Gute Vorsätze Fünf Zeitmanagement-Methoden auf dem Prüfstand

Das Problem habe ich erkannt: Ich gehe zu sorglos mit meiner Zeit um. Und nun? Wie kann ich das ändern? Methoden dafür liefern Ratgeber und Ratgeber-Websites zur Genüge. Aber taugen die was? Fragen über Fragen. Und dann wurde auch noch der Geburtstermin meines Sohnes vorverlegt ...

Voraussichtlich fünf Tage früher als geplant werde ich Vater, und noch immer habe ich keine Ahnung, wie ich mein Zeit-Problem löse. Also erstmal ab ins Internet, Recherche. Stundenlang. Naja, die Zeit die ich jetzt verwende, um mich mit Zeitmanagement auseinanderzusetzen, bekomme ich ja später mehrfach zurück. Also theoretisch. Doch von den fünf Methoden, die mir bei meiner Suche am häufigsten begegnet sind, scheinen mir einige nicht für Eltern (oder solche, die es werden wollen) geeignet zu sein.



Die Not-to-do-Liste

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Die Theorie: Diese Methode erklärt sich von selbst. Statt einer To-do-Liste mit Dingen, die man tun möchte bzw. muss, schreibt man auf, was man nicht tun möchte. Weil es unnötig ist, oder man es delegieren kann. Oder, im Fall schlechter Angewohnheiten, man schreibt auf was man nicht mehr tun möchte. 

Meine Meinung: Puh. Delegieren? Ich halte mir wohl zu wenig Untergebenen zuhause. Und ganz ehrlich: Die Idee, seine schlechten Angewohnheiten mal aufzuschreiben, ist sicher nicht schlecht. Darüber hinaus erscheint mir das alles aber viel zu wahllos. Wo soll diese Liste denn aufhören? Es gibt eine ganze Menge Dinge, die ich nicht tun möchte - darunter leider auch welche, die ich tun sollte. Oder muss

Die 60-60-30-Methode

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Die Theorie: 55 Minuten konzentriert arbeiten + 5 Minuten Pause (= 60), dann wieder 60 Minuten konzentriert arbeiten, dann 30 Minuten ganz bewusst entspannen. Diese Einteilung von Arbeit entspricht angeblich unserem Biorhythmus. Ein Wecker oder die passende App werden als Hilfsmittel für diese Methode empfohlen - und möglichst wenig Ablenkung.

Meine Meinung: Klingt an sich vernünftig, ist für mich aber völlig unbrauchbar. Ich stelle mir vor, wie ich einem schreienden Neugeborenen erkläre, dass ich jetzt keine Zeit habe, weil ich ja noch 20 Minuten hochkonzentriert arbeiten muss, und danach ja eigentlich auch schon verplant bin: Entspannungspause. Sorry. Und dann: "Auch wenn du meine Sprache noch nicht verstehen kannst: Ich wäre dir dankbar, wenn du Ablenkungen akustischer Art in Zukunft unterlassen könntest." Als ob. 

Eat the Frog

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Die Theorie: Der Autor Mark Twain (Huckleberry Finn und Tom Sawyer, ihr kennt ihn alle) soll mal gesagt haben: "Eat a live frog first thing in the morning and nothing worse will happen to you the rest of the day." Wie bei vielen seiner angeblichen Zitate gibt es zwar keinen Beweis, dass er wirklich von ihm stammt, nichtsdestotrotz ist nach diesem Satz eine Methode benannt. Aber welchen Frosch soll man essen? Im übertragenen Sinne ist damit gemeint, zuallererst das zu erledigen, worauf man am wenigsten Lust hat. Danach würden einem alle anderen Aufgaben leichter fallen. 

Meine Meinung: Igitt. Ich bin Vegetarier! Aber im Ernst: Ich neige dazu, Unangenehmes vor mir her zu schieben. Den Satz nehme ich mir mit, ob er nun von Mark Twain stammt oder nicht. Und auch dass einem danach alles leichter fällt, kommt mir als hobbymäßigem Doktor der Küchenpsychologie realistisch vor. Erleichterung setzt immerhin eine Menge Hormone frei. 

Die Energiekurve

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Die Theorie: Wir erleben täglich Hochphasen voller Energie und Tiefphasen voller Energielosigkeit. Die Methode besagt: Nutze die Hochphase, um deinen Krempel zu erledigen, und quäle dich in den Tiefphasen nicht damit, sondern gönne dir etwas Ruhe. 

Meine Meinung: Klingt ja herrlich. Nur: So mache ich das ja aktuell - was dazu führt, dass ich eben kaum was gebacken kriege. Ich habe selten eine Hochphase, wenn ich vom Arbeiten nach Hause komme. Oder nach dem Abendessen. Oder kurz bevor ich ins Bett gehe. Und wenn ich mit einbeziehe, was ich von den Eltern in meinem Freundeskreis so höre, kommen demnächst Jahre voller Schlafmangel auf mich zu. Wie es dann wohl mit den Hochphasen ist? Klingt für mich alles eher nach einer zur Methode hochgeschriebenen Rechtfertigung für das Verhalten, dass ich ablegen möchte. Könnte aber auch für Leute gedacht sein, die sich selbst zu viel Stress machen

Die 25 000-Dollar-Methode

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Die Theorie: Die Geschichte hinter der Methode ist gut: Der Berater Ivy Lee soll mit einem ungewöhnlichen Angebot auf den US-amerikanischen Industriellen Charles M. Schwab (nein, nicht der von den Peanuts! Der heißt Charles M. Schulz) zugegangen sein: Ich verrate dir, wie du diene Zeit besser managest, und du gibst mir für diesen Tipp so viel Geld, wie er dir wert ist. Und dieser Tipp lautete: 
 

  1. Schreibe abends deine Aufgaben für den nächsten Tag auf.
  2. Sortiere sie nach Priorität - welche ist am wichtigsten?
  3. Fange am nächsten Morgen mit der wichtigsten Aufgabe an
  4. Prüfe danach die Prioräten der restlichen Aufgaben und sortiere sie gegebenenfalls neu
  5. Mache mit der wichtigsten weiter
  6. Wiederhole die Schritte 4 und 5 solange, wie du kannst, oder, im Idealfall, bis die Liste abgearbeitet ist

Für diesen Tipp - Sie haben es erraten - soll Charles M. Schwab dem Berater 25 000 Dollar gegeben haben. Kein Wunder, dass der Kerl pleite gestorben ist.

Meine Meinung: Die Methode erscheint mir aus vielen Gründen brauchbar: Ich habe eine Übersicht der Dinge, die ich erledigen möchte. Wenn ich mir zu viel vornehme, oder etwas dazwischenkommt - zum Beispiel mein Sohn - habe ich am Ende des Tages wenigstens das erledigt, was besonders wichtig war. Die Methode ist flexibel, denn Prioritäten können sich ganz schnell ändern. Und hey: Immerhin war sie wohl mal jemandem 25 000 Dollar wert.

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