Heavy Metal Teil 3 Vorurteile gegen Heavy-Metal-Fans

Was wird uns Metalheads nicht alles an den Kopf geworden! Wir seien ungebildet, unhygienisch, aggressiv, ständig besoffen, scheue Budenhocker, unhöflich. Das sind aber noch die netten Sachen, die einen zum Schmunzeln bringen. Es gibt aber auch böse Zungen, die uns noch schlimmer verschreien: Wir seien Satanisten oder sogar Nazis. Hier möchte ich mir mal die Zeit und den Platz nehmen, um zu all diesen Anfeindungen und Unterstellungen meinen Senf dazuzugeben und vielleicht sogar das Meinungsbild über uns ein wenig zu verändern.

Metalheads sind ungebildet

Ich könnte lange drum herumreden, dass ein Großteil (wenn nicht sogar alle) aller mir bekannten Metalheads ein weitaus größeres Maß an Intelligenz aufweisen als Leute mit anderem Musikgeschmack. Ich könnte auch darauf hinweisen, dass das Gymnasium die weiterführende Schule ist, die von Leuten, die Metal hören, im Vergleich zu Real- und Hauptschule überdurchschnittlich oft besucht wird. Damit hätte ich zwar recht, doch wie immer wollt ihr Aasgeier nur knallharte Fakten. Könnt ihr gerne haben: Im Jahre 2007 veröffentlichte der britische Psychologe Stuart Cadwallader eine Studie, welcher er mit seinem Team an der britischen University of Warwick durchgeführt hatte. Er hatte mit seinem Team 1000 Personen der National Academy for Gifted and Talented Youth (eine Organisation, die ihre Mitglieder aus den besten fünf Prozent der britischen Schüler im Alter zwischen 11 und 19 Jahren „rekrutiert“) befragt. Sein Ergebnis: Über ein Drittel dieser Personen hören Heavy Metal.

Eine weitere Tatsache: Heavy Metal ist neben klassischer Musik die wohl anspruchsvollste, wie der Musikwissenschaftler Dietmar Elflein in seinem Buch „Schwermetallanalysen“ beweist.

Metalheads sind unhygienisch

Woher dieses einfallsreiche Klischee stammt, ist wohl nicht schwer zu erraten. Es ist nun mal so, dass Metalheads meist lange Haare haben (egal ob Männlein oder Weiblein). Zudem besitzen insbesondere die Männlein auch eine (meist) große Haarpracht im Gesicht. Natürlich liegen da Gedankengänge wie „Ih, unhygienisch, die stinken bestimmt und waschen sich nie!“ relativ nahe. Dass sie aber totaler Schwachsinn sind, daran denkt wohl keiner. Zum Thema lange Haare: Hier appelliere ich insbesondere an euch Mädels da draußen (auch die, die kein Metal hören). Ihr müsst doch wissen, dass längere Haare einiges an Pflege benötigen. Weitaus mehr als kurze Haare, wie ich zum Leidwesen meines Geldbeutels rausfinden durfte. Da ist es leider nicht getan mit einmal kurz nass machen, abtrocknen und das war’s. Und auch wenn ich noch nicht viel von Bartpflege sagen kann (mit 17 Jahren ist da leider noch nicht so viel wie gewünscht), bin ich mir sicher, dass auch hier Pflege bitter nötig ist. Und die einzigen stinkenden Metalheads sind die, die nach drei Tagen Wacken zurück nach Hause kommen. Na ja, versucht ihr euch mal bei 100 000 Menschen und entweder heißem Sonnenschein oder einer schönen, matschigen Schlammschlacht sauber zu halten.

Metalheads sind total aggressiv

Auch hier möchte ich nicht lange um den heißen Brei herumreden, sondern auf eine Studie der schottischen Universität Heriot-Watt in Edinburgh verweisen. In dieser Studie hatten Forscher herausgefunden, dass Metal-Fans eigentlich ganz entspannt und sanft sind. Das Klischee des aggressiven Metalheads hat sicherlich zwei Gründe, die auf den ersten Blick eben diesen Gedanken zulassen: Zum einen wäre da natürlich die Aggressivität der Musik. Dass die Musik aggressiv und hart ist, steht außer Frage.

Daraus aber gleich auf aggressive Hörer zu schließen, ist absolut falsch. Der zweite Grund sind die Konzerte. Wenn man dort eine Wall-of-Death oder ein Mosh-Pit sieht (oder auch nur den Namen hört), dann kann man ebenfalls schnell auf aggressive Hörer schließen. Aber gerade durch Wall-of-Death und aggressive Musik schaffen es Metalheads, ihre ganzen angestauten Aggressionen und Emotionen abzubauen. Ich bin bisher noch keinem aggressiven Metalhead über den Weg gelaufen, hingegen bekommt man bei jedem zweiten Hip-Hop-Hörer ein „Was kuksch du so doof? Willscht auf die Fresse?“ hinterhergeworfen.

Metalheads sind dauerbesoffen!

