Hinrichtungsstätte des KZ Welzheim Henkerstein liegt versteckt im Wald

Eine Tafel sowie eine Informationswand erinnern an die dunkle Vergangenheit des Henkersteinbruchs, zwischen Welzheim und der Laufenmühle im Wald gelegen. Foto: ZVW/Rainer Stütz

Welzheim. Vielen in Welzheim und Umgebung ist der Henkerstein ein Begriff. An der Landesstraße zwischen Welzheim und Laufenmühle liegt die Gedenkstätte versteckt in den Wald gerückt. Parkplätze gibt es dort in diesem Bereich nicht, so dass der Interessierte zumindest ein Stück zu Fuß an der Straße entlanglaufen muss, um dorthin zu gelangen.

Die Stadt Welzheim hat in den vergangenen Jahren die KZ-Gedenkstätten mit dem Historischen Verein aufgearbeitet. In Welzheim wurde im Jahr 1935 auf Betreiben der Gestapoleiststelle Stuttgart ein Schutzhaftlager im ehemaligen Amtsgerichtsgefängnis eingerichtet. Das Lager firmierte unter der Bezeichnung „Polizeigefängnis Welzheim“ Es war eine Nebenstelle der Gestapoleitstelle Stuttgart (Hotel Silber). Der Begriff „Konzentrationslager“ wurde aber sorgfältig vermieden, die Art des Lagers entsprach jedoch einem Konzentrationslager, erläutert der fachkundige Wolfgang Grabe.

Mindestens 65 Todesurteile wurden vollstreckt

Die Häftlinge im KZ Welzheim wurden nicht wie in anderen Konzentrationslagern systematisch vernichtet, aber mindestens 65 Todesurteile wurden wegen Delikten wie Spionage, Diebstahl, Fluchtversuch und Rassenschande durch Erhängen und Erschießen vollstreckt. Auch aus anderen Lagern oder direkt von der Gestapoleitstelle Stuttgart sind Häftlinge nach Welzheim überführt und dann hingerichtet worden. Die Hinrichtungen fanden im sogenannten Henkersteinbruch statt.

Die Hingerichteten, die im KZ Verstorbenen und weitere Opfer der NS-Gewaltherrschaft wurden auf dem Friedhof in Massengräbern anonym und würdelos verscharrt. Die Reihengräber auf dem Friedhof sowie die Hinrichtungsstätte „Henkersteinbruch“ wurden 2015 als Gedenkstätten anlässlich des 70. Jahrestags der Räumung des KZ Welzheim um- beziehungsweise neu gestaltet.

„Das Konzentrationslager in Welzheim ist ein trauriges und erschütterndes Kapitel in der Welzheimer Geschichte“ schreibt Ursula Marquardt in ihrem Buch „Damals in Welzheim“. Gerd Keller und Graham Wilson haben die Informationen in der Dokumentation „Konzentrationslager in Welzheim“ zusammengefasst. Diese Dokumentation stützt sich überwiegend auf Gespräche mit ehemaligen Häftlingen und Welzheimer Zeitzeugen. Demnach war die Welzheimer Bevölkerung anfangs der Meinung, dass im KZ entweder nur Politische oder Kriminelle eingesperrt waren. Was innerhalb des Lagers passierte, konnten sich die Menschen zusammenreimen.

Welzheimer Bevölkerung unterstütze die Inhaftierten

Die Anwohner sahen die Einlieferung, die Misshandlungen vom Auto bis zu Lager, sie hörten die Schreie der Geschlagenen und das Geschrei der Schläger. Die Misshandlungen der Häftlinge, ihr verhungertes Aussehen sowie die brutalen Methoden der SS veranlassten die Welzheimer Bevölkerung, die Inhaftierten zu unterstützen. Zuerst war das auch ganz offen möglich, denn man konnte den Gefangenen bei Straßenbauarbeiten oder wenn sie zum Arbeitseinsatz in die Welzheimer Betriebe marschierten, Obst oder Brot zustecken. Später war es gefährlich, den Gefangenen zu helfen, weil die SS mit Verhaftungen und Einlieferung ins KZ drohte. Man konnte nur irgendwo ein Vesper, einen Apfel hinlegen und hoffen, dass der Gefangene fündig wird.

Ein Beispiel offener Sympathie mit den Gefangenen zeigte die Stadtkapelle. Ein früherer Gefangener erzählte: „Es war Weihnachten, da fing die Stadtkapelle an, vor dem KZ zwei Choräle zu spielen. Als die SS das hört, sind sie raus, haben die Musiker vermöbelt und vertrieben.“

Weitere Informationen auch über Führungen zu den Gedenkstätten: Historischer Verein Welzheimer Wald e. V.; www.museumwelzheim.de; Stadtverwaltung Welzheim, Tourismusinfo, Kirchplatz 3; Telefon 0 71 82/80 08-15.


Ein Stück Geschichte

Ein Kommentar von Redakteur Rainer Stütz

Der Historische Verein Welzheimer Wald und die Stadt Welzheim haben in den vergangenen Jahren viel getan, um die Nazizeit in der Stadt ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken. Gedenkstätten wurden errichtet oder neu gestaltet, Hinweis-und Informationstafeln aufgestellt. Das KZ Welzheim gehört zur Heimatgeschichte, ob man will oder nicht.

Lange führte der Henkerstein im dunklen Wald zwischen Welzheim und der Laufenmühle ein Schattendasein. Mit einer Tafel und roten Stelen wird jetzt auf diese Gedenkstätte hingewiesen. Doch ein Besuch gestaltet sich schwierig. Offizielle Parkplätze sind keine vorhanden. Wer im Vorbeifahren die Gedenkstätte entdeckt, kann nicht mehr anhalten. Es fehlen an der Straße vorneweg Hinweisschilder auf den Henkerstein. Nur zu Fuß über die vielbefahrene Landesstraße kann der Interessierte zur Gedenkstätte gelangen.

Sicherlich ist es schwierig, im Wald Stellplätze zu schaffen, weil sie ja auch immer ein Eingriff in die Natur darstellen. Andererseits kann die Gedenkstätte ihre Aufgabe nicht richtig erfüllen, wenn der Besucher nur sehr schwer dort hingelangen kann. Aber Platz für einige Pkw und einen Kleinbus sollte schon vorhanden sein. Die Flächen müssen ja nicht geteert sein und können naturnah angelegt werden.

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