Goldboden Alles zum Thema Windkraft am Goldboden

Winterbach. Die EnBW ist mitten im Bau, schon im Oktober sollen am Goldboden drei Windräder in Betrieb gehen. Wir beantworten hier die wichtigsten Fragen zum Thema. 

 


Inhaltsverzeichnis

1.) Warum der Goldboden?

Exkurs: Wie die Gegner der Windkraft im Schurwald den Regionalplan und seine Auswirkungen auf den Goldboden sehen

2.) Was baut die EnBW am Goldboden?

3.) Wie Wind zu Strom und Strom zu Geld wird

     3.1) Woher weiß die EnBW, wie der Wind am Goldboden weht?

     3.2) Von welchem Stromertrag geht die EnBW aus?

     3.3) Was verdient die EnBW am Windpark und können sich die Bürger beteiligen?

     3.4) Welche Zweifel und Kritik gibt es an Messung und Rechnung der EnBW?

     3.5) Warum war die Wirtschaftlichkeit für die Genehmigung unerheblich?

Exkurs: Wie die Gemeinde Winterbach und der Feewi einen Windpark bauen wollten, aber nicht zum Zug kamen

4.) Wohin fällt der Windradschatten?

     4.1) Blinken die Windräder bei Nacht?

     4.2) Was ist mit dem Landschaftsbild?

Exkurs: So wurde der Windpark genehmigt

5.) Wie laut sind die Windräder laut Gutachten und Prognose?

     5.1) Warum gibt es Zweifel an den Ergebnissen der Prognose?

     5.2) Was ist mit Infraschall und Körperschall?

Exkurs: Scharfe Kritik an Prüfung des Artenschutzes

6.) Was ist, wenn ein Windrad brennt?

     6.1) Stehen die Windräder fest und sicher?

     6.2) Können im Winter Eisbrocken durch die Gegend geschleudert werden?

Exkurs: Das passiert aktuell (Stand 22.09.2017) am Goldboden: Ein Drohnenflug


1.) Warum der Goldboden?

Im gesellschaftlichen Kurzzeitgedächtnis beginnen die Energiewende und der politisch geförderte Ausbau der Windkraft im März 2011 mit der Katastrophe im Kernkraftwerk von Fukushima. Doch eigentlich reicht das Thema viel weiter zurück in die neunziger Jahre, in die Zeit der Bundesregierung von Helmut Kohl. „Schon damals hat man gesagt: Wir wollen Anlagen als privilegierte Vorhaben im Außenbereich zulassen“, sagt Thomas Kiwitt, Technischer Direktor beim Verband Region Stuttgart. Windräder seien gleichgestellt worden mit landwirtschaftlichen Bauvorhaben, die außerhalb von Siedlungsflächen ebenfalls einfacher zugelassen werden können.

Damit aber dadurch kein Wildwuchs von Windkraftanlagen einsetzt, war ein Steuerungselement nötig. In Baden-Württemberg wurde diese Steuerung durch die Regionalpläne vorgeben. Im Verband Region Stuttgart, zu dem der Rems-Murr-Kreis gehört, wurde ein rundes Dutzend Standorte ausgewiesen. Sie lagen alle auf der Schwäbischen Alb. Außerhalb dieser Gebiete war der Bau von Windkraftanlagen nicht erlaubt. Das war der Stand bis Fukushima.

Nach Fukushima: Raum für die Windkraft als Verpflichtung

Nach den Beschlüssen zum Atomausstieg hob das Land Baden-Württemberg die alte Regelung auf. Das bedeutete: Die bisherigen Vorranggebiete waren außer Kraft. Damit gab es in der Region Stuttgart auf einen Schlag keinen einzigen Standort mehr, an dem man ein Windrad hätte bauen können. Warum? Wegen den Regionalen Grünzügen, erklärt Thomas Kiwitt. Auf diese Schutzzonen für Räume zwischen den Siedlungen lege man im Ballungsgebiet sehr viel Wert. In ihnen ist selbst der Bau von privilegierten Vorhaben wie von Windrädern grundsätzlich verboten. „Deshalb mussten wir wieder einsteigen in die Ausweisung von Vorranggebieten“, sagt der Regionalplaner.

Die Vorgabe war: Es muss „substanziell“ Raum geschaffen werden für die Windkraft – eine Formulierung mit Auslegungsspielraum. „Uns hat niemand gesagt, was notwendig ist, es gab keinen Masterplan mit Zahlen für jede Region“, so Thomas Kiwitt. Klar sei jedoch gewesen: „Eine Null-Lösung geht nicht.“ Ein Regionalplan mit Vorranggebieten sei nur rechtmäßig, wenn man eine gewisse Zahl an potenziellen Standorten zur Verfügung stelle. Das könne gerichtlich überprüft werden.

Grundlage: Daten aus dem Windatlas

2013 begann in der Region das Verfahren für die neuen Zonen, in denen Windräder möglich sein sollten. Auf Grundlage von Daten aus dem Windatlas, in dem Berechnungen gesammelt sind, wo auf 100 Metern Höhe über dem Boden welche Windgeschwindigkeiten herrschen, stellte der Regionalverband einen Entwurf auf. Ausschlusskriterien für Standorte waren zum Beispiel Naturschutzgebiete oder zu geringer Abstand zu Siedlungen. Nach mehreren Beteiligungsrunden, in denen Kommunen, Bürger, Verbände und Institutionen ihre Einwände und Stellungnahmen abgeben konnten, stand ein neuer Regionalplan mit 41 Vorranggebieten. Dadurch ist festgelegt: Dort, aber nur dort, können potenziell Windkraftanlagen gebaut werden.

Wichtig sei dem Verband die Information der Bevölkerung gewesen, so Thomas Kiwitt. Es gab Infoveranstaltungen und Termine in Gemeinderatssitzungen. Am Ende beschäftigte sich der Verband Region Stuttgart mit mehreren Tausend Einwänden gegen den Planentwurf. Der aufwendige Abwägungs- und Anhörungsprozess dauerte bis Ende 2015. Dann hatte die direkt gewählte Regionalversammlung das letzte Wort und verabschiedete den Regionalplan. „Es wurde jeder Standort intensiv diskutiert“, sagt Thomas Kiwitt über die entscheidende Sitzung der Versammlung. „Aber am Ende gab es für den Gesamtentwurf eine breite Mehrheit.“

Die Ausweisung der Vorranggebiete sei letztendlich eine politische Entscheidung, fasst Kiwitt zusammen, „in einem Verfahren, in dem ein Gremium, das demokratisch legitimiert ist, die Entscheidung trifft. Nach fachlicher Prüfung und der Konsultation der Gemeinden und der Bevölkerung.“

WN-34: Wie der Goldboden zum Vorranggebiet wurde

Der Standort WN-34 am Goldboden kam in den Regionalplan aufgrund der Datenbasis aus dem Windatlas. „Das ist eine Simulation, in der man verschiedene Messpunkte hat und ein Höhenmodell heranzieht, um auszurechnen: Wie weht der Wind übers Land?“, erklärt Thomas Kiwitt. Für den Standort Goldboden stehen auf dem Papier, je nach genauer Lage, durchschnittliche Windgeschwindigkeiten zwischen 5,25 und 5,75 Metern pro Sekunde in einer Höhe von 100 Metern über Grund. 5,3 Meter pro Sekunde seien als Untergrenze die Vorgabe des Landes gewesen, ab der man über eine Windkraftnutzung nachdenken könne. Damit sei noch nichts über die Investorenentscheidung gesagt, ob das tatsächlich genügend Wind sei, betont Thomas Kiwitt. Hier sei es nur um eine Größe als Grundlage für eine Planungshilfe gegangen.

