Großbrand in Schorndorf Brandherd schwer erreichbar: Bagger reißt Gebäude auf

, aktualisiert am 16.04.2019 - 21:31 Uhr

Schorndorf. Der zweite Großbrand innerhalb von acht Tagen: Nach dem verheerenden Feuer in der Produktionshalle der Firma „Akku Power“ im Steinwasen Anfang voriger Woche wurde die Feuerwehr am Dienstagmorgen um 6.01 Uhr in die Göppinger Straße gerufen. Mit 20 Fahrzeugen und fast 100 Kräften war sie im ehemaligen Löwenkeller/Penny Lane im Einsatz. Fünf Leiharbeiterinnen und -arbeiter, die im Untergeschoss übernachtet und sich teilweise in einen Lichtschacht gerettet haben, wurden leicht verletzt ins Krankenhaus gebracht. Die Feuerwehr war den ganzen Tag im Einsatz und noch in den Abendstunden mit dem Löschen von Glutnestern beschäftigt.

Dichter Nebel über Schorndorf und bis nach Winterbach. Der intensive Rauchgeruch ließ am Dienstagmorgen keine Zweifel aufkommen: In Schorndorf brennt es wieder gewaltig. Seit sechs Uhr in der Früh war die Feuerwehr in der Göppinger Straße im Einsatz, knapp drei Stunden später war der Brand im ehemaligen Löwenkeller weitgehend unter Kontrolle. Die Nachlöscharbeiten allerdings dauern bis in die Abendstunden hinein. Und über Nacht wird eine Brandwache das Gebäude im Blick behalten müssen.

Um die Brandherde im Keller, in den Zwischendecken und Verschalungen vollständig ablöschen zu können, musste gegen 13 Uhr ein Abbruchunternehmen aus Plüderhausen anrücken: Bevor ein Bagger gegen 14 Uhr auf der Südseite Teile des Gebäudes aufreißen konnte, mussten Zimmerleute ein Vordach abstützen, um das Gebäude zu stabilisieren. Im Gebäudeinnern, sagt der stellvertretende Kreisbrandmeister Daniel Köngeter, waren die Holzdecken bereits eingestürzt. Bis halb zehn am Abend ist bereits die Hälfte des Gebäudes abgebrochen, womöglich muss der ehemaligen Löwenkeller auch komplett abgerissen werden, sagt Patrick Bellon, Pressesprecher der Schorndorfer Feuerwehr.

Zwei Personen mussten aus Lichtschacht gerettet werden

Und war der Brand der Produktionshalle im Steinwasen vergangene Woche schon gewaltig, dieser Großbrand war nicht weniger verheerend: Innerhalb von eineinhalb Stunden hatten sich die Flammen am Morgen vom Unter- über das Erdgeschoss im hinteren Gebäudebereich bis hinauf ins Dach ausgebreitet. Fünf Leiharbeiterinnen und -arbeiter, die offenbar im Keller übernachtet haben, wurden leicht verletzt mit Rauchvergiftungen ins Krankenhaus gebracht; zwei hatten es nicht mehr ins Treppenhaus geschafft, sondern sich in einen Lichtschacht geflüchtet. Von dort wurden sie von der Feuerwehr gerettet.

Mit 20 Fahrzeugen und knapp 100 Einsatzkräften war die Feuerwehr mit den Abteilungen Stadt, Weiler, Schornbach, Haubersbronn und Miedelsbach vor Ort. Die Feuerwehr Weinstadt, die beim Brand im Steinwasen schon geholfen hatte, war wieder mit einer zweiten Drehleiter nach Schorndorf gekommen, außerdem mit einem Löschfahrzeug. So auch die Fellbacher Feuerwehrkollegen, die ihren Gerätewagen Atemschutz schon zum zweiten Mal nach Schorndorf bringen mussten. Sie alle haben den nahegelegenen Parkplatz eines Supermarktes genutzt, um sich auf den Einsatz vorzubereiten.

ABC-Erkunder: Messungen unterhalb der Nachweisgrenze

Wegen der starken Rauchentwicklung war auch ein ABC-Erkunder aus Backnang im Stadtgebiet unterwegs. Die Bevölkerung wurde vorsorglich aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Gegen Mittag kam dann die Entwarnung: Die Messungen lagen unterhalb der Nachweisgrenze. Vor Ort war den ganzen Tag auch immer wieder Oberbürgermeister Matthias Klopfer, um sich ein Bild der Lage zu machen. Außerdem Einsatzkräfte von DRK und Polizei.

