Hoher Zins = hohes Risiko Bei der Geldanlage nicht alles auf eine Karte setzen

Wie läuft’s mit den Aktien? Zwei kleine Plastikbullen, Symbol für eine gute Börsenentwicklung, stehen in Frankfurt am Main vor der großen Anzeigetafel, die den Tagesverlauf des Dax darstellt. Foto: dpa

Stuttgart - Die Zinsen sind niedrig, die Not der Anleger ist entsprechend groß. Experten warnen, großen Renditeversprechen zu vertrauen: Hoher Zins heißt hohes Risiko.

Ich habe 30.000 Euro zur Anlage übrig. Kann ich einen Zins von zwei Prozent für eine risikolose Anlage bekommen?
Vergleichen Sie Angebote für Spareinlagen, Festgeld, Tagesgeld. Zwei Prozent werden kaum möglich sein. Selbst zehnjährige Bundesanleihen bieten aktuell nicht mehr als 1,5 Prozent Rendite.

Aus einer Lebensversicherung bekomme ich im Juni 35.000 Euro. Wie lege ich das Geld am besten an, wenn ich mich nicht lange binden möchte? Die eigene Wohnung ist abbezahlt, und sonst ist noch etwas auf der hohen Kante.
Packen Sie die 35.000 Euro nicht in eine Anlage, sondern splitten Sie das Geld in drei festverzinsliche Tranchen auf – zum Beispiel mit zweijähriger, dreijähriger und vierjähriger Laufzeit. Dann profitieren Sie von höheren Zinsen bei längerer Laufzeit, und Sie bekommen 2015, 2016 und 2017 immer etwas zurück.

Ich habe ein Reihenhaus, einen Notgroschen von 20.000 Euro und meine Rente. Auf einem Sparbuch schlummern 2000 Euro. Soll ich mir dafür Aktien eines Unternehmens kaufen?
Davon würde ich abraten, das kommt einer Wette gleich. Ich würde nicht mein Geld in Aktien von nur einem Unternehmen stecken. Außerdem fallen für diesen vergleichsweise geringen Betrag auch noch jährliche Depotgebühren von 25 bis 30 Euro an.

Wie kann ich bei dauerhaft niedrigen Zinsen mein Erspartes erhalten?
Das geht voraussichtlich nur mit Anlagen, für die eine gewisse Risikobereitschaft nötig ist: Aktien, Immobilien oder entsprechende Investmentfonds.

Sind Aktien auch etwas für sicherheitsorientierte Anleger?
Ja, wenn das Geld langfristig und breit gestreut in Qualitätsaktien angelegt wird. Achten Sie bei der Auswahl auf solide, bekannte Unternehmen, zum Beispiel aus dem Dax, möglichst mit nachhaltiger Dividendenzahlung. Viele Aktiengesellschaften zahlen derzeit Dividendenrenditen von drei bis vier Prozent und mehr.

Wie bewerten Sie die gegenwärtigen Aktienkurse? Ich habe mir ein Depot aufgebaut, das einige 100.000 Euro wert ist.
Der Dax bewegt sich in Richtung seines historischen Höchststands. Deshalb sollten Sie Gewinne mitnehmen, das heißt: Trennen Sie sich von einem Teil Ihrer Aktien, und legen Sie das Geld vorübergehend als Tagesgeld an. Wenn die Börsen dann den Rückwärtsgang einlegen, können Sie schnell und zu billigen Kursen wieder einsteigen.

Sind die Aktienkurse nicht zu hoch, um noch einzusteigen?
Das weiß man erst im Nachhinein. Die Erfahrung zeigt aber, dass auf lange Sicht der Einstiegszeitpunkt nicht mehr so entscheidend ist. Über 20, 30 Jahre hinweg gab es mit einem breit gestreuten Depot aus Dax-Werten immer positive Ergebnisse. Außerdem müssen Sie nicht alles auf einmal in Aktien investieren, sondern können nach und nach einsteigen.