Bevor Windräder am Goldboden Realität wurden, stand auch noch ein aufwendiges Genehmigungsverfahren an, in dem, konkret auf das Projekt der EnBW bezogen, zum Beispiel geprüft wurde: Halten die Anlagen Schall-Grenzwerte ein, sind Belange des Naturschutzes berührt?

Eine wichtige Voraussetzung für die Windkraftnutzung war am Goldboden erfüllt: Es gab einen Grundstücksbesitzer, der mitspielt. Die Fläche liegt im Staatswald und da die Landesregierung den Willen hat, die Windkraft voranzubringen, war die Sache klar. Im Bieterverfahren um die Verpachtung der Flächen beteiligte sich auch die Gemeinde Winterbach mit dem Förderverein für erneuerbare Energien (Feewi).

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Exkurs: Wie die Gegner der Windkraft im Schurwald den Regionalplan und seine Auswirkungen auf den Goldboden sehen

Mehrere Tausend Einwände gingen beim Verband Region Stuttgart im Verlauf der Ausweisung der Windkraftvorranggebiete in der Region ein. In Sachen Goldboden war bereits früh die Bürgerinitiative „Pro Schurwald“ aktiv, in der sich die Gegner der Windkraftpläne für ihr Lebensumfeld sammelten und organisierten. Michael Haueis, Sprecher von „Pro Schurwald“ schreibt der Aktivität der Initiative zu, für eine deutliche Verkleinerung des Vorranggebiets dort gesorgt zu haben. Zwar sei man für eine komplette Streichung des Standorts gewesen, aber die Verkleinerung um zwei Drittel der Fläche wertet er als Erfolg.

„Pro Schurwald“ sammelte Unterschriften in den betroffenen Anliegergemeinden. In Manolzweiler hätten sich drei Viertel der Bürger gegen die Standorte Goldboden und Nonnenberg ausgesprochen, sagt Michael Haueis. „Denn die sind genau dazwischen eingeklemmt.“ Der Bürgerinitiative ist jedoch die Gesamtschau wichtig: Obwohl Standorte verkleinert und andere aus dem Regionalplan gestrichen wurden, blieben im Schurwald sieben übrig. „Wir befürchten, dass es eine totale Überlastung gibt, wenn alle bebaut werden“, sagt Michael Haueis. „Wir befürchten, dass aus dem Natur- und Erholungsraum Schurwald eine Windkraft-Industriezone wird.“

„Pro Schurwald“ hätte sich gewünscht, dass bei der Ausweisung der Vorranggebiete die untere Grenze der Windhöffigkeit etwas höher gesetzt worden wäre als die 5,3 Meter pro Sekunde in 100 Metern Höhe, die die Landesregierung vorgab. Mit solchen grenzwertigen Voraussetzungen seien die Beeinträchtigungen von Natur, Mensch und Landschaft durch die Windkraftanlagen nicht zu rechtfertigen, sagt Michael Haueis.

Hier liegen die Windkraftgegner nun mit der EnBW fundamental überkreuz. Diese geht aufrund ihrer Messungen und Gutachten auf 164 Meter Nabenhöhe der geplanten Windräder von durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten von sechs Metern pro Sekunde aus. Und sagt: Das Projekt ist für uns wirtschaftlich. (Tiefer in das Thema Windmessung steigen wir in einem der folgenden Teile in dieser Serie ein.)

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2.) Was baut die EnBW am Goldboden?

Die EnBW ist am Goldboden oberhalb von Winterbach mitten im Bau von drei Windkraftanlagen mit einer Gesamthöhe von mehr als 230 Metern vom Boden bis zur Rotorspitze.

Begonnen hat die EnBW im Dezember 2016 mit der Rodung von 2,9 Hektar Wald, von denen 1,8 Hektar dauerhaft durch die Windräder und ihre Fundamente versiegelt bleiben. 0,6 Hektar bleiben für Wege oder Böschungen frei. Der Rest wird direkt nach dem Bau wieder aufgeforstet.

Mittlerweile hat die EnBW die Fundamente fertiggestellt. Für zwei Windräder mussten insgesamt 54 Betonpfähle in den Boden gerammt werden, die sie fest verankern und die Statik sichern sollen.

Wer derzeit von der richtigen Stelle, zum Beispiel von der anderen Seite des Remstals aus, zum Goldboden blickt, kann außerdem bereits den Arm des Krans sehen, mit dem die Turmteile der Windräder montiert werden sollen. Er ragt mit einer Höhe von rund 100 Metern über die Wipfel der Bäume hinaus.

Die Beton-Turmteile selbst sind noch nicht angeliefert worden. Die ersten Schwertransporte sollten laut Ankündigung der EnBW eigentlich diese Woche von der B 29 aus über Schorndorf und Schlichten zum Goldboden rollen. Wegen Verzögerungen bei der Genehmigung der Transporte, hat das nun noch nicht geklappt, wie die EnBW mitteilt.

Die wirkliche Herausforderung kommt aber erst: Im September sollen die Rotorblätter und das rund 60 Tonnen schwere Maschinenhaus angeliefert werden. Für die Rotoren ist jeweils ein Sattelzug mit einer Länge von 75 Metern nötig. Der Kran, der diese Teile zur Montage in die Höhe hievt, ist dann 180 Meter hoch.

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3.) Wie Wind zu Strom und Strom zu Geld wird

Es war vor zwei Jahren im Juli, als das Thema Windkraft am Goldboden eigentlich erledigt schien. Zumindest für Michael Haueis und seine Mitstreiter der Bürgerinitiative „Pro Schurwald“ war die Sache klar: Am Goldboden wird es kein Windrad geben. Bei den Gegnern der Windkraft im Schurwald machte sich Erleichterung breit. Was war passiert? Der Projektentwickler Juwi und seine Kommunalwind GmbH hatten die Segel gestrichen und mitgeteilt: Wir wollen keine Windräder am Goldboden bauen, weil wir nicht glauben, dass sich das für uns rechnet. „Da waren wir sehr beruhigt“, sagt der Lichtenwalder Michael Haueis. Juwi sei ja nicht irgendwer in der Windkraftszene. „Wenn Juwi das sagt, dann ist das, wie wenn der Papst ein Edikt rausgibt.“

Doch die Freude war verfrüht. Denn die EnBW, die im Bieterverfahren um die Verpachtung des Standorts durch den Landesbetrieb ForstBW den Zuschlag verpasst hatte, war plötzlich wieder da und sagte: Wir machen das! Der Energiekonzern kaufte Juwi die Nutzungsrechte ab. „Wir halten für uns nach der ersten Prüfung den Windkraftstandort für wirtschaftlich zu betreiben“, hieß es in der ersten Verlautbarung noch vorsichtig, aber deutlich zuversichtlich. Schon wenig später war sich die EnBW sicher und reichte einen Genehmigungsantrag für drei Windräder ein.

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3.1) Woher weiß die EnBW, wie der Wind am Goldboden weht?

Ein Jahr lang, von März 2016 bis März 2017 stand unweit der Goldboden-Kreuzung ein unscheinbarer, kastenförmiger Anhänger. Der Kasten enthielt die Technik für das sogenannte Lidar-Messverfahren. Dieses funktioniert ähnlich wie Radar, nur dass statt Radiowellen Laserstrahlen verwendet werden. Für die Windmessung werden Lichtimpulse in die Luft geschossen und von winzigen Partikeln zurückgeworfen. Daraus lassen sich Windgeschwindigkeit und Windrichtung errechnen. Gegenüber anderen Verfahren wie der Aufstellung eines Messmastes ist das ohne viel Aufwand durchzuführen.

