Halde 52 in Plüderhausen Anwohner wollen Bauvorhaben weiter verhindern

Hier soll im Plüderhäuser Norden eine Baulücke geschlossen werden. In der Nachbarschaft hat sich dagegen Widerstand geregt. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Plüderhausen. Zu massiv, zu hoch, zu nah an den Nachbarn – und mit viel zu vielen Wohnungen: Anwohner der Plüderhäuser Halde wollen den geplanten Lückenschluss in der Straße nach wie vor verhindern. Gemeinderat und Verwaltung sehen jedoch kein grundsätzliches Problem an dem Bauprojekt.

„Das ist völlig maßlos“, sagt einer der Anwohner im Gespräch und meint damit den terrassierten Bau, der in seiner Nachbarschaft nach dem Wunsch der Gemeinde kommen soll. Sieben Wohneinheiten sind laut Bebauungsplan vorgesehen. Das sei weit mehr als in der Umgebung üblich. Wie die anderen, die sich an uns gewandt haben, will der Mann nicht mit seinem Namen in der Zeitung stehen. Nur so viel: Beruflich kennt er sich mit der Baubranche aus. Und sagt: „Hier liegt kein öffentliches, sondern nur ein privates Interesse vor.“ Nämlich die Bebauung der Fläche mit möglichst vielen Wohnungen.

Anwohner: Wohnungen für Normalbürger schwer bezahlbar

Das „Totschlagargument“, dass in der Gemeinde Wohnungen gebraucht werden, lässt er nicht gelten. Denn so wie der Neubau angelegt ist, seien die Wohnungen für Normalbürger nur schwer bezahlbar. Und wenn tatsächlich so dringend Wohnraum gebraucht werde, wieso habe die Gemeinde sich dann statt einer Wohnbebauung für eine Grünfläche in der Ortsmitte eingesetzt? Am grünen Anger wäre aus seiner Sicht der bessere Platz gewesen für Wohnraum, der auch bezahlbar ist.

Der Anwohner stört sich aber auch an der geplanten terrassierten Flachdach-Bauweise. Die sei aus seiner Sicht weder zeitgemäß noch füge sie sich in die Umgebung ein, in der ausschließlich Satteldächer stehen. Lediglich das direkte Nachbargrundstück sei teilterrassiert – jedoch mit Satteldach.

Gebäude zu massiv und zu hoch für die Wohngegend

Er stört sich außerdem daran, dass für die Begründung des neuen Bebauungsplans auf einen in den 1970er Jahren geltenden zurückgegriffen wurde. Dort sei für ein paar Jahre tatsächlich ein Terrassenbau erlaubt gewesen. Allerdings gelte dieser bereits seit 1976 nicht mehr – und habe in der Regel eine Bebauung mit zwei Wohneinheiten vorgesehen. Das geplante Gebäude sei insgesamt zu massiv und zu hoch für diese von Einfamilienhäusern geprägte Wohngegend, findet er – und würde zudem bis an die Bebauungsgrenze reichen.

Angst vor Verlust der Privatsphäre und Parkplatzproblemen

Einige Nachbarn fürchten sich deshalb vor der Einschränkung ihrer Privatsphäre, sollte das Gebäude in dieser Größe gebaut werden. Sie erwarten außerdem ein sich ausweitendes Parkproblem. Denn die Straße ist eine Sackgasse, die am Ende, kurz hinter der Stelle, an die der Bau hinkommen soll, verengt ist. Schon jetzt komme es häufiger vor, dass Einfahrten zugeparkt werden. Auch könne die Müllabfuhr in diesen Straßenbereich nur rückwärts einfahren. Und der Bebauungsplan würde für die Halde 52 nur sieben Garagen vorsehen. Seine Einwendungen hat der Anwohner nicht nur uns gegenüber vorgetragen. Er hat sie auch längst schriftlich bei der Gemeinde eingereicht. Denn der Bebauungsplan ist zwar aufgestellt, aber noch nicht gültig.

Mittlerweile haben sich eine ganze Reihe von Nachbarn gegen die Bebauung des Hangs in dieser Form ausgesprochen. 33 Unterschriften von Gleichgesinnten seien bereits zusammengekommen.

