Rekord-Temperaturen erwartet Muss ich bei dieser Hitze wirklich arbeiten?

, aktualisiert am 25.06.2019 - 13:25 Uhr
In der Online-Redaktion zeigte das Thermometer im letzten Sommer teilweise saftige 31 °C an. In diesem Jahr trauen wir uns kaum zu messen. Foto: Utz/ZVW

Waiblingen. Für Mittwoch, den 26. Juni erwartet der Deutsche Wetterdienst Temperaturen von bis zu 40 Grad. Müssen Sie als Arbeitnehmer trotzdem im Job vor sich hin schwitzen? Wir haben Antworten.

Sie erinnern sich bestimmt: Als Kind hatte man im Hochsommer öfter mal hitzefrei. Der Rektor musste zu einer bestimmten Uhrzeit die Temperatur messen, und wenn das Thermometer zu viel anzeigte, dann war Feierabend. Alle durften nach Hause.

Gilt das auch für Arbeitnehmer? Die Rechtslage (vor allem in den Arbeitsstättenrichtlinien nachzulesen) ist hier relativ eindeutig, liefert Arbeitgebern aber verschiedene Möglichkeiten, auf zu hohe Temperaturen zu reagieren.

Ab wann ist es zu heiß? 

Generell gilt: Im Raum, in dem sie arbeiten, sollte die Temperatur 26 °C nie übersteigen. Die Betonung liegt auf sollte. Dem Arbeitgeber wird hier zwar per Gesetz nahe gelegt, gewisse Maßnahmen zu ergreifen, verpflichtet ist er dazu aber nicht. Bestimmte Personengruppen wie Jugendliche, Schwangere, stillende Mütter und ältere Menschen gelten aber bereits bei diesen Temperaturen als gefährdet.

Anders sieht das bei Temperaturen über 30 °C aus. Wenn das Thermometer diesen Wert erreicht, sind die Maßnahmen nicht länger optional. Diese können zum Beispiel sein: 
 

  • Effektive Steuerung des Sonnenschutzes (z. B. Jalousien auch nach der Arbeitszeit geschlossen halten)
  • Effektive Steuerung der Lüftungseinrichtungen (z. B. Nachtauskühlung)
  • Reduzierung der inneren thermischen Lasten (z. B. elektrische Geräte nur bei Bedarf betreiben)
  • Lüftung in den frühen Morgenstunden
  • Nutzung von Gleitzeitregelungen zur Arbeitszeitverlagerung
  • Lockerung der Bekleidungsregelungen
  • Bereitstellung geeigneter Getränke (z. B. Trinkwasser)


Ab 35 °C ist dann Schluss: Der Raum ist nicht länger zum Arbeiten geeignet, und sofern ihr Arbeitgeber Ihnen keinen anderen, kühleren Raum zur Verfügung stellen kann, dürfen sie nach Hause gehen. Aber: Sollte die Temperatur wieder sinken (und sei es weil ihr Chef eine Armee an Ventilatoren aufgestellt hat), kann es durchaus sein, dass Sie wieder an ihren Arbeitsplatz zurück müssen.

Was muss ich messen?

Temperatur ist nicht gleich Temperatur. In den sogenannten Arbeitsstättenrichtlinien (ASR) wird unterschieden zwischen:
 

  1. Raumtemperatur: Die Raumtemperatur ist die vom Menschen empfundene Temperatur. Sie wird u. a. durch die Lufttemperatur und die Temperatur der umgebenden Flächen (insbesondere Fenster, Wände, Decke, Fußboden) bestimmt.
  2. Lufttemperatur: Die Lufttemperatur ist die Temperatur der den Menschen umgebenden Luft ohne Einwirkung von Wärmestrahlung.
  3. Klimasummenaß: Ein Klimasummenmaß ist eine Zusammenfassung von mehreren Klimagrößen (Lufttemperatur, Luftfeuchte, Luftgeschwindigkeit, Wärmestrahlung).


Für die meisten Arbeitsstätten ist lediglich die Lufttemperatur von Bedeutung. Von dieser kann auf die Raumtemperatur geschlossen werden. 

Weiter heißt es in den ASR: Arbeitsplätze mit hoher Luftfeuchte, Wärmestrahlung oder Luftgeschwindigkeit müssen gesondert betrachtet werden. Dann sind diese Klimagrößen zusätzlich einzeln oder gegebenenfalls nach einem Klimasummenmaß zu bewerten.

Wie muss ich messen?

Das Thermometer muss a) strahlengeschützt und b) auf eine maximale Abweichung von +/- 0,5 °C geeicht sein. 

Arbeiten sie im Sitzen? Dann messen Sie an ihrem Arbeitsplatz in einer Höhe von 60 cm.

Arbeiten sie im Stehen? Dann sind 110 cm die richtige Höhe.

Jetzt weiß ich: Es ist zu heiß. Was nun? 

Zuallererst: Sagen Sie ihrem Chef Bescheid. Weisen Sie ihn auf die Rechtslage hin. Er sollte in jedem Fall die Chance bekommen, ihre Arbeitsumstände zu verbessern oder anderweitig zu reagieren. Tut er das nicht, können Sie dann den Betriebsrat einschalten.


Arbeiten im Freien

Für Bauarbeiter, Dachdecker, Gärtner & Co. gibt es keine gesetzlichen Bestimmungen die Arbeitgeber dazu verpflichten, hitzefrei zu gewähren. Dennoch haben auch sie Verpflichtungen gegenüber ihren Mitarbeitern.

Bei Hitze müssen Sie gemäß der Fürsorgepflicht ...

  • ... darauf achten, dass die Mitarbeiter genügend Pausen machen - im Schatten. Pausenzeiten müssen ggf. auch verlängert werden.
  • ... wenn möglich die Arbeitszeiten teilweise in Stunden mit geringeren Temperaturen verlegen.
  • ... ausreichend Getränke zur Verfügung stellen.
  • ... passende Arbeitskleidung bereitstellen.
  • ... (schwere) Tätigkeiten nach Möglichkeit verschieben - wenn es der Ablauf zulässt sogar auf kühlere Tage.
  • ... bei extremen Temperaturen künstlich Schatten schaffen

Auch gut zu wissen: Wer aufgrund von Hitze krank wird, hat ein Recht auf Lohnfortzahlungen, in manchen Fällen wird der Arbeitgeber bei Verletzung seiner Fürsorgepflicht sogar zur Verantwortung gezogen.

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