Homosexualität in der Kirche Fuchslochs knappe Entschuldigung

Thomas Fuchsloch (vordere Reihe, Zweiter von rechts) allein zu Haus: Dekanin Juliane Baur, das Pfarrersehepaar Margarete und Thomas Oesterle (Paulusgemeinde), Pfarrer Steffen Kläger-Lißmann (Stadtkirchengemeinde) und Krankenhauspfarrer Hans Gerstetter (von links nach ganz rechts) betonen ihre abweichende und klare Position in Bezug auf den Umgang von Kirche mit Homosexualität. Foto: Büttner / ZVW

Schorndorf. Es hat lange gedauert, bis sich Pfarrer Thomas Fuchsloch zu einer öffentlichen Entschuldigung wegen seiner diskriminierenden Äußerungen gegenüber Homosexuellen durchgerungen hat. Sie hat folgenden knappen Wortlaut: „Ich bedaure meine Wortwahl am Ende der Vortragsreihe ,Wenn Lieben anders ist‘. Sie wurde als diskriminierend empfunden. Das wollte ich nicht. Ich möchte mich ausdrücklich dafür entschuldigen.“

„Natürlich wäre es besser gewesen, wenn er gesagt hätte: Das was ich gesagt habe, war diskriminierend“, sagt Dekanin Dr. Juliane Baur, die in den letzten Wochen viele Gespräche mit dem Pfarrer der Versöhnungskirchengemeinde geführt hat, ehe sie ihn so weit hatte, dass er sich wenigstens in schriftlicher Form – zu einem Gespräch mit der Redaktion ist Thomas Fuchsloch derzeit nicht bereit – entschuldigt hat. Wobei er, so sagt’s die Dekanin, diese Entschuldigung in Verbindung gebracht sehen will mit einer Stellungnahme des Kirchengemeinderats der Versöhnungskirche, in der Wert darauf gelegt worden ist, dass in der Versöhnungskirchengemeinde niemand ausgegrenzt, sondern im Gegenteil darauf geachtet werde, „für alle Interessierten passende Angebote zu haben“. Bezüglich der Äußerungen von Fuchsloch, die letztendlich dazu geführt hatten, dass die junge Frau, die zuvor wegen ihrer Homosexualität von der im CVJM verorteten Band „Grace 1“ ausgeschlossen worden war, weinend das Martin-Luther-Haus verlassen hatte, ist in der Stellungnahme des Kirchengemeinderats von „ungeschickten Äußerungen“ und „Missverständnissen“ die Rede, die „auch zu Verletzungen geführt“ hätten.

Vorsätze müssen in die Tat umgesetzt werden

Im Vergleich zu dieser Stellungnahme sei die persönliche Entschuldigung von Thomas Fuchsloch „ein deutlicher Fortschritt“, findet die Dekanin, die auch meint, beim Pfarrer der Versöhnungskirchengemeinde „echte Reue gespürt“ zu haben. Andererseits aber versuche er – was aus seiner Sicht zunächst einmal nachvollziehbar sei – sich selbst treu zu sein und bei seiner grundsätzlichen Haltung zu bleiben, sagt Juliane Baur, die gleichwohl von Fuchsloch und seiner Gemeinde erwartet, was sie schon bei der Bezirkssynode gesagt hat: Dass es, was den Umgang mit Homosexuellen angeht, nicht bei Lippenbekenntnissen bleibt, sondern dass die Vorsätze auch in die Tat umgesetzt werden.

Die anderen Pfarrer distanzieren sich von Fuchslochs Position

Wie schon einmal in dieser Auseinandersetzung um den Umgang der Kirche mit Homosexualität gibt es auch diesmal ein zweites Papier – beide sind auf der Homepage der Gesamtkirchengemeinde nachzulesen –, mit dem Dekanin Baur sowie die an der Veranstaltungsreihe „Wenn Liebe anders ist“ beteiligten Pfarrer Hans Gerstetter, Thomas Oesterle und Steffen Kläger-Lißmann und, obwohl namentlich nicht genannt, auch Pfarrerin Dorothee Eisrich deutlich machen, dass sie „unmissverständlich von Pfarrer Fuchsloch abweichende Positionen zur gleichgeschlechtlichen Liebe vertreten“. Zum konkreten Vorfall im Martin-Luther-Haus, der den Stein erst so richtig ins Rollen gebracht hat, heißt es: „Leider ist es am Ende durch eine sehr unbedachte Wortwahl von Pfarrer Fuchsloch zu großen Verletzungen gekommen. Dies hätte nicht passieren dürfen.“ Gleichzeitig wird in dem Papier aber auch deutlich gemacht, dass es „keine Frage ist, dass wir zueinanderstehen und weiterhin kollegial zusammenarbeiten“. Was umso wichtiger sei, als in den nächsten Jahren strukturelle Änderungen auf die Gemeinden zukämen, bei denen die Gemeinden noch enger aufeinander angewiesen seien.