Ich möchte gar nicht abstreiten, dass Metalheads viel Alkohol konsumieren, denn das stimmt. Jedoch hab ich ehrlich gesagt wenige Metalheads getroffen, die trotz hohem Alkoholpegel aggressiv oder auf eine Schlägerei aus waren. Nichtsdestotrotz haben Metalheads einen hohen Alkoholkonsum. Möglicherweise mag das unser einziger Makel sein. Wenigstens dieses Vorurteil ist also nicht ganz aus der Luft gegriffen. Aber sind wir Heilige? Oder gar perfekt? Zudem möchte ich anmerken, dass Metalheads sicherlich nicht die einzigen Menschen sind, die (viel) Alkohol konsumieren.

Metalheads sind alles Satanisten

Wohl eines der bekanntesten und hartnäckigsten Vorurteile. Schuld daran sind Religionsfanatiker, die zum einen alles todernst nehmen, was sie hören, und andererseits meinen, sie können durch Rückwärtsspielen von CDs satanistische Botschaften raushören. Natürlich hat auch die Black-Metal-Szene einen großen Teil dazu beigetragen. Durch Kirchenverbrennungen im extremen und Satansverherrlichung im (meist) allgemeinen Fall. Jedoch darf man von einem Genre nicht auf den ganzen Musikstil schließen, zumal das im Genre auch nicht immer der allgemeine Fall und schon gar nicht ernst gemeint ist. Das wäre, als würde man vom ekelerregenden Geschmack von Brokkoli auf jede andere Gemüsesorte schließen. Außerdem möchte ich anmerken, dass wirklich viele der achso-satanistischen Black Metaller nur Möchtegern- und Pseudosatanisten sind und „Heil Satan“ nur rufen, um ja so rebellisch wie möglich zu sein. Natürlich gibt’s auch die Fraktion, die das Ganze nur aus Spaß macht, so doof das auch klingen mag. Ich denke, der Anteil an wirklich praktizierenden, ernstmeinenden Satanisten ist im Metal nicht arg viel größer als in der restlichen Bevölkerung.

Metalheads sind Nazis Auch wenn diese Behauptung (leider) nicht ganz unbegründet ist, ist sie trotzdem, da verallgemeinernd, die haarsträubendste! Zwar hat sich der braune Dreck im Metalbereich eingeschlichen und sicherlich einige Menschen vergiftet, jedoch sollte nicht vergessen werden, dass der Großteil aller Metalheads sich davon abwendet, ja sogar dagegen vorgeht. Man darf auch nicht vergessen, dass Metal auch Einflüsse des Punks besitzt und es ist ja weitläufig bekannt, dass Punks und Nazis sich so gern haben wie Tom und Jerry oder Itchy und Scratchy. Auch hier bin ich mir sicher, dass der Teil der Nazis im Metalbereich nicht größer ist als in vielen anderen Lebensbereichen. Und die Metalszene kämpft auch dagegen! Nur dachten sich die Medien, als bekanntwurde, dass es Nazis im Metal gibt: Hey, wir haben was Neues, um auf Metal rumzuhacken, machen wir es öffentlich. Also um das noch mal klarzustellen: Abgesehen von einigen verunglückten Ausnahmen sind Metalheads keine Nazis.

Leider wird auch oft das von vielen Metalheads dem Christentum gegenüber bevorzugte Heidentum als Anzeichen von nationalsozialistischem Gedankengut gedeutet. Hier möchte ich nun einen Mit-Metaller zitieren, der dies vortrefflich auf den Punkt gebracht hat: „Das moderne Heidentum ist ein Wiedererwachen des Glaubens an die vorchristlichen Göttinnen und Götter Europas, welche nie ganz verschwanden und in Sagen und Geschichten überlebten. Keine dieser überlieferten Sagen, Geschichten und Gebote der Göttinnen und Götter erwähnt mit einem Wort, dass wir uns über Menschen anderer Kultur, Haut- oder Haarfarbe oder „Rasse“ stellen sollten, oder dass wir eine Menschenart besonderer Art, Reinheit und Herkunft wären.

Daher ist es wichtig, der Öffentlichkeit zu zeigen, dass Rassismus, Nazis, Nationalsozialismus und die Überlegenheit der weißen Rasse nicht mit dem Grundgedanken des Heidentums oder des germanischen/nordischen Glaubens übereinstimmen. Rechte, Neo-Nazis und Rassisten, welche sich selbst Heiden nennen, identifizieren sich vor allem über germanische Symbolik, die ursprünglich nie etwas mit Rassismus, Hautfarbe, rassischer oder genetischer Überlegenheit oder einer sogenannten „Art“ gemein hatte.

Allein durch die Völkerwanderungen verschiedener europäischer Völker fand eine genetische Vermischung statt, die eine überlegene nordische oder germanische Rasse in das Reich der Fantasie verbannt. Jeder konnte dem Glauben an die alten Gottheiten unabhängig von Herkunft und Hautfarbe folgen und jeder sollte dieses auch heute unabhängig von Hautfarbe und Herkunft weiterhin tun können.“ Und nein, ich möchte hiermit niemanden zum bekennenden Heiden machen, jedoch wollte ich auch mit diesem Vorurteil klipp und klar aufgeräumt haben.

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