Großheppach Weinstadt verhindert Wohnbebauung

Gerhard Mayer und seine Familie wollen am Ginsterweg in Großheppach 30 Wohneinheiten errichten – doch die Stadt ist dagegen Foto: ZVW/Gabriel Habermann (Archiv)

Weinstadt-Großheppach. „Das ist eine echte Baulücke“: Gerhard Mayer kann nicht verstehen, warum sich die Stadtverwaltung und der Gemeinderat seit Jahren gegen eine Bebauung am Ginsterweg aussprechen. Das Grundstück seiner Familie am Heppach würde Platz für 30 Wohneinheiten bieten. Weinstadt will hier hingegen eine Grünfläche haben – und daran bis auf weiteres nichts ändern.

Als Gerhard Mayer, dessen Sohn und Walter Riker von der Schorndorfer Firma Riker Wohnbau Immobilien am 4. Oktober 2018 einen Gesprächstermin bei OB Michael Scharmann wahrnahmen, dachten sie laut eigenen Angaben noch, dass sie ihr Ziel erreichen können. Gerhard Mayer und seine Familie hatten sich lange geweigert, beim Weinstädter Aufkaufmodell mitzumachen. Das greift seit 2013 immer dann, wenn in einem Gebiet kein Planungsrecht besteht. Es sieht vor, dass alle Grundstücke an die Stadt verkauft werden. Diese kümmert sich dann um die Erschließung und gesteht den Alteigentümern ein Rückkaufsrecht zu. An der Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis verdient die Stadt Geld. Nachdem sich Gerhard Mayer und seine Familie schließlich mit dem Aufkaufmodell anfreundeten, dachten sie, dass nun einer Einigung nichts mehr im Weg stehen würde. Schließlich hatte die damalige Stadtplanungsamtsleiterin Amrit Schliesing im August 2018 unserer Zeitung gesagt, dass die Stadt jederzeit bereit sei, bei einem neuen Anlaufversuch seitens der Eigentümer eine Wohnbebauung erneut zu prüfen, sofern dem Aufkaufmodell zugestimmt wird. Als ihnen auch noch OB Michael Scharmann seine Unterstützung zugesichert habe und ihn an Baubürgermeister Thomas Deißler verwies, rechnete Gerhard Mayer nicht damit, dass es noch Hürden gibt.

Kein persönliches Gespräch mit dem Baubürgermeister

Es kam alles anders. Björn Riker, einer von drei Geschäftsführern der Firma Riker, erhielt am 24. Oktober 2018 eine Mail von der damaligen Stadtplanungsamtsleiterin, die unserer Zeitung vorliegt. Darin heißt es: „Die planerischen Vorstellungen des Rahmenplans, welcher eine Grünzäsur vorsieht, bleiben bestehen.“ Ein persönliches Gespräch mit Deißler gab es nicht. Das verwunderte Walter Riker und Gerhard Mayer sehr. Nur zum Vergleich: Im Großheppacher Gebiet „In den Hauern“ legt sich die Stadt gerade mit den Anwohnern an, um Geschosswohnungsbau mit zwölf Wohneinheiten umzusetzen. Auf dem Grundstück im Ginsterweg wären dagegen sogar 30 Wohneinheiten möglich. Es gibt zudem laut Gerhard Mayer bereits einen Wasser- und Abwasseranschluss, die Erschließungskosten wären also gering.

Darüber hinaus ist die Haltung der Stadt nicht immer so ablehnend gewesen, wie weitere Unterlagen nahelegen: 2010 gab es bereits Planungen innerhalb der Stadtverwaltung, in die der damalige Stadtbauamtsleiter Schwarz und der damalige Baubürgermeister Möller involviert waren. Das war allerdings noch vor Deißlers Amtsantritt im Februar 2011.

Entsprechende Voraussetzungen nicht gegeben

Die Stadtverwaltung hat indes aus ihrer Sicht gute Gründe, warum sie im Ginsterweg aktuell keine Bebauung zulassen will. „Im Rahmen der Stadtplanung geht es zuallererst um die Frage, ob und wie eine Fläche baulich genutzt werden soll. Erst wenn diese Entscheidung gefallen ist, kann das Baulandmodell des kommunalen Zwischenerwerbs überhaupt erst zur Anwendung kommen“, stellt Pressesprecher Holger Niederberger klar. Dabei könnten Wohngebäude nur auf solchen Flächen errichtet werden, die Bauland seien oder dazu entwickelt werden sollen. Im Fall des Bauvorhabens im Ginsterweg in Großheppach sei sowohl den Eigentümern als auch der Firma Riker Wohnbau Immobilien seit drei Jahren bekannt, dass diese Voraussetzungen bei dem betreffenden Bachgrundstück am Heppach nicht gegeben seien. „Es gibt dort bislang weder einen Bebauungsplan noch ist die Erschließung gesichert.“ Darüber hinaus sehe ein beschlossener Rahmenplan dort eine Renaturierung des Heppachs samt einem bachbegleitenden Geh- und Radweg sowie eine Grünfläche mit dichtem Baumbestand vor. Bereits im November 2017, so Niederberger, sei das Ergebnis der Prüfung nach Beratung im Gemeinderat schriftlich der Firma Riker mitgeteilt worden.

"Besagtes Gebiet noch nicht bereit für eine bauliche Entwicklung"

Mit der Bereitschaft der Eigentümer, ihr Grundstück an die Stadt zu verkaufen, ist aus Sicht der Verwaltung lediglich eine von vielen Hürden genommen – und dies sei allen Beteiligten nach dem Gespräch mit OB Scharmann auch klar gewesen. „Um dort tatsächlich bauen zu können, müssen jedoch zunächst ganz andere Prioritäten abgearbeitet werden. Darüber hinaus muss das Areal im Gesamtzusammenhang der zukünftigen Bebauung im Stadtteil Großheppach gesehen werden. Vor diesem Hintergrund ist besagtes Gebiet noch nicht bereit für eine bauliche Entwicklung.“


Grünfläche

Seit 1987 ist im Rahmenplan im Bereich Ginsterweg eine Grünfläche vorgesehen. So hatte es seinerzeit der Technische Ausschuss entschieden.

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