Während des Einsatzes war anfangs die Gmünder Straße Richtung Urbach und die Göppinger Straße bis in die Abendstunden hinein gesperrt, der Verkehr wurde örtlich umgeleitet. Zur Brandursache konnte Jost Rube, Kommandant der Schorndorfer Wehr, am Dienstag noch keine Angaben machen. Sobald das Feuer gelöscht ist, wird die Polizei ihre Ermittlungen aufnehmen.

Nicht abzusehen ist zum jetzigen Zeitpunkt auch die Höhe des Sachschadens: Der Hauseigentümer, der seinen Namen in der Zeitung nicht lesen möchte, wollte keine Angaben machen: „Die Polizei soll erst mal ihre Arbeit machen.“ Auch zu den Umbauplänen, die bereits im Gestaltungsbeirat des Gemeinderats behandelt wurden, sagte er auf Nachfrage nur so viel: Der vom Brand betroffene hintere Gebäudeteil war nicht Teil der Umbaupläne. Geplant, informiert Manfred Beier, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung und Baurecht, ist ein Neubau längs der Göppinger Straße und ein Kopfbau auf dem Platz vor dem Löwenkeller. Ein Bauantrag, sagt Architekt Felix Stammler, ist bei der Stadt bereits eingereicht und auch genehmigt.

Gerüchte, dass das Löschwasser aus der Produktionshalle des Akku-Herstellers im Steinwasen unbedenklich ist, in dem nach dem Brand in der vergangenen Woche krebserregende Stoffe vermutet wurden, kann Martina Keck von der Pressestelle des Landratsamtes auf Nachfrage nicht bestätigen: „Die Analyse ist noch nicht abgeschlossen.“ Als Sondermüll eingestuft, wurde das Löschwasser von einem Abfallentsorgungsunternehmen in spezielle Behälter gepumpt. Liegt die Analyse vor, kann es fachgerecht entsorgt werden.


Löwenkeller, Shaolinzentrum und Penny Lane

Auch wenn es im Löwenkeller längst keine Gaststätte mehr gibt, die Erinnerungen auch an die Löwenbrauerei sind bei alten Schorndorfern noch wach. Zuletzt wurden die Räume im Untergeschoss des hinteren Gebäudeteils von einem deutsch-türkischen Kulturverein genutzt, das Erdgeschoss vom Shaolinzentrum Qi Lu. Und die Kampfsportschule trifft der Brand besonders hart: Lu Yuan, der das Shaolinzentrum vor zwölf Jahren gegründet hat, unterrichtete auf der alten Bühne des Löwenkellers insgesamt 90 Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Das Inventar und alle schriftlichen Unterlagen seiner Schule sind verbrannt, die Sandsäcke, Schuhe und Anzüge vernichtet. Lu Yuan, der seinen Sachschaden auf 70 000 Euro beziffert, war gerade in der Frühschicht, als er von der Polizei an seiner Arbeitsstelle informiert wurde. Jetzt sucht er dringend neue Räume – mit 160 Quadratmetern und Toilette – für seine Schule und den gerade erst aufgebauten Online-Handel. Wer einen freien Raum hat, kann sich gerne bei Lu Yuan melden: 0177/2769620 oder E-Mail an shaolinkungfuzentrum@yahoo.de.

An den Löwenkeller erinnert sich auch die Schorndorfer Künstlerin Renate Busse noch gut: Sie hatte in der ehemaligen Zeltwerkstatt der Löwenbrauerei nicht nur ihr Atelier – und von dort bis heute noch einen rot-weiß gestreiften Planenstoff über dem Sofa liegen – sie war in den 1970er Jahren auch Stammgast im „Penny Lane“. An die Disco, in der man von der langen Theke direkt auf die Tanzfläche treten konnte, erinnert sie sich noch gerne. Sie hatte, erzählt die 77-Jährige, dort sogar Lokalverbot, „weil ich mal barfuß getanzt hab“. Vielfältig genutzt wurde auch der große Veranstaltungssaal des Löwenkellers, in dem sogar mal ein Kino untergebracht war.

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