Zwei „unabhängige und akkreditierte Fachgutachter“, sagt Dagmar Jordan, Pressesprecherin der EnBW, hätten die Ergebnisse der Messungen bestätigt: eine durchschnittliche Windgeschwindigkeit von sechs Meter pro Sekunde mit der Hauptwindrichtung Westsüdwest und „einer starken Nebenwindrichtung aus östlicher Richtung“. Gerade die östlichen Winde sind für das Projekt wichtig, da sie, so die Erklärung der EnBW, stärker und somit für die Nutzung durch Windräder energiereicher seien. Damit, so betont die EnBW, habe der Standort Goldboden ein anderes Profil als zum Beispiel der am Weißen Stein bei Esslingen. Dort hatte der Energieversorger mit einem Mast den Wind gemessen, das Projekt aber mangels Windhöffigkeit aufgegeben.

Einblick in die Windgutachten will die EnBW der Öffentlichkeit nicht geben. „Diese Daten sind nicht nur für uns sehr wertvoll, sondern auch für unsere Wettbewerber“, sagt Sprecher Hans-Jörg Groscurth.

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3.2) Von welchem Stromertrag geht die EnBW aus?

Was bedeutet jetzt die Erkenntnis, wie viel Wind sich am Goldboden ernten lässt, für den Energieertrag der drei Windräder am Goldboden? Die Gutachter geben den Ertrag laut EnBW mit 26 400 Megawattstunden an, die durchschnittlich im Jahr an Strom produziert werden sollen. Darin ist schon eingerechnet, dass die Windräder nicht jeden Tag 24 Stunden am Tag laufen können. Zum Beispiel müssen die Anlagen zum Schutz von Fledermäusen in der Zeit von April bis Oktober zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens stillstehen.

Den durchschnittlichen Ertrag rechnet die EnBW dann weiter um und sagt: Mit den 26 400 Megawattstunden könnten 8000 Haushalte versorgt werden (bei einem Jahresstromverbrauch eines Haushalts im Jahr von 3300 Kilowattstunden).

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3.3) Was verdient die EnBW am Windpark und können sich Bürger beteiligen?

Über wirtschaftliche Einzelheiten spricht die EnBW nicht öffentlich. Was der Konzern genannt hat, sind die Investitionskosten für den Windpark am Goldboden: 18,4 Millionen Euro. Außerdem öffentlich ist die Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Auf eine Laufzeit von 20 Jahren bekommt die EnBW für den Windradstrom 7,68 Cent pro Kilowattstunde. Das führt bei 26 500 Megawattstunden Ertrag zu einem jährlichen Umsatz von rund zwei Millionen Euro. Wohlgemerkt ist das der Umsatz, nicht der Gewinn, der nach Abzug von Steuern, Abschreibungen, Betriebskosten und anderen Aufwendungen übrig bleibt.

Die EnBW will auch eine Beteiligung von privaten Kleininvestoren und der Gemeinde ermöglichen. Sobald die Windräder in Betrieb sind, will der Konzern dafür ein Angebot unterbreiten.

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3.4) Welche Zweifel und Kritik gibt es an Messung und Rechnung der EnBW?

Ertrag: Michael Haueis, Sprecher der Bürgerinitiative „Pro Schurwald“, sagt zu den von der EnBW erwarteten und von zwei Gutachtern bestätigten 26 400 Megawattstunden Ertrag: „Das halte ich für unrealistisch hoch. Noch keine Windkraftanlage in Baden-Württemberg konnte bisher so eine Strommenge ins Netz einspeisen.“ Die EnBW hält dem entgegen: Mit heutigen, modernen Windkraftanlagen sei eine hohe Auslastung und damit hoher Ertrag möglich. Der Vergleich mit älteren Anlagen sei nicht legitim, meint Pressesprecher Hans-Jörg Groscurth, weil diese eine geringere Höhe und kleinere Rotoren hätten.

Versorgung von 8000 Haushalten: Als „reines Marketinginstrument“ bezeichnet Michael Haueis von „Pro Schurwald“ die Rechnung der EnBW, es könnten 8000 Haushalte mit den drei Windrädern versorgt werden. Diese Angabe sei irrelevant, sagt Haueis. Denn: „Bei Windstille können null Haushalte versorgt werden.“ Sprich: An einem Tag ohne Wind müsste der Strom für diese 8000 Haushalte aus anderen Quellen kommen. Deswegen, so das Urteil der Windkraftgegner, bringen Windräder nichts für die Energiewende, weil trotzdem herkömmliche Kraftwerke als Back-up betrieben werden müssen. Nach Information der EnBW drehen sich die Rotoren am Goldboden erst ab Windgeschwindigkeiten von drei Metern pro Sekunde.

Öffentlich geförderte Wirtschaftlichkeit: Die Bürgerinitiative „Pro Schurwald“ kritisiert: Wenn der erwartete Energieertrag wirklich eintrete, subventioniere der Bürger über die EEG-Umlage den Windpark mit rund 20 Millionen Euro innerhalb einer Laufzeit von 20 Jahren. Michael Haueis rechnet dafür die vier Cent, die eine Kilowattstunde Strom an der Strombörse koste, gegen die 7,68 Cent auf, die die EnBW an EEG-Förderung bekommt. Spätestens hier gelangt jedoch die Diskussion auf die politische Ebene. Kann man einen Windpark auf seine finanziellen Aspekte reduzieren? Was ist es der Gesellschaft wert, „sauberen“ Windstrom ins Netz zu bringen? Das sind Abwägungsfragen, die immer wieder neu politisch verhandelt werden, wie die letzten Änderungen am Erneuerbare-Energien-Gesetz zeigen (siehe folgender Punkt „Eilige Genehmigung“).

Eilige Genehmigung: „Pro Schurwald“ behauptet, das Genehmigungsverfahren für den Windpark Goldboden sei im Eilverfahren „durchgepeitscht“ worden, damit die EnBW noch die alten Förderbedingungen nach EEG hat. Tatsächlich wurde der Windpark in dieser Hinsicht auf den letzten Drücker genehmigt. Nur durch die Genehmigung im Dezember 2016 und die angepeilte Inbetriebnahme im Jahr 2017 kann die EnBW sicher sein, 7,68 Cent pro Kilowattstunde Einspeisvergütung zu bekommen. Seit 1. Januar 2017 müssen alle neuen Windkraftprojekte ein Ausschreibungsverfahren bei der Bundesnetzagentur durchlaufen. Seitdem, so betonen die Windkraftgegner, sei kein einziger Windpark im „windschwachen“ Baden-Württemberg mehr für eine Förderung zugelassen worden. Die EnBW gibt zu: Der Zuschlag für den Windpark Goldboden wäre nach dem neuen Ausschreibungsverfahren nicht sicher. „Die Genehmigung nach dem alten System gibt uns Planungssicherheit“, sagt Sprecher Hans-Jörg Groscurth, betont aber: „Das Projekt wäre auch im neuen System wirtschaftlich.“

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3.5) Warum war die Wirtschaftlichkeit für die Genehmigung unerheblich?

Die Fachbehörden im Landratsamt, die die immissionsschutzrechtliche Genehmigung für den Windpark der EnBW erteilt haben, sagten von Anfang an klar: Windmessung und Wirtschaftlichkeitsberechnung können für uns kein Thema sein. Dies zähle in den Bereich des unternehmerischen Risikos der EnBW.

