum achten.
  • Badestellen mit auftreibenden Algen, blaugrünen Schlieren etc. meiden.
  • Kinder und Tiere in belasteten Wässern nicht baden lassen.
  • Schleimhautkontakt und Verschlucken von belastetem Wasser unbedingt vermeiden, wiederholter Kontakt mit Algentoxinen kann zu einer Ausprägung von Symptomen führen.
  • Treten nach Kontakt mit cyanobakterienhaltigem Wasser (Anm. d. Red: Cyanobakterien ist die korrekte Bezeichnung für Blaualgen) Haut- und Schleimhautreizungen, Bindehautentzündungen, Ohrenschmerzen, Durchfall, Fieber, Atemwegserkrankungen oder allergische Reaktionen auf, sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden.
  • Bestehende Warnhinweise beachten.

Grenzwerte

Der Grenzwert für das Gesundheitsamt für eine Risikowarnung sind zehn Mikrogramm. Gesperrt wird ein Gewässer für das Baden allerdings erst ab einer Belastung von 100 Mikrogramm pro Liter.

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