Diskussion geht weiter: „Ich weiche nicht“, sagt die Dekanin

Daraus aber zu folgern, dass die Diskussion um „Kirche und Homosexualität“ nun im Sande verlaufe oder gar mehr oder weniger offiziell für beendet erklärt werden sollte, sei absolut falsch, sagt die Dekanin und stellt ungeachtet dessen, dass sie’s in den letzten Wochen „nun wirklich von allen Seiten abgekriegt“ und dass sie sich ihre ersten Monate in Schorndorf auch etwas anders vorgestellt hat, fest: „Ich weiche nicht.“ Soll heißen: „Das Thema kann nicht beendet sein, sondern muss weiter vorangetrieben werden.“ Und zwar sowohl in der Gesamtkirchengemeinde, in der das künftige Verhältnis zur laut Juliane Baur bislang wohl noch eher uneinsichtigen „Grace 1“-Band noch geklärt werden muss, als auch in der Landeskirche, wo sich in der kommenden Woche die Landessynode trifft und wo noch einmal das Thema „Segnung gleichgeschlechtlicher Paare“ aufgenommen wird. Mit dem Ziel, wenn es nach Juliane Baur geht, dass es dann bei der Frühjahrssynode 2019 eine Entscheidung im Sinne der Homosexuellen gibt. Pikanterie am Rande: Es gibt mittlerweile sogar schon eine Anfrage an die Landeskirche bezüglich der Segnung Menschen dritten Geschlechtes, über die nun wirklich gar nichts in der Bibel steht.

„Die inhaltliche Auseinandersetzung geht also weiter“, sagt die der Gruppierung „Evangelium und Kirche zuzurechnende Dekanin, die es bedauert, dass evangelikale Kreise, die es natürlich nicht nur in der Versöhnungs-, sondern auch in der Stadtkirchengemeinde gibt, nicht verstehen wollen, dass es bei der Frage des Umgangs mit Homosexualität um keine Bekenntnisfrage geht. Vielmehr gehe es darum, deutlich zu machen, dass Homosexualität nichts Defizitäres und nichts mit Sünde Behaftetes sei und dass Homosexuelle in der Kirche genauso ihren Platz und eine Heimat hätten wie alle anderen auch.


Hintergrund

Eine junge Frau, die sich als lesbisch geoutet hatte, war aus einer christlichen Band ausgeschlossen worden. Eine daraufhin durchgeführte Veranstaltungsreihe zum Thema "Homosexualität und Kirche" endete mit einem Eklat. In ihren Gefühlen tief verletzt durch Äußerungen von Pfarrer Thomas Fuchsloch von der Versöhnungskirchengemeinde, verließ besagte junge Frau weinend das Martin-Luther-Haus. In und um Schorndorf wurde anschließend heftig über das Thema und auch über die Äußerungen diskutiert.

Unsere bisherige Berichterstattung zum Thema


Abstrus: Jakob Tscharntkes Abfall-Theorie

„Abfall der württembergischen Landeskirche am Beispiel Schorndorf“ hat ein gewisser Jakob Tscharntke einen im Internet nachzulesenden Artikel überschrieben, in dem er zu dem Schluss kommt, dass die Ereignisse im Dekanat beziehungsweise im Gesamtkirchengemeinderat zeigten, „dass der Abfall der württembergischen Landeskirche von Christus und seinem Wort nahezu den finalen Höhepunkt erreicht haben dürfte“. Dekanin Dr. Juliane Baur fällt zu dieser These und zu dem, was Tscharntke sonst noch so alles von sich gibt, nur eines ein: „Abstrus.“

Pastor Jakob Tscharntke von der Evangelischen Freikirche Riedlingen und verhaftet im „Netzwerk Bibeltreuer Christen“, der auch gerne mal gegen Flüchtlinge hetzt und die Kanzlerin als „Verbrecherin“ tituliert, war von 1985 bis 1987 beim, wie er selber sagt, „bibeltreuen Dekan Scheffbuch“ als Vikar zur Dienstaushilfe in Schorndorf. „Damals“, stellt er in seinem unsäglichen Beitrag fest „waren fast alle Pfarrer im Dekanat noch wirklich bibeltreu – allen voran die der Stadtkirchengemeinde und der Pauluskirchengemeinde“.

Während Tscharntke Pfarrer Fuchsloch ausdrücklich dafür lobt, dass er in der Diskussion um „Kirche und Homosexualität „ biblisch korrekt zusammen mit der Mehrheit seines Kirchengemeinderats am Wort Gottes festgehalten habe, unterstellt er den „Bibelkritikern, allen voran der amtierenden Dekanin Dr. Juliane Baur“, dass sie mit der Veranstaltungsreihe „Wenn Liebe anders ist“ nichts anderes im Sinn gehabt hätten, als ihre Linie durchzudrücken und die biblische Position zur Homosexualität aus dem Dekanat zu verbannen.

„Wie tief der große Rest der Pfarrerschaft geistlich und theologisch im einst so frommen Remstal mittlerweile gesunken ist“, macht der ehemalige Schorndorfer Vikar unter anderem an der Aussage von Pfarrer Thomas Oesterle fest, dass Homosexuelle allein schon deshalb ethisch und moralisch nicht verurteilt werden könnten, weil sie für ihre Veranlagung nichts könnten. „Unsinn“ sei das, meint Tscharntke und schlägt den Bogen zum Missbrauch von Kindern „und der dahinter stehenden pädophilen Veranlagung“.

„Dass dieser dramatische geistliche Zerfall symptomatisch für die Landeskirche sein dürfte“, zeigt sich für Tscharntke allein schon daran, „dass man die Dekanin mit ihrer Truppe nicht schon längst zur Räson gebracht und abgesetzt hat“. In der Tat: Ein abstruses Pamphlet.

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