Michael Haueis, von „Pro Schurwald“, sagt dazu: Wie viel Geld die EnBW verdiene, sei ihm „relativ egal“. Egal könne das Windaufkommen aber dennoch nicht sein: Wir sagen: „Der Stromertrag, der aus dem bisschen Wind kommt, steht in keinem Verhältnis zu den Beeinträchtigungen von Landschaft, Natur und Mensch.“ All diese Beeinträchtigungen, die sogenannten öffentlichen Belange würden ausführlich abgewogen. „Dass ausgerechnet die Windhöffigkeit kein Kriterium ist, das ist paradox.“

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Exkurs: Wie die Gemeinde Winterbach und der Feewi einen Windpark bauen wollten, aber nicht zum Zug kamen

Es war im März 2015, als die Windkraft-Euphorie in Winterbach einen deutlichen Dämpfer bekam. Der rührige Förderverein für erneuerbare Energien, kurz Feewi, hatte seit Jahren ein Auge auf den Goldboden geworfen und dabei auch die Gemeinde mit im Boot. Dort oben über Winterbach sollte ein weiteres Kapitel der Geschichte des Orts als Vorreiter beim Thema erneuerbare Energien geschrieben werden.

Als dann der Landesbetrieb ForstBW den Staatswald im Windkraftvorrangebiet am Goldboden zur Nutzung ausschrieb, waren Feewi und die Gemeinde dabei. Ein Projekt von Bürgern für Bürger, so wurde es mit viel Enthusiasmus vorgestellt.

Doch daraus wurde bekanntlich nichts. Denn wie sich zeigte, hatten Feewi und Gemeinde mit ihrer Bewerbung für die Nutzung des Windkraftstandorts keine Chance. Den Zuschlag bekam ein bekannter Name aus der Branche: die Firma Juwi mit der Kommunalwind GmbH, in der auch einige Stadtwerke Gesellschafter sind.

Die Enttäuschung in Winterbach nährte sich vor allem daraus, wie diese Entscheidung wohl zusammengekommen ist. Karl Bosch vom Feewi kritisierte damals im Gemeinderat: Der Zuschlag für Juwi sei vor allem „auf Basis des höchsten Gebots für die Pacht und der höchsten Zahl der Anlagen erfolgt“. 70 Prozent der Gewichtung im Verfahren habe auf der angebotenen Umsatzbeteiligung für Forst BW gelegen. Sprich: Wer das meiste Geld bot, hatte die besten Karten. Bürgermeister Albrecht Ulrich kritisierte in einem Brief an Forst BW und das Regierungspräsidium das „völlig intransparente und nicht hinnehmbare Verfahren“. Kritik gab es auch daran, dass Juwi mit fünf möglichen Windrädern ins Rennen ging, der Feewi realistischer schon damals von drei ausging, die maximal für den Goldboden verträglich sind.

Dann, nur wenige Wochen später, ließ Juwi beziehungsweise die Kommunalwind GmbH jedoch einen Paukenschlag folgen. Die Investoren machten einen Rückzieher. Begründung: Man sei zu dem Schluss gekommen, dass sich der Standort nicht wirtschaftlich betreiben lasse. Gleichzeitig versuchte Kommunalwind den Vertrag mit ForstBW weiterzuverscherbeln. Auch an die Gemeinde Winterbach, zum Preis von 100 000 Euro. Doch Bürgermeister Albrecht Ulrich lehnte das Angebot ab.

Nicht so die EnBW. Sie kaufte die Rechte und gab im Januar 2016 bekannt: Wir wollen drei Windräder bauen.

Der Kran steht am Goldboden bereit, um die Turmteile der Windräder aufeinanderzustapeln. Ausgefahren ist er bis zu 100 Meter hoch.

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4.) Wohin fällt der Windradschatten?

Ein großes Bauwerk, das seinen Schatten in seine Umgebung wirft, ist das eine. Wenn sich dieses Bauwerk aber auch noch bewegt, dann kann der Schatten plötzlich ein ganz anderer Störfaktor werden. Deswegen spielt das Thema im Genehmigungsverfahren für die Windkraftanlagen eine Rolle.

Der sich bewegende Schattenwurf, der von den Rotoren ausgeht, tritt nur dann auf, wenn der Himmel klar ist, das heißt, die Sonne direkt auf die Windräder trifft und gleichzeitig der Wind stark genug weht, damit die Roteren sich auch drehen.

Gesetzlich klar geregelt

Es ist gesetzlich klar geregelt, wie lange ein zu Wohnzwecken genutztes Haus maximal von einem solchen sich bewegenden Schattenwurf betroffen sein darf: 30 Minuten am Tag, aber höchstens 30 Stunden aufs Jahr gesehen.

Der Ortstrand von Engelberg ist etwa 1000 Meter, der von Manolzweiler rund 1300 Meter vom Windpark entfernt. „Eine Schattenwurfproblematik könnte im konkreten Fall allein beim Forsthaus Manolzweiler auftreten“, sagt Peter Zaar, der zuständige Dezernatsleiter im Landratsamt des Rems-Murr-Kreises. Das heißt: Das Forsthaus ist das einzige Gebäude rund um den Windpark, das innerhalb der gedachten Linie für die erlaubte Maximalbelastung von 30 Stunden Schattenwurf im Jahr liegt.

Die Windräder werden bestimmte Stillstandszeiten haben

Woher weiß man aber, wie der Schatten sich rund um die Windräder ausbreitet und wie häufig das der Fall ist? Ein Gutachter hat das für die EnBW errechnet. Die Werte für die angenommenen Stunden mit direkter Sonneneinstrahlung sind dabei theoretische Größen, man geht von den astronomisch maximal möglichen Bedingungen aus.

Das heißt: Es sind keine Wettereinflüsse wie Bewölkung mit einbezogen. Außerdem werden die Windräder bestimmte Stillstandszeiten haben, weil nicht immer genug Wind weht. Laut EnBW schalten sich die Anlagen erst bei einer Windgeschwindigkeit von rund drei Metern pro Sekunde auf Nabenhöhe ein.

Wann müssen das Windräder abgeschalten werden?

Das Landratsamt ist bei den Auflagen zur Genehmigung davon ausgegangen, dass die 30 Stunden theoretisch möglicher Schattenwurf, die in der Prognose das Forsthaus bei Manolzweiler betreffen, unter realen Bedingungen etwa acht Stunden im Jahr entsprechen.

Deswegen hat das Amt festgelegt: Die Windräder müssen abgeschaltet werden, sobald eine jährliche Beschattung von acht Stunden beziehungsweise 30 Minuten an einem einzelnen Tag erreicht ist. Der Schattenwurf wird von den Windrädern der EnBW erfasst und sie schalten sich bei Bedarf automatisch ab.

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4.1) Blinken die Windräder bei Nacht?

Beim Ortstermin mit den Landtagsabgeordneten des Petitionsausschusses im Oktober 2016 berichtete eine Anwohnerin aus Manolzweiler von ihren Befürchtungen in Bezug auf den Windpark. Sie sprach von einer „Lichtorgel“ und meinte damit die Lichter, die zur Flugsicherung auf den Anlagen angebracht werden müssen.

Weiße Blinklichter machen die Flugzeuge tagsüber auf die Anlagen am Goldboden aufmerksam. Nachts blinken rote Warnleuchten auf dem Maschinenhaus in einer festgelegten Lichtfolge: eine Sekunde an, 0,5 Sekunden aus, eine Sekunde an, 1,5 Sekunden aus. Alle Lichter sind synchron geschaltet.

Vergleiche mit „Lichtorgeln“, die in der Disco zum Takt der Musik blitzen und blinken, schießen also über die Realität hinaus. Klar ist jedoch: Wer nachts in Richtung Goldboden blickt, der wird dort in Zukunft keinen ungestörten Nacht- oder Sternenhimmel über dem Wald mehr sehen, sondern auch blinkende rote Lichter.

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4.2) Was ist mit dem Landschaftsbild?

Wie man die Auswirkung der drei Windräder auf das Landschaftsbild bewertet, hängt vom eigenen Blickwinkel ab. Während die Gegner der Windenergie im Schurwald die „Verschandelung“ oder sogar „Zerstörung“ der Landschaft beklagen, sehen es Befürworter der Windenergie genau andersherum: Sie denken beim Anblick der sich drehenden Räder mit einem guten Gefühl an den Strom, den sie produzieren. Fest steht: Das Windkraftvorranggebiet Goldboden ist kein Landschaftsschutzgebiet.

