Gnädig verlässt Soko „Ich glaube, dass man für Mut belohnt wird“

Sie verlassen den sicheren Platz in einer Serie. Ein Wagnis für eine Schauspielerin?
Natürlich. Jeder Wandel ist ein Wagnis. Das ist das Schwierige daran. Und das Schöne. Dafür liebe ich ja den Beruf des Schauspielers, dass man sich bestenfalls in ungezählt vielen verschiedenen Leben ausprobieren kann, um dann umso bewusster ins eigene zurückzukehren. Diese Demut und diese Dankbarkeit der Aufgabe unseres Spiels gegenüber waren es, die mich zu der Entscheidung bewogen haben, nach kostbaren „Soko“-Jahren aufs Neue aufzubrechen.

Wie geht es bei Ihnen weiter?
Ich glaube, dass man für Mut belohnt wird. Wenn man mit den Konsequenzen leben kann. Dadurch kann sich das Leben in aller Fülle entfalten. Seit dem Ausstieg im März folgten Anschlussprojekte für ARD, RTL und ZDF, die mich jeweils für einen Monat nach Mallorca und nach England führten, nach Leipzig und nach Hamburg. Nun arbeite ich gerade das erste Mal seit längerem wieder in Berlin für einen Krimi, parallel bereiten wir den Trailer für einen Kinofilm vor und haben dafür am Wochenende ebenfalls dort gedreht. Wenn ich mir mein Leben wünschen könnte – dann so!

Sie spielen also auch künftig in Krimis mit. Ist bei allem Erfolg dieses Genres im Fernsehen nicht mal eine Sättigungsgrenze erreicht?
Vermutlich lösen die Krimis in ihrem Kampf des Guten gegen das Böse genau das gleiche Bedürfnis nach Läuterung und Hoffnung aus, von dem schon das antike Theater erzählt hat. Warum das aber gerade in Deutschland derart populär zu sein scheint, vermag ich nicht zu beantworten. In jedem Fall aber gilt: Solange das Publikum offensichtlich einen Bedarf danach verspürt, scheint eine Sättigungsgrenze bisher noch nicht erreicht – oder anderes noch nicht ­gewagt – worden zu sein.

Was vermissen Sie nach dem Ausstieg aus der „Soko“ am meisten?
Die Menschen! Den Blick vom Fenster des Römerkastells aus über die Weinberge und Bad Cannstatt bis zum Horizont.

Hat Stuttgart Ihren Horizont erweitert?
Es hat mir gut gefallen, die Stadt und ihre Menschen just während der Zeit von Stuttgart 21 zu erleben! Die republikweit bekannte Metropole der Maultaschen, Kehrwoche und Kässpätzle und damit der Inbegriff von gemütlichem Bürgertum zeigte ein ganz anderes Gesicht, bot seinem Ruf die Stirn und setzte ein neues Zeichen von Mut, von Solidarität und eigenständiger Meinung. Es war interessant zu beobachten, wie gespannt und respektvoll die schwäbischen Ereignisse von der restlichen Bevölkerung beobachtet wurden. Und beglückend zu sehen, wie stolz und stark die Stuttgarter ­dadurch wurden.

Die vierte Staffel der „Soko Stuttgart“ startet an diesem Donnerstag, 18.05 Uhr, im ZDF mit der Folge „Blutige Diamanten“, in der sich Nina Gnädig verabschiedet. Nachfolgerin wird Sylta ­Wegmann.

 

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