Holzbrücke in Plüderhausen Nur das Nötigste wird repariert

Achtung, Stolpergefahr! Ein Schild informiert Fußgänger vor dem Betreten des Holzstegs über mögliche Gefahren. Foto: Ellwanger / ZVW

Plüderhausen. Die Brücke zwischen Mühl- und Remsstraße beschäftigt die Verwaltung schon seit einigen Jahren. Zunächst sollte sie grundsaniert werden. Dann war zeitweise eine „Stuttgarter Holzbrücke“ als Ersatz für den sanierungsbedürftigen Steg in der Diskussion. Nun hat sich der Gemeinderat vorerst für eine Minimallösung entschieden.

An vielen Stellen ist der Belag aufgebrochen, Wasser eingedrungen – und auch das Holz selbst ist von der Zeit gezeichnet. Wirklich barrierefrei ist der Holzsteg schon lange nicht mehr (die Rampe in der Remsstraße ist dafür auch viel zu holprig). Vielmehr handelt es sich um eine Stolperfalle, worauf ein Schild an der Nordseite auch dankenswerterweise hinweist. Dass im Sinne der Sicherheit etwas getan werden muss, ist deshalb im Grunde unstrittig. Nur wie, da war sich Plüderhausen lange nicht einig.

Vor zwei Jahren wurde die geplante Sanierung schon einmal gestoppt

Eigentlich sollte die Brücke bereits 2016 saniert werden. Doch dann kamen die Vorbereitungen zur Gartenschau – und ein Architektur-Professor aus Stuttgart in den Gemeinderat, der über die Vorzüge der „Stuttgarter Holzbrücke“ berichtete. Ein unter Architekten durchaus gerühmtes Modell, das eine überdurchschnittliche Lebensdauer versprach. Für die Gartenschau sollte diese in Weinstadt, Schorndorf, Urbach und eben Plüderhausen gebaut werden. Das gefiel den Gemeinderäten so gut, dass sie eine solche Brücke als Ersatz für den Steg über die Rems forderten. Die Sanierung wurde vorerst gestoppt.

Doch inzwischen ist auch das Vorzeige-Projekt „Stuttgarter Holzbrücke“ in Plüderhausen Geschichte. Nach den permanenten Kostensteigerungen während der Planungsphase wäre sie der Gemeinde am Ende zu teuer gekommen, meinten die Räte und verabschiedeten sich von dem Neubau-Projekt (die Schorndorfer taten es ihnen einige Zeit später gleich).

Nun hat die Verwaltung in Person von Bauamtsleiter Ludwig Kern erneut geplant und dem Gemeinderat drei mögliche Wege für die Zukunft des Stegs aufgezeigt.

Drei Möglichkeiten für den Steg

Erste Möglichkeit: eine Minimalunterhaltung. Dabei würde der Belag erneuert und das Holz vor dem Verfall gerettet. Optisch bliebe die Brücke unverändert. Kostenpunkt: circa 20 000 Euro.

Zweite Möglichkeit: eine grundhafte Sanierung. Dabei würde der Belag entfernt, das Holz und die Brüstung erneuert, die Tragkonstruktion punktuell saniert, die Rampe erneuert sowie der Boden abgedichtet werden. Voraussichtliche Kosten: zwischen 100 000 und 260 000 Euro (sofern die Brücke noch ein Dach zum Schutz des Materials bekommt). Die Verwaltung rechnet dafür mit Fördermitteln von bis zu 40 Prozent.

Dritte Möglichkeit: eine ganz neue Brücke. Voraussichtliche Kosten nach den Erfahrungen mit der „Stuttgarter Holzbrücke“: nicht genau abzuschätzen.

SPD-Gemeinderat Klaus Harald Kelemen schlug sich die Hände über dem Kopf zusammen, nachdem er dies gehört hatte. „Ich bedaure, dass wir immer noch über diese Brücke sprechen müssen.“ Denn aus seiner Sicht hätte die Sanierung längst stattfinden sollen. Doch „endgültige Entscheidungen sind immer wieder infrage gestellt worden.“ Wichtig sei vor allen, dass jetzt etwas im Bestand getan werde. Ein Dach für den Steg lehne er aber ab.

Scheuerer: Wir brauchen keine Maximallösung

Auch Ulrich Scheurer sah das so. Jahrelang sei es auch ohne Dach gut gegangen. „Die Bevölkerung hätte kein Verständnis dafür“, meinte der CDU-Rat. „Wir brauchen jetzt keine Maximallösung.“

„Ein Dach wäre der beste Holzschutz“, sagte hingegen Bauamtsleiter Kern. Damit ließe sich die Lebensdauer der Brücke verlängern. „Anders bekommen wir das nicht hin.“ Andreas Schaffer bekannte, kein Anhänger der Dach-Lösung zu sein. Aber er äußerte die Sorge, dass, sollte Plüderhausen jetzt nichts Grundlegendes tun, die Brücke bereits in fünf bis zehn Jahren wieder zum Problem werde. „Aber wir haben das Geld nicht“, sagte Thomas Häussermann (FW/FD) und sprach sich damit für eine Minimallösung aus. „100 000 Euro für die grundhafte Sanierung – das finde ich sehr viel Geld“. Würde die Brücke schön angestrichen, wäre schon viel gewonnen, so Häussermann. Für eine Fußgängerüberquerung sollte die Gemeinde nicht so viel Geld ausgeben, fand auch Erich Wägner von der Grünen Liste Umwelt. „Eine Minimallösung – nicht mehr und nicht weniger“ lautete deshalb seine Forderung.

Noch vor der Gartenschau sollen die Baumaßnahmen beginnen

Stimmen für eine grundlegende Sanierung oder gar einen Neubau des Holzstegs gab es im Gemeinderat keine – zumindest äußerte sich niemand in diese Richtung. Die Verwaltung wird nun die Minimallösung weiterverfolgen. Dass in diesem Jahr noch mit der Sanierung begonnen werden kann, ist allerdings eher unwahrscheinlich. Im April 2019, und damit noch rechtzeitig vor der kommenden Gartenschau, sollen die Bauarbeiten an der Brücke aufgenommen werden.


Weniger als geplant

80 000 Euro waren für die (nicht verwirklichte) Brücke im Haushalt 2018 vorgesehen. Nun sollen 20 000 Euro in den Haushalt 2019 eingebracht werden. Förderfähig ist die Summe nicht.

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