230 Meter hohen Anlagen

Ganz objektiv kann man aber mindestens sagen: Die vom Boden bis zur Rotorspitze rund 230 Meter hohen Anlagen werden die Landschaft verändern und das Bild des Schurwaldrandes, je nach Standpunkt des Betrachters, mehr oder weniger stark prägen.

Wer sich jetzt schon eine Vorstellung davon machen will, wie hoch die Windräder die Bäume überragen werden, der bekommt durch die Kräne, die zur Montage am Goldboden stehen, einen Eindruck. Der derzeitige Autokran ist 100 Meter hoch und auch vom Tal aus gut sichtbar, zum Beispiel aus Richtung Schorndorf. Der nächste Kran, der Maschinenhaus und Rotorblätter auf die Türme setzt, wird 180 Meter hoch sein.

"Das Landschaftsbild negativ beeinflussen"

Um den Eingriff durch den Windpark auszugleichen, muss die EnBW rund 144 000 Euro in die Stiftung Naturschutzfonds des Landes einzahlen. Die Bürgerinitiative „Pro Schurwald“ hat in einer Pressemitteilung im Dezember 2016 diesen Betrag umgerechnet: Bei einer Laufzeit von 20 Jahren zahlt die EnBW damit 7200 Euro pro Betriebsjahr. Das lässt „Pro Schurwald“ zu dem bitteren Schluss kommen: „So viel ist unsere Landschaft also wert.“

Ein Befürworter würde sagen: So viel Landschaft muss uns der Atomausstieg wert sein. Tatsächlich wiegt der Gesetz gewordene politische Wille zur Energiewende schwerer. „Dass Windkraftanlagen das Landschaftsbild negativ beeinflussen, ist nicht wegzudiskutieren“, sagt Peter Zaar, Dezernatsleiter im Landratsamt.

So hat es die Behörde auch in der Genehmigung für den Windpark festgestellt. Aber auch erklärt: Wir mussten abwägen zwischen dem Eingriff in Natur und Landschaft auf der einen und den Klimaschutzzielen, die in Baden-Württemberg gesetzlich festgeschrieben sind, auf der anderen Seite. 

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Exkurs: So wurde der Windpark genehmigt

Vom Antrag bis zur Genehmigung dauerte es beim Windpark Goldboden etwa neun Monate. Das klingt nach einer langen Zeit, ist aber relativ zügig, wenn man sieht, wie komplex das Verfahren ist.

Wie war Ablauf des Verfahrens?

Im April 2016 hat die EnBW den Antrag für den Bau eines Windparks beim Landratsamt eingereicht. Es startete dann das sogenannte immissionsschutzrechtliche Verfahren, in dem alle Auswirkungen des Bauvorhabens auf seine Umwelt und Umgebung geprüft, beurteilt und abgewogen werden.

Ein vereinfachtes Verfahren

Die EnBW hat sich für ein vereinfachtes Verfahren entschieden. Das bedeutet zum Beispiel: Im Gegensatz zum Verfahren für den bei Schorndorf-Unterberken geplanten Windpark gibt es keine ausführliche Anhörung der breiten Öffentlichkeit.

Das heißt aber nicht, dass die Öffentlichkeit gar nicht beteiligt war. Laut Landratsamt wurden 26 sogenannte Träger öffentlicher Belange angehört, das heißt, andere Behörden, Institutionen, aber auch Umweltverbände nahmen Einsicht in die Pläne und gaben Stellungnahmen ab.

Rückbauverpflichtung für den Windpark

Das Landratsamt betont: Man sei auch mit den Antragsgegnern in „stetigen Kontakt und regem Austausch“ gewesen. Die Stellungnahmen, auch die der betroffenen Bürger beziehungsweise der Bürgerinitiative „Pro Schurwald“ seien berücksichtigt worden. Winterbach war als Standortgemeinde gefragt. Der Gemeinderat hat mehrheitlich sein Einvernehmen erteilt.

Im Dezember 2016 erteilte das Landratsamt dann die Genehmigung. Für die komplette Baufreigabe musste der Energieversorger aber noch mehr erbringen. Zum Beispiel die Rückbauverpflichtung für den Windpark oder den Nachweis, dass die Windkraftanlagen standsicher sind, das heißt, dass die Statik stimmt (dieses Thema ist ausführlich Gegenstand eines weiteren Teils unserer Serie, der folgt).

Welche Kritik gibt es?

Die Kritik der Windpark-Gegner am Genehmigungsverfahren ist vielfältig. Sie kann an dieser Stelle nicht in aller Breite beleuchtet werden, ist aber immer wieder Teil der Artikel innerhalb dieser Serie. Hier zwei der Kritikpunkte.

Zum einen kritisieren die Gegner die Geschwindigkeit, mit der das Verfahren abgeschlossen wurde und dass die Genehmigung mit Sofortvollzug angeordnet wurde. Das heißt: Die EnBW konnte sofort darangehen, die nötigen Waldflächen für die Windräder zu roden, ohne abzuwarten, ob jemand Widerspruch gegen die Genehmigung einlegt.

Keine großen Knackpunkte

Hat das Landratsamt das Verfahren „durchgepeitscht“, damit EnBW noch 2016 die Genehmigung bekommt und bessere Förderbedingungen erhält? „Das haben wir ausdrücklich nicht gemacht“, sagt Peter Zaar, der zuständige Dezernatsleiter im Landratsamt.

Man habe sorgfältig geprüft. Es habe beim Goldboden keine großen Knackpunkte gegeben. Außerdem sei die EnBW sehr erfahren bei der Beantragung solcher Projekte, deswegen laufe vieles reibungsloser als anderswo.

Leistung eines Beitrags zum Klimaschutz

Und warum der Sofortvollzug? Dieser sei gesetzlich geboten gewesen, so Peter Zaar. Wenn der Bau eines Windparks warten müsse, bis mögliche Widerspruchs- und Klageverfahren abgeschlossen seien, dann könnten Jahre ins Land gehen.

Der Gesetzgeber habe aber vorgesehen, dass „bei bestimmten dringlichen Gründen“ nicht gewartet werden müsse. „In der Rechtsprechung ist anerkannt, dass zu diesen dringlichen Gründen auch die Errichtung von Windkraftanlagen zur Leistung eines Beitrags zum Klimaschutz zählt“, erklärt Zaar.

Das alles geschehe aber auf Risiko des Antragstellers, also der EnBW. Tatsächlich laufen ja trotzdem die Widersprüche und Klagen der Windparkgegner. Mittlerweile liegt der Fall beim Verwaltungsgerichtshof. Sollten die Gegner dort oder im weiteren Klageverfahren Recht bekommen und die EnBW hat ihre Windräder schon gebaut, hieße das im schlimmsten Fall, dass sie wieder abgebaut werden müssen.

Gekaufte Gefälligkeitsgutachten?

Ähnlich sieht Peter Zaar die Kritik der Windparkgegner an den von der EnBW eingereichten Gutachten. Diese seien gekaufte Gefälligkeitsgutachten, so der Vorwurf. Peter Zaar meint dazu: „Wenn ein Gutachten falsch ist, dann heißt das nicht, dass hinterher die Grenzwerte nicht gelten.“ Heißt: Jeder kann zum Beispiel beim Thema Schall nachmessen, ob alles stimmt, wenn die Windräder laufen.