Eine Familie hat sich direkt an einen Anwalt gewandt. In den schriftlichen Einwendungen, die uns vorliegen, heißt es: „Der Planung liegt kein tragfähiges städtebauliches Konzept zugrunde“. Der Anwalt schreibt außerdem, hier liege „ein klassischer Fall einer unzulässigen reinen Gefälligkeitsplanung vor“. Der Anwalt hält die Planung für rechtswidrig und beantragt daher, das Verfahren einzustellen.

Bauamtsleiter: "Es ist hervorragend, dass die Bürger jetzt kommen"

Bauamtsleiter Ludwig Kern gibt sich angesichts der Einwendungen betont gelassen. Mehr noch, er sagt: „Es ist hervorragend, dass die Bürger jetzt kommen und ihre Interessen vertreten.“ Allzu oft geschehe das nämlich erst hinterher. Die Verwaltung werde die eingegangenen Einwendungen detailliert durchgehen, abwägen und dann dem Gemeinderat erneut einen Beschlussvorschlag vorlegen.

Ein Stück weit sei das natürlich eine Frage des architektonischen Geschmacks, aber „nicht alles, was anders ist, fügt sich nicht ein“, findet Kern. Klar sei auch, dass Wohnraum gebraucht werde, das sei politischer Konsens und stehe auch bei der Halde 52 im Vordergrund. Unbestritten handle es sich hierbei nicht um sozialen Wohnungsbau. Doch indem dadurch anderswo Wohnungen frei werden, habe der Neubau ja auch wieder einen sozialen Effekt.

„Ich bin unschlüssig“, sagt hingegen Gemeinderätin Claudia Jensen (FW-FD) zu dem Projekt. Auch bei der Abstimmung über den Bebauungsplan hat sie sich deshalb enthalten. „Einerseits freue ich mich über jede Wohnung, die in Plüderhausen gebaut wird, aber grundsätzlich bin ich gegen Nachverdichtung.“ In Plüderhausen gebe es jetzt schon zu wenig Parkplätze. Dass für diesen Bebauungsplan die Zahl der Parkplätze pro Wohnung auf zwei statt wie in der Satzung vorgesehen 1,5 festgesetzt wurde, begrüßt sie aber.

Den Bedarf an Wohnraum im Blick behalten

Ulrich Scheurer (CDU) versteht durchaus die Bedenken der Anlieger. Wenn Baulücken geschlossen werden, sei die Akzeptanz meist nicht sehr groß. Das habe er bei anderen Verfahren auch schon erlebt. „Wir müssen aber auch das große Ganze im Blick behalten“. Und das sei eben der Bedarf an Wohnraum.

„Ich bin ja kein Anhänger der Schuhschachtelbebauung“, sagt SPD-Gemeinderat Klaus Harald Kelemen. „Aber in diesem Fall ist die Terrassierung einigermaßen sinnvoll.“ Auch sieben Wohnungen an dieser Stelle hält er für verträglich. Bebauungsplanänderungen seien außerdem nichts Ungewöhnliches. Und sich an einem 40 Jahre alten Plan sklavisch festzuhalten, sei, als würde man heute noch auf der Postkutsche beharren. Dass für die Halde mehr Parkplätze nötig sind, kann Kelemen aber nachvollziehen. Weshalb er sich dafür einsetzen werde, die Garagen tiefer in den Berg zu bauen, so dass 14 innere Stellplätze möglich sind – und nicht, wie momentan vorgesehen, sieben mit jeweils einem Stellplatz davor.

Wägner: Landratsamt wird Bauvorhaben zustimmen

Er habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, sagt Erich Wägner (GLU), „Optisch gefällt mir das zwar nicht, aber ich sehe keinen Grund, das abzulehnen. Wir sind ja nicht die Geschmackspolizei. Sonst würde Plüderhausen sicher anders aussehen.“ Wobei selbst bei einer Ablehnung durch den Gemeinderat das Landratsamt dem Bauvorhaben wohl dennoch zustimmen würde, gibt Wägner zu Bedenken.


Nächste Sitzung

Die nächste Sitzung des Plüderhäuser Gemeinderats ist am Donnerstag, 4. Juli, um 18.30 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses. Aller Voraussicht nach wird das Bauprojekt dann auf der Tagesordnung stehen.

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