Winnender Wunnebad Dieser 17-Jährige hat einem Kind das Leben gerettet

Aris Kolovos vor dem Wunnebad, wo er ein lebloses Mädchen aus dem Wasser geholt hat. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Winnenden. Für Ersthelferkurse mit Herzdruckmassage und Beatmung hat sich Aris Kolovos bisher null interessiert. Obwohl’s an seiner Schule Sanitätergruppen gibt. Doch seit dem 19. Juni ist das Interesse des 17-Jährigen an so einer Fortbildung geweckt: An dem Tag hat er ein lebloses Kind aus dem Erlebnisbecken des Wunnebads gezogen.

„Ich bin nach der Schule oft im Wunnebad, am liebsten im Erlebnisbecken und auf der Rutsche“, erzählt Aris auf Bitte und Einladung unserer Zeitung. Die Freundesclique trifft sich dort immer am gleichen Platz und hat ihren Spaß bei der Abkühlung. „Ich war im Wasser und sah einen älteren Mann, der das leblose Kind im Arm hielt. Ich dachte, das dauert zu lange, bis er es aus dem Becken bringt.“ Aris Kolovos schnappte sich das Mädchen, brachte es zum Beckenrand und übergab es der Aufsicht*. „Der Bademeister hatte schon mitbekommen, dass es einen Unfall gegeben hatte. Er belebte das Kind wieder. Eine Krankenschwester, die zufällig im Bad war, half mit.“ Aris schaute zu und sah erleichtert, dass das Kind wieder zu sich kam. Die Rettungssanitäter holten es ab, Badmitarbeiter schützten es vor Handykameras mit einem Sichtschutz. Der 17-Jährige ging wieder schwimmen, alles cool, alles ganz normal.

Seine jüngste Schwester ist ebenfalls acht Jahre alt, kann aber schwimmen

Aris schmückt sich nicht mit fremden Federn, ist aber stolz auf seine schnelle Reaktion. „Der Bademeister und die Krankenschwester bedankten sich bei mir – die Mutter des Kindes konnte nicht wissen, dass ich es war.“ Weil die Frau mit ihrem jüngeren Kind in einem anderen Becken war, ging das achtjährige Kind auf eigene Faust ins Wasser und ertrank beinahe. Es konnte gar nicht schwimmen.

Der 17-jährige Winnender ist seit dem Vorfall noch aufmerksamer im Bad. „Ich beobachte kleine Kinder mehr als vorher. Ich habe den Eindruck, dass sich manche Mütter nicht so sehr kümmern.“ Er hat selbst eine Schwester in dem Alter. „Doch sie konnte, wie ich auch und alle weiteren vier Geschwister, schon mit fünf Jahren schwimmen.“ Oft gehen Aris und seine Schwester zusammen ins Wunnebad, aber weil sie gut schwimmen kann und der Altersunterschied groß ist, macht dann jeder sein eigenes Ding.

Er ist einmal die Woche, wenn möglich, im Schwimmtraining

Aris schwimmt so gern, dass er, wenn möglich, auch einmal die Woche im Schwimmverein in Waiblingen-Neustadt trainiert. „Den Kumpels dort habe ich es auch erzählt. Dass ein Kind beinahe ertrinkt und man es retten muss, so etwas hat noch niemand erlebt, das passiert eher selten“, denkt und hofft der 17-Jährige. Auch seinen Eltern hat er’s natürlich am Abend erzählt, dass er der Retter war - von dem Vorfall gehört hatten sie aber vorher schon. „Sie waren stolz auf mich und sagten: So muss es sein.“

Demnächst also wird man Aris bei einem Ersthelferkurs antreffen. Nicht nur wegen des Badeunfalls. „Ich brauche ihn ja auch, um meinen Führerschein zu machen“, gibt er ehrlich zu.

*in unserer ursprünglichen Fassung hieß es: "stieg aus dem Becken und trug es schnell zur Schwimmmeisterzentrale, die sich ungefähr in der Mitte des Erlebnisbeckens befindet, nicht weit vom Eingang entfernt". Wir bedauern die in diesem Punkt falsche Wiedergabe des Ablaufs.  


Auch Fußballer

Von dem Badeunfall und der Rettung des achtjährigen Mädchens hat unsere Zeitung etwas später erfahren und am 25. Juni berichtet.

Der Kontakt zum Retter Aris Kolovos ist über soziale Medien zustande gekommen, in denen seine Freundin die Nachricht verbreitet hat.

Aris Kolovos ist in Waiblingen geboren, drei Jahre lebte die Familie aber während seiner Kindheit in Griechenland.

Er besucht die Geschwister-Scholl-Realschule, ist ab September in der zehnten Klasse. In seiner Freizeit trainiert er seit zehn Jahren beim BSB Fußball in Berglen-Steinach.

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