Stelle sich dann heraus, dass Grenzwerte nicht eingehalten sind, dann müssten die Windräder abgeschaltet werden, sagt Zaar. Deswegen könne die EnBW gar kein Interesse daran haben, dass die Gutachter nicht korrekt arbeiten. Zudem gebe es im Landratsamt Fachleute, die die Arbeit der Gutachter genau prüfen. Der nächste Teil der Serie zum Goldboden beschäftigt sich ausführlich mit den Themen Schall und Artenschutz.

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5.) Wie laut sind die Windräder laut Gutachten und Prognose?

Klar ist: Anlagen mit einem Rotordurchmesser von 130 Metern bewegen ihre Flügel nicht lautlos durch die Luft. Fachleute gehen jedoch davon aus, dass dort, wo rund um den Goldboden Menschen wohnen, der Windrad-Schall kaum von den Umgebungsgeräuschen zu unterscheiden sein wird. Nach den Angaben der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz, kurz LUBW, ist es am ehesten mit einem Rauschen zu umschreiben.

Die EnBW musste für die Genehmigung ihres Windparks ein Gutachten mit einer Schallprognose vorlegen. Dieser wurde der lauteste Betriebszustand zugrundegelegt, das heißt, wenn der Wind ordentlich bläst und die Rotoren sich in voller Geschwindigkeit drehen. Ergebnis: Direkt an den Windkraftanlagen entsteht ein Schallpegel von 55 Dezibel in der der menschlichen Wahrnehmung nachempfundenen A-Bewertung db(A). Das befindet sich im Bereich der Lautstärke eines normalen Gesprächs. Zum weiteren Vergleich, der wegen der direkt am Windpark vorbeiführenden Kaiserstraße naheliegt: Die Lautstärke eines mit gleichmäßiger Geschwindigkeit von etwa 80 Kilometern pro Stunde fahrenden Autos wird mit um die 75 Dezibel angegeben.

Schon bei einem Abstand von etwa 750 Metern hat sich das Geräusch der Windräder laut Prognose auf einen Wert von 45 Dezibel abgeschwächt. Damit sind wir im Bereich des Geräuschpegels innerhalb einer ruhigen Wohnung. Bei etwa 1200 Metern sind es dann noch 35 Dezibel, ein Pegel, der im Vergleich irgendwo zwischen einer Bücherei und einem ruhigen Schlafzimmer angesiedelt wird. Davon ist laut Prognose der südliche Teil von Engelberg mit der Siedlung im Steinbruch betroffen.

35 Dezibel, das ist der Grenzwert, der für ein reines Wohngebiet in der Nacht zwischen 22 und 6 Uhr eingehalten werden muss. Allerdings gibt es in Engelberg nur allgemeine Wohngebiete und Dorfgebiete, in denen nachts Grenzwerte von 40 beziehungsweise 45 Dezibel erlaubt sind.

Manolzweiler liegt außerhalb aller Grenzwerte. Am Ortsrand, der dem Windpark am nächsten liegt, geht die Prognose von einem maximal möglichen Schallpegel von 33 Dezibel aus. Auch hier reden wir von einem allgemeinen Wohngebiet mit einem Grenzwert von 40 Dezibel in der Nacht. Das Forsthaus bei Manolzweiler ist laut Gutachten von einem Schallpegel von 44 Dezibel betroffen. Es wird rechtlich als Mischgebiet betrachtet, das heißt, hier gilt nachts ein Grenzwert von 45 Dezibel.

Die Frage, wie laut die Windräder tatsächlich sind, wird sich erst mit letzter Sicherheit beantworten lassen, wenn sie in Betrieb sind. Das Landratsamt kann dann an maßgeblichen Immissionsorten in der Umgebung Messungen anfordern lassen.

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5.1) Warum gibt es Zweifel an den Ergebnissen der Prognose?

„Wusch, Wusch, Wusch“ oder „Wupp, Wupp, Wupp“, so beschreibt Michael Haueis, was aus Sicht der Bürgerinitiative „Pro Schurwald“ auf Mensch und Tier in der Umgebung eines Windparks zukommt. „Es ist nicht unbedingt die absolute Lautstärke, die hier ausschlaggebend ist, sondern die Art des Schalls“, sagt er. Ein gleichbleibendes Geräusch sei keine große Störung, aber bei den Windrädern gebe es, wenn die Rotoren am Turm vorbeistreichen, dieses „Wusch, Wusch, Wusch“. Haueis vergleicht es mit einem tropfenden Wasserhahn: für sich genommen kein lautes Geräusch, aber durch seine Penetranz und Permanenz nervtötend. Dieser impulshaltige Schall sei für die Genehmigung nicht berücksichtigt.

Peter Zaar, Leiter des für die WindparkGenehmigung zuständigen Dezernats im Landratsamt, sagt dazu: Laut Vermessungsbericht sei der Schall der geplanten Anlagen nicht impulshaltig. Daher seien keine Zuschläge dafür berücksichtigt. Auch seien sogenannte „Lästigkeitszuschläge“ in der Rechtsprechung bisher nicht akzeptiert.

„Pro Schurwald“ kritisiert darüberhinaus das Verfahren, das in der Schallprognose angewandt wurde. In der Realität sei mit höheren Belastungen zu rechnen als das „veraltete“ und für Windkraftanlagen „ungenügende“ sogenannte „Alternative Verfahren“ ergeben habe, sagt Michael Haueis. Stattdessen hätte das neuere „Interimsverfahren“ angewandt werden sollen.

Peter Zaar sagt dazu einerseits: Stimmt, in Nordrhein-Westfalen hat man festgestellt, dass zwischen den im „Alternativen Verfahren“ prognostizierten Schallwerten und den hinterher tatsächlich gemessenen eine Differenz besteht. Ob diese Abweichung von Bedeutung sei, das sei „wohl Ansichtssache“, so Zaar: „Die Abweichungen belaufen sich auf zwei bis drei Dezibel.“

Zudem, gibt Peter Zaar zu bedenken, leide auch das neuere „Interimsverfahren“ unter Ungenauigkeiten. Der Bund-Länderausschuss für Immissionsschutz habe empfohlen, vorerst weiter das „Alternative Verfahren“ anzuwenden. Das habe das Umweltministerium Baden-Württemberg als Weisung an die Behörden weitergegeben.

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5.2) Was ist mit Infraschall und Körperschall?

Infraschall ist Schall, dessen Frequenz unterhalb der menschlichen Hörschwelle liegt. Die LUBW sagt dazu im Bezug auf Windräder: „Messungen der LUBW zeigen, dass Infraschall von einer großen Zahl unterschiedlicher natürlicher und technischer Quellen hervorgerufen wird. Er ist alltäglicher und überall anzutreffender Bestandteil unserer Umwelt. Windkraftanlagen leisten hierzu keinen wesentlichen Beitrag. Die von ihnen erzeugten Infraschallpegel liegen deutlich unterhalb der Wahrnehmungsgrenzen des Menschen. Belege für nachteilige Wirkungen in diesem Pegelbereich gibt es nicht.“

Dass es keine Belege gibt, das ist allerdings für die Windkraftgegner kein Grund dafür, auch davon auszugehen, dass es die schädlichen Wirkungen des Infraschalls nicht doch gibt. „Die Gesundheitsgefahren sind laut Bundesumweltamt noch nicht ausreichend erforscht“, sagt Michael Haueis von der Initiative „Pro Schurwald“.

Ähnlich verschieden sind die Ansichten zum Thema Körperschall. Auch dessen Auswirkungen seien nicht genügend erforscht, so „Pro Schurwald.“ Peter Zaar, Dezernatsleiter im Landratsamt erklärt: „Körperschall ist der Schall, der sich in Festkörpern ausbreitet, im konkreten Fall also zunächst über den Boden.“ Er sagt jedoch: „Von Windkraftanlagen werden keine nennenswerten mechanischen Schwingungen in den Boden eingeleitet.“ Bereits in wenigen hundert Metern Entfernung seien diese Schwingungen „bereits auf dem Niveau des allgemeinen Hintergrunds“.