Zehn Prozent Rendite mit einer Windkraftanlage – ist das ein gutes Angebot?
Achtung, schauen Sie sich das Angebot sehr genau an, und prüfen Sie sorgfältig die Risiken. Zehn Prozent Rendite kann im Voraus niemand fest versprechen, Sie haben auch keine Kapitalgarantie. In der Regel handelt es sich um unternehmerische Beteiligungen. Dabei können Sie bei Erfolg möglicherweise eine hohe Rendite erzielen, im ungünstigsten Fall aber auch einen Totalverlust erleiden. Sie können auch unter Umständen in die Haftung genommen werden oder müssen vielleicht noch Kapital nachschießen. Von einem Angebot mit zehn Prozent Renditeversprechen würde ich die Finger lassen.

Nach der Italien-Wahl sind die Zweifel zurück. Wird der Euro überleben?
Es ist sehr unwahrscheinlich, dass die EuroLänder alle wieder zu ihren eigenen Währungen zurückkehren. Der Euro hat sich bisher als starke Währung erwiesen – die Teuerungsrate ist niedrig und der Außenwert stabil. Aus heutiger Sicht dürfte der Euro überleben. Ob allerdings alle Länder dabei bleiben, ist eine andere Frage.

Der Goldkurs ist seit Wochen am Fallen. Soll ich verkaufen?
Als Beimischung ist Gold weiterhin sinnvoll. Doch wenn Sie größere Goldbestände haben, kann ein Teilverkauf ratsam sein, um Gewinne zu sichern und den Goldanteil auf einen angemessenen Anteil des Vermögens herunterzufahren.

Lohnen sich Unternehmensanleihen?
Als Beimischung ja, aber es ist wichtig, auf die Bonität des Unternehmens zu achten. Nicht vergessen: Je höher der Zins, desto höher das Risiko.

Ich habe von Indexfonds als günstiger Anlagemöglichkeit gelesen. Wäre ein Indexfonds-Sparplan sinnvoll?
In der Tat sind Indexfonds kostengünstiger als herkömmliche Investmentfonds. Wenn Sie vom künftigen Erfolg des zugrunde liegenden Index überzeugt sind, ist ein entsprechender Sparplan sinnvoll. Der Dax etwa hat sich seit seiner Einführung 1987 bis heute annähernd verachtfacht.

Ich möchte aufgrund meines Alters Geld nicht mehr länger festlegen. Was bietet sich an?
Insbesondere kurzfristige Spareinlagen, Festgeld, Tagesgeld. Diese Bankeinlagen sind in Deutschland umfassend abgesichert und damit gut geschützt. Aber die Verzinsung liegt unterhalb der aktuellen Inflationsrate. Sie müssen sich derzeit damit abfinden, dass die Inflation das Ersparte schleichend entwertet.

Für meine beiden Enkel möchte ich regelmäßig etwas auf die hohe Kante legen. Vielleicht etwas Festverzinsliches? Was schlagen Sie vor?
Ein Banksparplan ist eine sichere Möglichkeit, doch die Verzinsung ist derzeit sehr niedrig. Möchten Sie einen langjährigen Ansparplan mit besseren Renditechancen, dann würde ich auf Aktien setzen, am besten mit einem Aktienfonds-Sparplan.

Ich bin 75 Jahre alt und habe bisher noch nie in Aktien angelegt. Sollte ich es tun, weil die Zinsen bei Bankanlagen so niedrig sind?
Bei Aktienanlagen müssen Sie mit Kursschwankungen leben können. Wenn Sie eine höhere Rendite möchten und einen Teil Ihres Geldes liegen lassen können, kann es sinnvoll sein, einen kleinen Teil Ihres Vermögens in dividendenstarken Aktien anzulegen. Welche Aktienquote für Sie persönlich ratsam ist und wie Sie Aktien breit streuen, besprechen Sie am besten mit Ihrem Bankberater.

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