Homöopathie Kügelchen auf Kassenkosten

 Foto: VKHD/dpa

Stuttgart - Homöopathie gilt in der Wissenschaft vielfach als wirkungslos. Forderungen, die alternative Behandlungsmethode auf Kassenkosten deshalb zu verbieten, haben helle Empörung ausgelöst.

Warum will der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach die Homöopathie auf Kassenrezept verbieten lassen?

Lauterbach glaubt nicht, dass homöopathische Heilmittel in irgendeiner Weise helfen. Seiner Meinung nach kann die Homöopathie die Behandlung ernsthafter Erkrankungen verschleppen. Deshalb fordert er: " Man sollte den Kassen schlicht verbieten, die Homöopathie zu bezahlen."

Wie reagiert Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler auf die Forderung?

Der FDP-Politiker will an Homöopahie auf Kassenrezept festhalten. "Grundsätzlich spricht nichts gegen Wahltarife, auch nicht bei der Homöopathie", sagt er. "Wenn eine Krankenkasse diesen Weg geht, kann und sollte ihr das nicht verwehrt werden." Die Allgemeinheit dürfe nicht belastet werden.

Welche Position nehmen die Parteien ein?

Baden-Württembergs Sozialministerin Monika Stolz (CDU) warnt vor der Streichung einzelner Leistungen. "Die Krankenkassen können wählen, ob sie ihren Mitgliedern die Homöopathie anbieten oder nicht." Das sei ein Wettbewerbselement. "Wir sollten nicht immer versuchen, alles gleich zu machen." Homöopathie könne eine gute kostengünstige Ergänzung sein. Der CSU-Sozialexperte Max Straubinger nennt die Diskussion fehlgeleitet: "Wir stehen für einen umfassenden Leistungskatalog."

Welche homöopathischen Arzneien und Leistungen durch homöopathische Ärzte werden von den Kassen noch bezahlt?

Seit dem Gesundheitsmodernisierungsgesetz von 2004 ist die Homöopathie fast völlig aus dem Leistungskatalog gestrichen. Geblieben sind nur wenige Ausnahmen wie die Übernahme der Kosten für Kinder unter zwölf Jahren. Der Gesetzgeber hat den Kassen darüber hinaus die Möglichkeit eingeräumt, Wahltarife und Verträge abzuschließen. Rund die Hälfte der Kassen bietet ihren Kunden eine homöopathische Beratung an.

Was beinhaltet diese Beratung?

Die jeweiligen Kassen haben mit dem Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) Verträge über eine Integrierte Versorgung Homöopathie abgeschlossen. Die Kassen übernehmen die Kosten für ein Erstgespräch bei einem homöopathischen Arzt. Erkrankt ein Patient, zahlt die Kasse auch die Folgeanamnese und die Beratung. Mehr aber auch nicht.

Wie reagieren die Kassen auf den Vorstoß, die Homöopathie endgültig zu streichen?

Der GKV-Spitzenverband verteidigt das Homöopathie-Angebot. Es sei Ausdruck der Verschiedenheit der einzelnen Kassen und eines funktionierenden Wettbewerbs. "Hier beginnt eine Debatte in die völlig verkehrte Richtung zu verlaufen", betont GKV-Sprecher Florian Lanz. Der DZVhÄ spricht von "Oppositionspopulismus.

Wie reagieren die Hersteller von homöopathischen Heilmitteln?

Bei der Staufen-Pharma, einem traditionsreichen mittelständischen Familienunternehmen in Göppingen, ist man verwundert über den Vorstoß des SPD-Politikers. "Die entscheidende Ausgrenzung der Homöopathie ist längst gelaufen", sagt der Vertriebsleiter Cornelius Otto. "Man kann nicht mehr viel verbieten. Vielleicht soll mit dem Vorstoß ein falscher Sparwille geweckt werden. Vermutlich soll die Homöopathie aber erneut verunglimpft werden."

Könnte mit der Streichung der Homöopathie ein maßgeblicher Sparbeitrag für das Gesundheitswesen erzielt werden?

Eindeutig nein! Bei der Staufen-Pharma machen die von den Kassen bezahlten Mittel einen Betrag in Höhe der "zweiten Stelle hinterm Komma aus", so Otto. Der Bremer Gesundheitsexperte Gerd Glaeske erklärt: Lauterbachs Vorstoß ziele auf das homoöpathische Arztgespräch, das eine Kassen-Wahlleistung sei. "Das kann man fordern. Aber man hat damit kein Milliardenthema am Hals, wie es in anderen Bereichen der Arzneimittelversorgung der Fall wäre. Mir würden ganz andere Dinge zum Sparen einfallen - etwa Generika, die mehr verschrieben werden sollten. Die Homoöpathie spielt für die Kassen kaum noch eine Rolle."

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