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Exkurs: Scharfe Kritik an Prüfung des Artenschutzes

„Gekaufte Gutachten“ für eine Genehmigung im Schnellverfahren – die Vorwürfe der Bürgerinitiative „Pro Schurwald“ zum Windpark der EnBW am Goldboden wiegen schwer. Sie bekamen vor einigen Tagen neue Nahrung, als die drei großen Umweltverbände Nabu, LNV und BUND eine gemeinsame Pressemitteilung veröffentlichten. Von „eklatanten Mängeln“ war darin die Rede in Bezug auf die Artenschutzgutachten für acht stichprobenartig überprüfte Windparks in Baden-Württemberg.

Im Einzelnen haben die Naturschutzverbände geprüft, ob die Vorgaben der Landesanstalt für Umwelt, Naturschutz und Messungen (LUBW) in den Artenschutzgutachten eingehalten sind. Das Ergebnis: Zu einem großen Teil sei das nicht der Fall. Den Genehmigungsbehörden werfen die Verbände vor, die Gutachten nicht sorgfältig genug geprüft zu haben.

Die überprüften acht Verfahren lassen Nabu, LNV und BUND anonymisiert. Begründung: Ihnen gehe es nicht darum, einzelne Projekte anzugreifen, sondern generelle Mängel aufzuzeigen. Michael Haueis von der Bürgerinitiative „Pro Schurwald“ weiß jedoch: Der Goldboden war nicht dabei. Aber: „Pro Schurwald“ ist selbst aktiv geworden und hat das gleiche Gutachterbüro wie die Naturschutzverbände damit beauftragt, das Projekt der EnBW nach den gleichen Prüfkriterien unter die Lupe zu nehmen. Haueis’ Zusammenfassung: „Das Ergebnis ist noch schlechter als die Stichprobe der Verbände.“ Von 76 Kriterien, die die LUBW für Vögel und Fledermäuse vorgebe und die auf den Goldboden anwendbar seien, seien nur 19 im Gutachten, das die EnBW vorgelegt habe, berücksichtigt. 35 seien teilweise, 22 gar nicht berücksichtigt. „Das ist keine Basis, auf der das Landratsamt eine Entscheidung hätte fällen dürfen“, sagt Michael Haueis. Die Bürgerinitiative werde sich deswegen in den nächsten Tagen schriftlich ans Landratsamt wenden.

Dort zeigt sich Dezernatsleiter Peter Zaar überrascht über die Vorwürfe. Bewerten könne er die Kritik zum jetzigen Zeitpunkt nicht, dazu sei sie zu pauschal. Er betont aber: Die Fachbehörden im Amt würden selbstverständlich prüfen, ob die Kriterien der LUBW in einem eingereichten Gutachten eingehalten seien. Es gebe im Landratsamt des Rems-Murr-Kreises beim Thema Artenschutz ein „geballtes Know-How, das außergewöhnlich ist“. Dazu gebe es einen Naturschutzbeauftragten, der vom Land bestellt sei und ein Auge auf die Arbeit der Fachleute in der Behörde werfe. „Auch der ist Vogelexperte“, sagt Peter Zaar. Man arbeite transparent, die Prozesse lägen offen.

Abschaltungen für Fledermäuse

Was wird getan, um Tiere zu schützen? Hier ein Beispiel: Wegen der Fledermäuse gibt es Zeiten, in denen die Windkraftanlagen außer Betrieb sein müssen: Generell in der Zeit zwischen dem 1. April bis zum 31. August ab einer Stunde vor Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang sowie zwischen dem 1. September und 31. Oktober ab drei Stunden vor Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang. Diese Regelung gilt allerdings nicht bei Windgeschwindigkeiten von sechs Metern pro Sekunde oder mehr sowie bei Temperaturen von zehn Grad oder darunter. „Bei starkem Wind und kühler Witterung ist nicht davon auszugehen, dass die Fledermäuse in Höhe der Rotoren über dem Walddach jagen“, so Peter Zaar. Während der ersten zwei Betriebsjahre des Windparks wird überprüft, wie sich die Auswirkungen auf die Fledermäuse gestalten. Die Ergebnisse dieses Monitorings müssen der Naturschutzbehörde vorgelegt werden, die dann prüft, ob die Betriebszeiten eventuell angepasst werden müssen.

„Pro Schurwald“ befürchtet jedoch, dass sich die „Schlagopferzahl“ der Fledermäuse gar nicht wirklich bestimmen lässt. Die Bürgerinitiative hat weitere Kritikpunkte: Sie moniert, dass die EnBW sich nicht auf eine ausführliche Umweltverträglichkeitsprüfung eingelassen hat, und geht zum Beispiel davon aus, dass mehr Rotmilane im Umkreis der Windkraftanlagen leben als im Gutachten der EnBW gezählt. Durch die Überprüfung und die scharfe Kritik der der Umweltverbände gibt es auf jeden Fall zum Thema Artenschutz noch Gesprächsbedarf.

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6.) Was ist, wenn ein Windrad brennt?

Wer im Internet nach brennenden Windrädern sucht, der stößt auf spektakuläre Bilder und Videos von riesigen Brandfackeln, von denen flammende und qualmende Teile zu Boden stürzen – und die Feuerwehr steht in sicherer Entfernung und schaut zu.

Brennt die Gondel eines Windrades, dann kann die Feuerwehr tatsächlich nichts machen, als aufzupassen, dass das Feuer nicht weiter um sich greift. Leitern, die in die Höhe der Anlagen reichen, hat keine Wehr. Auch Löschwasserbehälter an Hubschraubern, wie sie bei Wald- oder Gebirgsbränden zum Einsatz kommen, nützen nichts, sagt Jürgen Weiß. Der Fachreferent beim Landesfeuerwehrverband Bayern hat sich intensiv mit dem Thema der Brandgefahr bei Windrädern beschäftigt und wird vom Bundesfeuerwehrverband als kompetenter Ansprechpartner empfohlen. Sein Fazit: Sieht spektakulär aus, ist aber eigentlich viel weniger dramatisch.

Warum gerät ein Windrad überhaupt in Brand?

Im Prinzip gibt es zwei Möglichkeiten: technischer Defekt oder Blitzschlag. Die EnBW sagt dazu: „Die Windenergieanlagen sind mit Blitzschutzeinrichtungen ausgestattet.“ Außerdem gebe es regelmäßig Kontrollen, Mängel würden frühzeitig entdeckt und abgestellt. Das Risiko eines Brandes schätzt die EnBW als „äußerst gering“ ein. Es sei bei den eigenen Anlagen noch nie vorgekommen.

Wie viele Windräder tatsächlich jährlich in Deutschland brennen, ob es null, eins oder zehn sind, darüber gibt es keine Statistik. In Bayern sei es noch nie vorgekommen, sagt Jürgen Weiß. „Wir haben uns mit dem Thema beschäftigt und haben festgestellt, dass es zu vernachlässigen ist“, sagt er. Die Anlagen seien im Eigeninteresse des Betreibers vollständig überwacht und könnten bei Unregelmäßigkeiten abgeschaltet werden. „Der Betreiber hat den größten Schaden, wenn das Ding nicht liefert“, meint Weiß.

Einsatzpläne für die Feuerwehr

Was nicht heißt, dass besondere Vorkehrungen für den Ernstfall getroffen werden. Die Feuerwehr müsse vorbereitet sein, es müsse Einsatzpläne geben. So einen hat auch die Feuerwehr Winterbach. Was ist aber mit der Sondersituation am Goldboden im Wald: Was, wenn brennende Teile herunterfallen und das womöglich in einem trockenen Sommer mit hoher Waldbrandgefahr? Auch das sieht Fachmann Jürgen Weiß eher entspannt: „Die Windenergieanlage ist keine wesentliche Risikoerhöhung bei Waldbränden.“

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6.1) Stehen die Windräder fest und sicher?

