Hochrisikospiel gegen den KSC Warum der VfB im Derby mehr unter Druck steht

VfB-Kapitän Marc Oliver Kempf gibt sich vor dem Duell mit dem KSC siegessicher. Foto: Tom Weller/dpa/Archivbild

Stuttgart/Karlsruhe.
Wenn am Sonntag die beiden Erzrivalen VfB Stuttgart und Karlsruher SC zum baden-württembergischen Zweitliga-Derby aufeinandertreffen, herrscht bei den Sicherheitskräften Alarmstufe rot. Für den VfB steht aber auch sportlich einiges auf dem Spiel. In Fußball-Deutschland gibt es neben Borussia Dortmund gegen Schalke 04 oder Hamburger SV gegen den FC St. Pauli kaum ein so hochemotionales Derby wie das des VfB Stuttgart gegen den Karlsruher SC. Nach den wilden Szenen im April 2017, als KSC-Fans in Stuttgart beim 2:0-Sieg des VfB mit Leuchtraketen fast einen Spielabbruch provozierten, hoffen dieses Mal alle auf ein friedliches Duell. Ein Sieg wäre für Stuttgart fast wichtiger als für die Gäste, sonst könnte der Bundesliga-Absteiger im Aufstiegsrennen den Anschluss verlieren. 

Wir beantworten die wichtigsten Fragen vor dem brisanten Landesduell.

Wie ist die sportliche Situation der beiden Clubs?

Nach vier Niederlagen in den vergangenen fünf Zweitliga-Spielen droht dem Tabellendritten VfB der Fall aus der Aufstiegszone. Bei einer weiteren Pleite könnten die Verfolger 1. FC Heidenheim und Erzgebirge Aue bei eigenen Siegen am VfB vorbei auf Rang drei und damit den Aufstiegsrelegationsplatz ziehen.

Der KSC hat zwar seit dem 13. September nicht mehr gewonnen, dank sieben Unentschieden in Serie und drei Punkten Vorsprung auf die Abstiegszone ist im Wildpark vorerst aber noch alles im Lot.

Wer steht unter größerem Druck?

Eindeutig der VfB und sein Trainer Tim Walter. Schon nach dem 2:6-Debakel beim Hamburger SV drohte die Stimmung am Cannstatter Wasen zu kippen. Doch dank des DFB-Pokalsiegs beim HSV drei Tage später und des folgenden 3:1 gegen Dynamo Dresden wurde die Gefahr zunächst gebannt. Im Falle einer weiteren Pleite gegen Karlsruhe würden Fans und Umfeld aber womöglich nicht mehr still halten und Walters Spielphilosophie hinterfragen. Walters Karlsruher Pendant Alois Schwartz hat in dieser Hinsicht (noch) nichts zu befürchten. Nach der Zweitliga-Rückkehr des KSC genießt er hohes Ansehen. Das würde sich auch bei einer Niederlage zumindest vorerst kaum ändern.

Wie ist die Sicherheitslage rund um das Spiel?

Wenn sich sogar der Bundestrainer zu einem Zweitligaspiel äußert, muss die Brisanz besonders hoch sein. "Ich hoffe, dass alles mit fairen Mitteln abläuft. Seid vernünftig, unterstützt eure Mannschaft, aber bleibt fair", sagte am Dienstag Joachim Löw, der einst bei beiden Vereinen Profi und Trainer war. Um Szenen wie im April 2017 vorzubeugen, als die Partie in Stuttgart vor dem Abbruch stand, greifen bei dem Hochrisikospiel dieses Mal besondere Maßnahmen.

Es gibt im Stadion nur alkoholfreies Bier, neben den KSC-Fans bleiben Blöcke als Puffer leer. Fahnen (außer Zaunfahnen), Spruchbänder und Choreographien sind den KSC-Fans untersagt. Eine Garantie, dass es friedlich bleibt, gibt es bei diesem Derby aber nicht. Allerdings ist die Brisanz zumindest sportlich nicht ganz so hoch wie 2017, als der KSC in der Saisonendphase kurz vor dem Abstieg stand.

Welche brisanten Derbys gab es in der jüngeren Vergangenheit?

Der 9. April 2017 mit dem drohenden Spielabbruch war einer der Tiefpunkte in dieser Derby-Historie. Doch auch am 1. März 2009 hatte es in Karlsruhe am Rande des Bundesliga-Spiels aus beiden Fan-Lagern Krawalle gegeben. Nach dem 3:1-Sieg des VfB am 21. September 2008 wurden beim Einsatz einer Reiterstaffel der Polizei mehrere KSC-Fans verletzt. Die Partie am 23. Februar 2008 in Stuttgart litt wie 2017 unter Leuchtraketen. Schiedsrichter Markus Merk unterbrach sie deshalb in der zweiten Halbzeit für kurze Zeit. Auch hinterher kochten die Emotionen hoch, VfB-Stürmer Mario Gomez nannte den KSC-Verteidiger Maik Franz ein "Arschloch".

Für wen spricht die Statistik?

Eindeutig für den VfB. Der letzte Sieg in Stuttgart gelang dem KSC im Februar 1965, als er in der Bundesliga 2:1 gewann. Selbst das letzte Unentschieden in der Landeshauptstadt ist mehr als 29 Jahre her (2:2). Seitdem gewann der VfB alle zehn Heimspiele gegen Karlsruhe.


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