Holz- und Weinküfer Ein Beruf stirbt langsam aus

Manfred Zehnder brennt gerade einen Schnaps und erzählt über alte Handwerkskunst. Foto: Schneider / ZVW

Urbach. Vielleicht ein oder zwei im Jahr. Mehr seien es nicht, die heute noch den Weg einschlagen, den Manfred Zehnder 1962 nahm. Bis 1965 absolvierte er bei der Firma Albert Bubeck in Waiblingen eine Lehre als Holz- und Weinküfer. Sein Gesellenstück war ein 600 Liter fassendes Weinfass, angefertigt in drei Tagen. Auch wenn das Handwerk des Holzküfers aussterbe, würde er wieder den gleichen Weg wie damals einschlagen. Die Fass- und Weinküfer-Innung Baden-Württemberg/Nord gratuliert zum 70. Geburtstag.

Den feiert der Urbächer im Dezember auf Teneriffa, verrät er. Vorher blickt er mal wieder zurück in die 60er Jahre, als er seine Lehre begann. Damals hatte jeder Haushalt noch ein Holzfass im Keller stehen, in dem der Most aufbewahrt wurde. „Es gab nur Holzfässer“, sagt Manfred Zehnder. Dann begann langsam der Siegeszug des Edelstahlfasses. „Heute wird fast kein Holzfass mehr hergestellt“, sagt Manfred Zehnder, „es gibt keine Nachfrage mehr.“ Aber es gibt doch die Barrique-Eichenfässer? Die werden aber fast ausschließlich in Frankreich hergestellt, nicht in Deutschland, weiß Zehnder. Diese Lagerfässer werden aus Limousin-Eichenholz hergestellt, das sei die intensivste Eiche, schildert Zehnder.

Könnte er heute noch Fässer herstellen? Natürlich!

In den 50er Jahren haben die Urbacher noch die Äpfel vom Stückle aufgeklaubt, dann wurde gemostet und die Fässer im Keller gefüllt. Früher wurde ja alles eingelagert. Auch das hat sich geändert. Wann hat er denn sein letztes Fass angefertigt? Das wird wohl rund 20 Jahre zurückliegen, sagt er. Könnte er heute noch Fässer herstellen? Natürlich! Das sei wie Fahrradfahren, das verlerne man nie. Viele der dafür notwendigen Maschinen besitze er noch. Er holt Stift und Papier, malt auf, wie aus einem Baum ein Fass wird, wie das Holz beschaffen sein muss, wie die Dauben schließlich montiert werden. Lang ist’s her. Beim praktischen Leistungswettbewerb wurde er 1965 Kammersieger, später Landessieger und schließlich zweiter Bundessieger. Die Ehrung überreichte ihm Bundespräsident Dr. Heinrich Lübke.

Stahlfässer handlicher und leichter zu reinigen

1971 legte Manfred Zehnder seine Prüfung zum Weinküfer- und Kellermeister ab und heiratete Elfriede. Sein zweites Meisterstück: ein ovales Weinfass, 1200 Liter. Das größte Fass, das er hergestellt hat, fasst 3500 Liter. Doch, Zehnder räumt es freimütig ein, die Stahlfässer seien handlicher und viel leichter zu reinigen. Und so sterbe dieses Handwerk aus. Von den wenigen Aufträgen, die Liebhaber oder Winzer erteilen, meist für Schaufässer, könne heute niemand mehr leben.

Tradition reicht weit zurück

Doch würde es heute noch einige Küfer geben – auch, weil sich viele Küfer ein zweites Standbein aufgebaut haben, das schnell kräftig wurde, während das andere mehr und mehr lahmte. Manfred Zehnders Vater eröffnete einen Getränkehandel, den der Sohn 1984 übernahm. Die Tradition reicht weit zurück: 1879 eröffnete Friedrich Schuler an der Hauptstraße 10 eine Küferei. Sohn Karl Schuler hat sie übernommen. Auf ihn folgte sein Schwiegersohn Eugen Zehnder, der Vater von Manfred Zehnder. Somit besteht der Betrieb bereits in fünfter Generation. Auch Sohn Mike, der heute den Getränkehandel führt, hat noch Weinküfer gelernt. Doch auch sie gebe es immer seltener. Ein weiteres Standbein für die Familie wurde das Küferstüble, früher ein Spirituosen-Geschäft, wo sich Leute Schnaps abfüllen konnten. Daraus entwickelte sich dann die Kneipe, denn auch dieses Geschäft wurde durch die Entstehung von Supermärkten erschwert. Solange er und seine Frau Elfriede gesund sind, werde es die Kneipe geben, verspricht Zehnder.

Ein Fass braucht niemand mehr

Bis heute brennt der Urbächer noch Schnaps. Viele Urbacher bringen ihre Äpfel zu Zehnder. Knapp 1000 Tonnen waren das in guten Jahren. Dieses Jahr waren es 35 Tonnen. Seit 1955 beobachte er die Lage. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt er. Aus 100 Kilogramm Äpfeln könne man rund 64 Flaschen Apfelsaft oder andere Getränke machen. Über das Jahr verteilt holen sich dann jene, die ihre Äpfel bei ihm abgeben, so viele Flaschen ab, wie ihre Ernte eingebracht hat. Ein Fass braucht somit niemand mehr. Will er noch mal ein Fass bauen? Das habe er vor. Doch für wen?


Stark engagiert

„Für seinen Berufsstand und das Handwerk allgemein engagiert sich Manfred Zehnder seit über 25 Jahren in besonderem Maße. 1989 wählte ihn die Innungsversammlung zum Obermeister der damaligen Weinküferinnung Waiblingen und Stuttgart.

Im Jahr 1998 erfolgte die Fusion der Innung mit den Innungen Ludwigsburg und Heilbronn zur Fass- und Weinküfer-Innung Baden-Württemberg/Nord, zu deren stellvertretendem Obermeister er gewählt wurde. Ein Amt, das er bis heute innehat“, schreibt die Kreishandwerkerschaft Heilbronn-Öhringen.

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