Die Standsicherheit der drei Windräder am Goldboden war eines der heißen Themen während der Genehmigungsphase – zumindest aus Sicht der Gegner des Windparks. Die EnBW sagte immer: Wir können den Untergrund beherrschen. Was den Goldboden durchaus nicht ganz einfach als Baugrund macht, ist die als Knollenmergel bekannte rot-braune bis rote Tonmergelgesteinsschicht, die gelegentlich Kalkknollenlagen beinhaltet und so ihren Namen bekommen hat. Wird diese nass, dann schmiert sie im wahrsten Sinne des Wortes ab. Sie wird rutschig, schmierig, instabil.

Die EnBW hat mit Bodengutachten bestimmen lassen, wie der Untergrund für die Windräder beschaffen ist. Heraus kam: An den geplanten Standorten von zwei der Anlagen sieht es so aus, dass der problematische Mergel zwischen zwei festeren Erdschichten liegt (siehe Grafik). Steht nun ein schweres Bauwerk wie ein Windrad darauf, kann es passieren, dass es auf einer nass gewordenen Mergelschicht regelrecht wegrutscht und kippt. Christopher Backfisch Projektleiter der EnBW, spricht vom „worst case“, vom schlimmsten Fall, wenn das Betonfundament entlang eines sogenannten „Gleitkreises“ aus dem Hang herausrutschen würde. Der Gleitkreis entsteht an der Verbindung von Ton und Mergel, der bei Nässe wie ein Schmiermittel wirken kann: „Das ist die Schwachstelle am Berg.“

Wichtigster Effekt der Pfähle: Verdichtung und Stabilisierung des Bodens

Diese Schwachstelle, so erklärt Christopher Backfisch, habe man jedoch dadurch beseitigt, indem man für die zwei betroffenen Windräder insgesamt 54 Betonpfähle mit einer Länge zwischen 15 und 16 Metern in den Boden gerammt habe. Manche dieser Pfähle stehen auf dem unter dem Tonmergel liegenden Ton- beziehungsweise Sandstein auf. Der wichtigste Effekt der Pfähle sei aber eine Verdichtung und Stabilisierung des Bodens und der Erdschichten, so Christopher Backfisch. Dadurch könne sich der gefürchtete Gleitkreis nicht mehr bilden: „Wir haben so viele reingerammt, dass die Schichten sich so verbinden, dass sie gar nicht mehr wegrutschen können.“ Sie seien stabilisiert und könnten sich nicht mehr trennen.

Warum hat das so lange gedauert?

Dieses Vorgehen hat zuletzt ein Prüfstatiker für gutgeheißen – was zugleich die letzte Voraussetzung war, dass die EnBW die vollständige Baufreigabe für ihren Windpark bekam. Erst etwa acht Monate nach der generellen Genehmigung konnte das Landratsamt diese erteilen. Warum hat das so lange gedauert? So fragt die Bürgerinitiative „Pro Schurwald“ und vermutet Schwierigkeiten beim Nachweis der Standsicherheit. Peter Zaar, der zuständige Dezernatsleiter im Landratsamt, sagt dagegen: „Für so ein spezielles und technisch höchst anspruchsvolles Bauwerk war die Vorlage für die bautechnischen Nachweise eher außergewöhnlich kurz.“ Gerade vor dem Hintergrund, dass wegen der Bodenverhältnisse eine aufwendige Pfahlgründung berechnet und nachgewiesen werden musste.

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6.2) Können im Winter Eisbrocken durch die Gegend geschleudert werden?

Herabfallendes Eis oder Schnee, das kennt man im Winter als Gefahr vor allem im Bereich von Häusern, insbesondere mit überstehenden Satteldächern. Wenn Tauwetter einsetzt, können sich Brocken oder kleine Lawinen lösen und zu Boden fallen. Das Gleiche kann auch bei Windrädern passieren. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt in Kombination mit einer hohen Luftfeuchtigkeit kann sich dort Eis bilden. Die Windräder haben gegenüber Hausdächern allerdings noch die Eigenschaft, dass sie sich drehen. Wenn sich dann Eisbrocken von den Rotoren lösen und durch die Drehung herumgeschleudert werden, spricht man von Eiswurf.

Sicherungsinstrumente in den Windrädern

Damit das nicht passiert, musste die EnBW diverse Sicherungsinstrumente in ihre Windräder einbauen. Sensoren erkennen, wenn sich Eis an den Rotoren bildet. Sie registrieren, wenn sich Unwuchten oder Vibrationen zeigen, andere „nicht plausible Betriebsparameter“ auftreten oder die Windsensoren unterschiedliche Werte liefern. Treten diese Faktoren auf, dann wird ein sanfter Stopp eingeleitet und eine Fehlermeldung gesendet. Die Anlage kann nach einer solchen Fehlermeldung nicht automatisch wieder anlaufen. „Sie werden für den Betrieb erst wieder freigegeben, nachdem sich das Eis zurückgebildet hat“, erklärt Dagmar Jordan, Pressesprecherin der EnBW. „Auf diese Weise entsteht keine Gefährdung durch Eiswurf bei rotierenden Anlagen.“ Die Windräder, so erklärt Jordan, würden schon in Stillstand versetzt, bevor sich größere Eismengen oder sogar Brocken bilden können. Sollte sich Eis bilden, sei dieses „eher flächig“ und könne beim Tauen direkt unter der stehenden Anlage herabfallen. Von einer Beeinträchtigung der umliegenden Straßen sei nicht auszugehen. Diese Annahme stützt die EnBW auf ein entsprechendes Fachgutachten, das das Risiko für Personenschäden als „irrelevant“ einstuft. Es werden dennoch im Bereich der Windräder Warnschilder aufgestellt, die auf die Möglichkeit von herabfallendem Eis hinweisen.

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Exkurs: Das passiert aktuell am Goldboden (Stand 22.09.2017)

Video: Ein Drohnenflug über den Goldboden.

  • Die EnBW ist am Goldboden oberhalb von Winterbach mitten im Bau von drei Windkraftanlagen mit einer Gesamthöhe von mehr als 230 Metern vom Boden bis zur Rotorspitze.
  • Derzeit nimmt der Windpark rasant Gestalt an. Der Turm für die erste Anlage ist auf etwa 100 Meter Höhe fertig gebaut, die Betonteile des zweiten Turms stapelt der riesige Kran im Moment aufeinander.
  • Sind alle drei Türme bis in die Höhe von 100 Metern fertig, kommt ein neuer Kran, der 180 Meter hoch ist. Er setzt dann zunächst die weiteren Türme mit Metallteilen bis auf Nabenhöhe von 164 Metern zusammen und hievt schließlich auch das rund 60 Tonnen schwere Maschinenhaus und die Rotorblätter nach oben.
  • Die Schwertransporte für Maschinenhaus und Rotorblätter werden danach die größte Herausforderung der Bauphase. Für die jeweils 65 Meter langen Rotoren ist jeweils ein Transporter mit einer Länge von 75 Metern nötig. Sie werden für das letzte Wegstück umgeladen auf ferngesteuerte Fahrzeuge, die mit Schrittgeschwindigkeit durch die Straßen rollen werden. Sie sind für Ende September angekündigt. Genaueres kann die EnBW derzeit nicht mitteilen. Auch die genaue Route steht noch nicht fest. Zu erwarten ist, dass sie, wie die bisherigen Transporte, in Urbach von der B 29 ab und durch Schorndorf und Schlichten zum Goldboden rollen.

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