Hitzlsperger wird neuer Vorstandsboss Warum der VfB auf eine interne Lösung setzt

Die Entscheidung ist gefallen, Thomas Hitzlsperger wird der (ganz) starke Mann beim VfB Stuttgart. Foto: ZVW/Danny Galm

Stuttgart.
In 40 Monaten hat es Thomas Hitzlsperger beim VfB Stuttgart ziemlich weit gebracht. Anfang Juni 2016 kehrte der ehemalige Kapitän mit einer Jobbeschreibung zu seinem Ex-Club zurück, die zu lang war für Visitenkarten. Nun ist die Entscheidung für ihn als künftigen Vorstandsvorsitzenden des Zweitligisten gefallen. Vom „Beauftragten des Vorstandes in der Schnittstelle zwischen der Vereinsführung und dem Lizenzspielerbereich“ zum Vorstandsboss in etwas mehr als drei Jahren: Eine steile Karriere für den 37-Jährigen, der am 15. Oktober offiziell das neue Amt übernimmt - und sich am Dienstag auf einer Pressekonferenz zu seiner Beförderung äußerte.

Die wichtigsten Aussagen und Themen der PK kompakt zusammengefasst:

Wer wird der neue Sportvorstand?

Es gibt keinen. Thomas Hitzlsperger wird beide Ämter künftig in Personalunion führen. Der Vertrag des 37-Jährigen läuft bis zum Oktober 2022. Der aktuelle Sportdirektor Sven Mislintat bleibt also vorerst Sportdirektor.

Wer hat sich sonst noch auf den Posten beworben?

Vor der Besetzung der neu geschaffenen Position hatte der Aufsichtsrat der Schwaben seit dem späten Frühjahr Gespräche mit insgesamt neun Kandidaten geführt. Das erklärte der Aufsichtsratschef Bernd Gaiser.

So soll sich das Gremium unter anderem mit Bernhard Heusler (zuletzt Präsident des FC Basel) und Robert Schäfer (zuletzt Vorstandsboss von Fortuna Düsseldorf) getroffen haben. Schlussendlich wählte man nun die interne Lösung. Der beim VfB-Anhang sehr beliebte Hitzlsperger, der in Stuttgart eine breite Basis bei Mitgliedern, Fans und auf den Fluren der Geschäftsstelle hinter sich weiß, bekommt also die nächste Beförderung.

Im Gegensatz zu Oliver Kahn, der von Januar an beim FC Bayern München ein Jahr lang eingearbeitet werden und dann Karl-Heinz Rummenigge als Vorstandsboss ablösen soll, sind von Hitzlsperger keine Erfahrungen in der Wirtschaft oder ein entsprechendes Studium bekannt.

Dennoch hat der 37-Jährige den aktuellen Aufsichtsrat der VfB Stuttgart 1893 AG mit Gaiser und dem Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth an der Spitze überzeugt. Am Dienstag sagte er: „Wenn das entscheidend ist, was man in den ersten 18 oder 20 Jahren in seinem Leben gemacht hat, dann hätte ich keine gute Prognose gehabt. Ich habe mich entschieden, zu kämpfen.“

Warum hat sich der Aufsichtsrat für Thomas Hitzlsperger entschieden?

„Ich bringe Vieles mit, was man dafür braucht. Was das wichtigste ist: Was ich noch nicht weiß, möchte ich erlernen. Ich möchte damit Vorbild sein für andere. Nur weil ich etwas jetzt nicht kann, heißt das nicht, dass es für immer ausgeschlossen ist“, sagt Hitlzsperger selbst und betont: „Ich bin sehr, sehr glücklich.“ 

Für VfB-Ehrenpräsident Erwin Staudt ist Hitzlspergers Beförderung „eine völlig richtige Entscheidung“. Denn Staudt hatte sich in den vergangenen Wochen stets öffentlich dagegen ausgesprochen, einen externen Mann an die Spitze des Gremiums zu setzen.

Der Aufsichtsrat teilte diese Einschätzung. Hitzlsperger habe sich von den am Anfang neun Kandidaten als „die eindeutig beste Wahl für den Vorstandsvorsitz herauskristallisiert“, sagte Gaiser. Der Aufsichtsratschef kündigte zudem an, dass der künftige Präsident, der am 15. Dezember gewählt wird, wie zuletzt auch den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden bekleiden wird. 

Was plant Hitzlsperger als neuer Vorstandsboss?

„Der VfB braucht keinen Neustart auf allen Ebenen, sondern muss sich noch mehr auf seine Stärken besinnen und an manchen Stellen mehr Schwung aufnehmen“, sagt der ehemalige Nationalspieler, der mit den Schwaben 2007 deutscher Meister geworden war. Konkret formulierte „Hitz the Hammer“, wie der Mittelfeldspieler aufgrund seiner Schussgewalt von den Fans in England getauft wurde, am Dienstag drei Ziele: „Den direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga, die Weiterentwicklung unserer Infrastruktur, speziell der Mercedes-Benz Arena, und die Beibehaltung unserer wirtschaftlichen Stärke.“

Wie läuft die Suche nach dem zweiten Investoren?

Auch in dieses Themengebiet muss sich Thomas Hitzlsperger nun einarbeiten. Und dafür wird er Zeit benötigen. Das hat zur Folge, dass der VfB sehr wahrscheinlich erst im kommenden Jahr einen zweiten Geldgeber präsentieren wird. „Meine Prognose geht schon etwas über den Jahreswechsel hinaus“, sagte Bernd Gaiser am Dienstag.

Ursprünglich hatte der ehemalige VfB-Präsident Wolfgang Dietrich einen zweiten Investor neben der Daimler AG bis Ende Juni präsentieren wollen. Der Fußball-Zweitligist will bis zu 24,9 Prozent der Anteile an seiner Fußball AG an Investoren veräußern und damit 100 Millionen Euro einnehmen. Ankerinvestor Daimler hat für 11,75 Prozent davon 41,5 Millionen Euro bezahlt.

Die komplette Pressekonferenz mit Thomas Hitzlsperger und Bernd Gaiser zum Nachsehen hier im Video:


Kurzbiografie Thomas Hitzlsperger

Geboren: 5. April 1982 in München

Vereine als Spieler: FC Bayern München, Aston Villa, FC Chesterfield, VfB Stuttgart, Lazio Rom, West Ham United, VfL Wolfsburg, FC Everton

Erfolge als Spieler: Deutscher Meister 2007 mit dem VfB Stuttgart, WM-Dritter 2006, EM-Zweiter 2008

Bundesligaspiele (Tore): 131 (20)

Länderspiele (Tore): 53 (6)

Stationen als Funktionär: Berater VfB Stuttgart (06/2016 - 02/2018), Präsidiumsmitglied VfB Stuttgart (07/2017 - 02/2019), Leiter Nachwuchsabteilung (02/2018 - 02/2019), Sportvorstand VfB Stuttgart (seit 02/2019)


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