Grundstücke an der B29 Plüderhausen soll wachsen

Ortsschild von Plüderhausen. Foto: ZVW/Joachim Mogck

Plüderhausen. Es war ein langer Weg mit einigen Stolpersteinen, aber nun ist das Gewerbegebiet „Heusee II Erweiterung“ mit Grundstücken in unmittelbarer Nähe der Bundesstraße auf dem Markt. Zwei der 16 Grundstücke sind laut Bürgermeister Andreas Schaffer verkauft, bei fünf weiteren ist die Gemeinde in Verhandlungen.

Beschwerden der betroffenen Anwohner, umfangreiche Erdarbeiten, eine hohe Belastung des Gemeindehaushalts und zeitliche Verzögerungen – die Erschließung des neuen Gewerbegebietes mit der neuen Benzstraße war für die Plüderhäuser Verwaltung nicht gerade ein Selbstläufer.

Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb machte Bürgermeister Andreas Schaffer bei der Einweihung einen optimistischen Eindruck. „Plüderhausen kann sich entwickeln“, ist die Botschaft des Verwaltungschefs. Die Gemeinde könne örtlichen Firmen ein attraktives Gewerbegelände anbieten, aber auch Unternehmen von außerhalb nach Plüderhausen holen. Raum für neue Arbeitsplätze, Ausbildungsplätze und Innovationen – den hofft die Verwaltung mit dem neuen Gewerbegebiet geschaffen zu haben.

Bereits viele Einweihungen von Projekten in diesem Jahr

„Wir haben 2019 ungewöhnlich viele Einweihungen“, so Andreas Schaffer. Die meisten davon betrafen die „grüne Infrastruktur“, spielt er auf die Remstal-Gartenschau-Projekte an. Vor diesem Hintergrund habe die Gemeinde darüber nachgedacht, ob „dieses Stück Straße“ – die neue Benzstraße im Gewerbegebiet – den Aufwand einer Einweihung überhaupt rechtfertige.

„Eindeutig ja“, sei das Ergebnis nach Rücksprache mit dem Gemeinderat gewesen. Weil die Bedeutung des neuen mit Glasfaser ausgerüsteten Gewerbegebiets so groß für die Gemeinde sei und den Standort Plüderhausen mittel- und langfristig sichere und stärke, aber auch, weil die Umsetzung des Vorhabens so komplex war. Und weil die Gemeinde ein Zeichen setzen wollte, dafür, dass nicht nur die „grüne“, sondern auch die „graue Infrastruktur“ verbessert werde.

Mit drei Millionen Euro in Vorleistung gegangen

Bedeutend ist die Fertigstellung des Gebiets für die Gemeinde auch, weil sie für die Erschließung mit etwas mehr als drei Millionen Euro in Vorleistung gegangen war. „Nicht ohne Risiko“, gab auch der Bürgermeister zu. Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass die Vorleistungen wieder erwirtschaftet werden.

Der Bebauungsplan für die „Heusee-II- Erweiterung“ wurde bereits 2004 aufgestellt. „Im Nachhinein ein Glücksfall, dass wir das damals angegangen sind“, findet Andreas Schaffer. Mit dem rechtskräftigen Plan war die Gemeinde nämlich dem Wasserverband Rems zuvorgekommen, der kurz darauf mit der Planung eines Hochwasserrückhaltebeckens für das Gebiet begann. Trotz des bestehenden Bebauungsplans passierte lange Jahre nichts.

Die Gemeinde scheute das Risiko, mit Millionenbeträgen in Vorleistung zu gehen, so Andreas Schaffer in seiner Einweihungsrede. Außerdem gab es keine Nachfrage von potenziellen Käufern. 2013 beschloss der Gemeinderat dann doch, das Gebiet anzugehen. „Damit haben die Gemeinderäte Mut bewiesen“, findet Andreas Schaffer. Die Umlegung und Erschließung dauerte sechs Jahre – „kein Weltrekord, aber eine durchaus passable Zeit“.

Hohe Belastung der Anwohner: Eher Sahara als Heusee

Als „eine sehr schwierige Baustelle“ bezeichnete der Bürgermeister das Gewerbegebiet, besonders auch in Bezug auf die Belastung der Anwohner. Die hatten ihn während der Arbeiten oft angerufen, aber auch Fotos geschickt, die er „nicht im Heusee, sondern in der Sahara verortet hätte“. Kein Wunder – 70 Kubikmeter Erde mussten ausgerechnet in trockenen Zeiten aufgefüllt werden. Die Betroffenen sahen sich deshalb gezwungen, teils mehrere Male pro Woche ihre Autos zu waschen. Und das abgesehen von den üblichen Belastungen einer Großbaustelle in der Nachbarschaft.

70 000 Kubikmeter Erde mussten aufgefüllt werden

Die umfassenden Erdarbeiten waren der Hauptgrund für mehrmonatige Verzögerungen beim Bau. Für den Hochwasserschutz musste das Areal des neuen Gebiets mit 70 000 Kubikmetern Erde aufgefüllt werden. Vorgesehen war, dass die Erdanfüllung von der Rems-Renaturierungsmaßnahme zwischen Winterbach und Remshalden geliefert werden sollte.

Daraus ergaben sich allerdings überraschend nur rund 20 000 Kubikmeter. Die weiteren 50 000 Kubikmeter Material mussten also anderweitig besorgt werden. Langfristig aber gut für den Gemeindehaushalt: Die Ausschreibung für den Rest des Materials brachte ein besseres Ergebnis als erwartet.

Zwei der 16 Grundstücke auf dem neuen Gebiet sind verkauft. Mit fünf weiteren Käufern ist die Gemeinde derzeit in Verhandlungen. „Acht bis zehn Jahre kann es schon dauern, bis alles weg ist“, gab Andreas Schaffer auf Nachfrage Auskunft. Wichtig ist aber erst einmal, dass die Gemeinde die Millionen, mit denen sie in Vorleistung ging, wieder einnimmt, was deutlich schneller der Fall sein dürfte.


Die Zahlen

Von den fast 65 000 Quadratmetern des Gewerbegebiets entfallen nach der Umlegung durch die Gemeinde rund 16 000 Quadratmeter auf Straßen, Wege, Plätze und öffentliches Grün; fast genau 36 000 Quadratmeter auf gemeindliche Bauplätze und etwas mehr als 12 000 Quadratmeter auf private Bauplätze.

Aus 59 Einzelgrundstücken entstanden 16 Bauplätze.

  • Bewertung
    0

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!