Häuslebauer Seite 2: Der Preis beeinflusst die Kaufentscheidung

Auch Frank Talmon L'Armée, Geschäftsführer der Nord-Süd Hausbau in Stuttgart, stellt immer wieder fest, dass letztendlich der Preis und die Lage die Kaufentscheidung beeinflussen. Ökologische Aspekte spielten beim Käufer in den seltensten Fällen eine Rolle. Andererseits hätten die regulatorischen Vorgaben des Gesetzgebers auf dem energetischen Sektor erhebliche Auswirkungen auf den Immobilienmarkt. Neben den Kostensteigerungen für energetische Maßnahmen nehme gerade im privaten Wohnungsbau die Rechtsunsicherheit bei den Bauträgern zu.

„Keiner weiß im Moment, was die nächste Verordnung mit sich bringt.” Letztendlich könne aber der Kunde bei der Abnahme auf den aktuellsten Energiestandard bestehen, auch wenn dieser zum Zeitpunkt des Kaufs noch gar nicht verabschiedet war, ärgert sich der Geschäftsführer. Um möglichen Regressforderungen aus dem Weg zu gehen, versucht sein Unternehmen rechtzeitig Trends zu erspüren und künftige Standards beim Energieeinsparen schon in aktuelle Bauprojekte zu integrieren.

Der Immobilienmanager möchte bei aller Kritik an den gesetzlichen Vorgaben nicht falsch verstanden werden. Sicher sei Energieeinsparung wichtig, doch der eingeschlagene Weg sei falsch. „Wir kleben die Energie, die wir nicht auf der Straße verfahren, zu einem großen Teil auf die Fassade”, kritisiert er die Verwendung der zumeist erdölhaltigen Dämmstoffe. Andererseits führe die Dämmung dazu, dass es bereits eine verstärkte Nachfrage für den Einbau von Klimaanlagen gebe, die geradezu als Energiefresser bekannt seien. „Es gibt mittlerweile in diesem Bereich zu viele Vorschriften, die einen gängeln, so dass alternative Ansätze, Energie einzusparen, überhaupt keine Chance haben.”

Günter Stoll ist mit der Newo Nellinger Wohnbau seit über 30 Jahren im Bauträgergeschäft und kennt den Markt wie nur wenige. „Das Wohnen ist eigentlich günstiger geworden”, sagt er. Vor der Wende habe der Quadratmeter Wohnraum noch 6000 D-Mark gekostet, heute liegen die Wohnungen im Schnitt pro Quadratmeter zwischen 2300 und 2400 Euro im Raum Ostfildern. Dafür seien aber die Ansprüche der Käufer gestiegen, ist seine Erfahrung. Ein Reihenhaus mit einem gewissen Qualitätsanspruch sei unter 330 000 Euro aber selbst im Scharnhauser Park nicht zu verwirklichen, schränkt Stoll ein. Das Problem mit der energetischen Sanierung sieht er eher bei der Altbausanierung. Im Neubau gehörten Fußbodenheizung, autarke Pelletheizungen oder der Einbau von Wärmepumpen und Fenster mit Schallschutzklasse 3 längst zum Standard. Beim regionalen Anbieter, der vorwiegend Eigentumswohnungen im Scharnhauser Park verkauft, werden vor allem Dreizimmerwohnungen bis 84 Quadratmeter und Vierzimmerwohnungen bis 100 Quadratmeter nachgefragt.

Auf die Zukunft seiner Branche angesprochen, ist Stoll davon überzeugt, dass diejenigen, die ihr Geschäft beherrschten und seriös am Markt agierten, keine Probleme bekommen werden. „In den Metropolen wird es immer Bedarf an qualifiziertem Wohnen geben”, ist sich der Unternehmer sicher. Das wird auch von den befragten Mitbewerbern so gesehen.

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