Hanna Klein, Marcel Fehr, Nicolai Christ & Co. So lief die letzte Saison für das Schorndorfer Lauf-Team

Bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften im Berliner Olympiastadion Anfang August überraschte Nicolai Christ (links) die Konkurrenz. Foto: Ralf Görlitz

Es ist eine spannende Saison gewesen für das Schorndorfer Lauf-Team. Die Sportredaktion blickt mit Trainer Uwe Schneider zurück. Nicolai Christ ist der Aufsteiger des Jahres.

Nicolai Christ war 2015 Deutscher U-18-Meister über die 1500 Meter. Dann wurde es ruhiger um das Urbacher Lauftalent. Christ musste erfahren, mit welch harten Bandagen in den Verbänden gekämpft wird, verlor seinen Kaderstatus und trat sportlich kürzer. Er widmete sich einige Jahre seiner Ausbildung zum Physiotherapeuten, bestand die Prüfung 2018.

Den Mittelstreckenlauf verlor Christ nie aus den Augen, trainierte in „seinem“ Laufteam und nahm bei der Europameisterschaft 2018 in Berlin als akkreditierter Physiotherapeut teil. Im Olympiastadion traf er eine Entscheidung, welche die folgenden zwölf Monate veränderte: Christ wollte bei den deutschen Meisterschaften 2019 in Berlin im Finale des 800-Meter-Laufes der Männer stehen und dort nicht Letzter werden.

Christ zurück im aktiven Wettkampfgeschehen?

Zunächst herrschte ungläubiges Staunen im Laufteam um Marcel Fehr und Hanna Klein. Christ zurück im aktiven Wettkampfgeschehen? Sein Trainer Uwe Schneider freute sich, die beiden bastelten an einem Jahresplan bis August 2019. Christ schuftete täglich härter als jemals zuvor und fuhr seine Physio-Aktivitäten auf die Hälfte zurück, um mehr Zeit für das Training zu haben. Er verzichtete auf eine Hallensaison – nur die DM in Berlin zählte.

Es folgten Rückschläge. Zuerst erhöhte der Verband die meisten Normen zur DM-Teilnahme zum Teil drastisch. Dies führte beispielsweise dazu, dass bei den Frauen über 1500 Meter nur acht Läuferinnen im Finale standen und die Vorläufe abgesagt werden mussten.

In Berlin läuft Christ das beste Rennen seiner Karriere

Dann wollte Christ die verschärfte Norm über 800 Meter der Männer beim Soundtrack-Meeting in Tübingen unterbieten. Er war bereits warmgelaufen und saß im Start-Zelt, als der große Regen einsetzte. Nach über einer Stunde Wartezeit sagten die Veranstalter das Meeting ab. Der gefrustete Christ lief am selben Abend einen Trainingslauf über zehn Kilometer, wie er ihn schneller noch in keinem Wettkampf gelaufen ist.

Seinem Traum war er aber keinen Schritt nähergekommen – und dann kam der Lichtblick: Im Rahmen der süddeutschen Meisterschaften der Jugendlichen wurde als Ersatz für Tübingen in Koblenz ein 800-Meter-Lauf für Deutschlands Mittelstrecken-Asse angeboten. Christ zeigte, was er draufhat: Er unterbot mit 1:50,77 Minuten die Norm (1:51) deutlich.

Am 3. August stand Christ an der Startlinie im zweiten 800-Meter-Vorlauf der insgesamt 17 Teilnehmer aus Deutschland. Er lief sein bestes Rennen seiner Karriere, ein Rennen aus dem 800-Meter-Lauf- und Taktiklehrbuch. Er lief als Einziger an diesem Tag mit 1:50,67 Minuten persönliche Bestleistung und zog als Vierter ins Finale ein. Dort lief er wieder Bestleistung (1:50,55), wurde unter Deutschlands Besten auf Platz sechs notiert und hatte seinen Traum realisiert. Am nächsten Tage verkündete Christ seinem Trainer seinen Rücktritt vom Wettkampfsport. Er wolle wieder hundertprozentig Physio sein, sich weiterbilden, aber genauso selbstverständlich seinem Freund Marcel Fehr als Trainingspartner bis zu den Olympischen Spielen zur Seite stehen.

Für die deutschen Meisterschaften in Berlin qualifizierten sich aus dem Schorndorfer Laufteam mit Fehr, Christ, Klein und Gina Daubenfeld gleich vier Aktive – so viele wie noch nie. Mit Marcel Fehr, Nicolai Christ, Ludwig Sämann, Björn Deiss und Alexander Köber sind auch die Mannschaftsteilnehmer benannt, die in diesem Jahr über die 4 x 400 Meter und 3 x 1000 Meter so erfolgreich wie nie waren: Erster bei den baden-württembergischen Meisterschaften über 3 x 1000 Meter, Dritter bei den süddeutschen Meisterschaften über 4 x 400 Meter, Vierter bei den deutschen Hallenmeisterschaften über 4 x 400 Meter und Vierter bei den deutschen Staffelmeisterschaften über 3 x 1000 Meter. Das Team wird nun komplett auseinanderbrechen. Außer Christ werden auch Sämann und Köber ihre aktive Laufbahn beenden.

Bronzemedaille für das Frauenteam

Ähnlich sieht es im Frauenteam aus. Jahreshöhepunkt mit Hanna Klein, Gina Daubenfeld und Anna Becker war die Bronzemedaille bei der Staffel-DM über die 3 x 800 Meter. Bereits im Februar wurde Klein Deutsche Meisterin über die 1500 Meter in der Halle. Im April steigerte sie ihre 3000-Meter-Bestmarke in Doha auf 8:45 Minuten. Danach wechselte Klein den Trainer und wird nun von Isabelle Baumann aus Tübingen betreut (wir haben berichtetet).

Auch beim Frauenteam wird es ein Karriereende geben: Gina Daubenfeld hängt ihre Spikes nach einer tollen Saison an den Nagel. Sie wurde 2019 Baden-Württembergische Meisterin über 800 Meter bei den Frauen, holte über diese Distanz bei den süddeutschen Meisterschaften die Silbermedaille und qualifizierte sich für die deutschen Meisterschaften in Berlin.

Marcel Fehr hatte zu Beginn des Jahres einen Eingriff am Knie, den er aber bestens verarbeitet hat. Beim internationalen Meeting in Heusden ließ er bereits wenige Monate später über seine Spezialdistanz, die 5000 Meter, mit 13:43,67 Minuten eine Spitzenzeit folgen. Damit gehört er wieder klar zu den besten Langstrecklern Deutschlands (Platz sechs der aktuellen deutschen Rangliste).

Fehrs Fokus liegt bereits jetzt auf der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio.

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